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Potsdam-Mittelmark Morgenstern-Freunde sind ins Stocken geraten
Lokales Potsdam-Mittelmark Morgenstern-Freunde sind ins Stocken geraten
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15:39 22.04.2018
Christian Morgenstern war zwar nur einmal in seinem Leben in Werder, hat aber ein eigenes Museum in der Blütenstadt. Quelle: Bernd Gartenschläger
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Werder

Die Satzung steht, die Zahl der Interessierten lässt sich zeigen und der Wille ist ungebrochen. Doch der Morgenstern-Gesellschaft fehlt noch ein entscheidendes Mitglied im Vorstand. „Eigentlich wollten wir uns im September zur abgeschlossenen Gründung treffen, doch ich musste den Prozess stoppen“, berichtet der Initiator Jürgen Raßbach. Der Leiter des Christian-Morgenstern-Literaturmuseums hatte im Mai etwa 30 Gäste aus dem In- und Ausland zur Gründungskonferenz nach Werder eingeladen. Die Gesellschaft soll die wissenschaftliche Forschung zu Christian Morgenstern ankurbeln, denn es gäbe noch viel zu entdecken, so Jürgen Raßbach.

Er wünscht sich, dass auch wissenschaftliche Kompetenz im Vorstand vertreten ist. In der Führungsrolle, in die er hineingeraten sei, fühle er sich nicht ganz wohl, wie er sagt. Derzeit besteht die Gesellschaftsführung aus drei Lehrern, die zwar Leitungserfahrung haben, aber in Bezug auf Christian Morgenstern Laien seien. Nach der kleinen Auszeit nimmt Jürgen Raßbach die Gründung nun wieder in Angriff und hat konkrete Ziele. Eins davon ist die Gründung eines wissenschaftlichen Beirates. Zunächst hat er die Mitglieder zu einem digitalen Brainstorming aufgerufen. „Was wir brauchen, ist ein gemeinschaftliches Bemühen“, sagt er.

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Erneutes Treffen Anfang April geplant

Nur vier der 32 Mitglieder stammen aus Werder, acht von ihnen sind Wissenschaftler, drei kommen aus Italien. Viele von ihnen seien bereits anderweitig engagiert und könnten deshalb nicht die aufwendige Vorstandsarbeit übernehmen, erklärt Jürgen Raßbach das Dilemma. Eine wissenschaftliche Konzeption für die Gesellschaft sei ihm aber sehr wichtig. Ebenso ein tragfähiges Konzept für das Museum, das kürzlich in die „Märkische Dichterstraße“ aufgenommen wurde. Die Kooperation mit den fünf Partnerschulen soll weiter entwickelt werden, ein Redaktionsteam könnte regelmäßige Rundbriefe schreiben und die Gesellschaft könnte gemeinsam die Verantwortung für die Gestaltung vom „Treffpunkt Galgenberg“ übernehmen.

Obwohl das Museum gegenüber von der Turmgalerie in der Bismarckhöhe vieles über Christian Morgenstern verrät, der selbst nur ein einziges Mal auf dem Werderaner Galgenberg gewesen sein soll, bleibt noch eine Menge zu erforschen, so Jürgen Raßbach. Die Beziehung zwischen Morgenstern und Bismarck ist ein Beispiel. „Der junge Morgenstern war beeindruckt von der Persönlichkeit Bismarcks“, erzählt Jürgen Raßbach. Eine Kunstwissenschaftlerin habe sich zudem bereit erklärt, etwas über Morgenstern und die Malerei herausfinden. Denn sein Vater und Großvater waren beide Maler. „Auch die Geschichte mit Morgenstern und Werder ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Jürgen Raßbach. Eines ist ihm nach wie vor besonders wichtig: „Man sollte Morgenstern niemals auf die Galgenlieder beschränken.“ Denn Morgenstern selbst war mehr als nur ein Dichter oder Schriftsteller, er machte sich auch einen Namen als Humorist, Publizist, Übersetzer oder Mystiker.

Anfang April sollen die Mitglieder der Gesellschaft noch einmal zu einer Konferenz auf der Bismarckhöhe zusammenkommen. Vorschläge, die Gründung voranzubringen, nimmt Jürgen Raßbach bis dahin von seinen Mitstreitern entgegen. Am 6. Mai 2021 hätte Morgenstern seinen 150. Geburtstag gefeiert – ein guter Anlass, um spätestens dann die erfolgreiche Gründung der Gesellschaft zu verkünden. Eine Vorstufe könnte die Bildung einer Interessengemeinschaft sein, auf deren Basis die Arbeit ihren Fortschritt finden kann. Auch darüber soll beraten werden.

Von Luise Fröhlich