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Potsdam-Mittelmark Museum ehrt Künstler zum Ortsjubiläum
Lokales Potsdam-Mittelmark Museum ehrt Künstler zum Ortsjubiläum
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12:34 11.01.2017
Das Landhaus des Malers Gerhard Graf am Plessower See, von Graf 1927 gemalt. Quelle: Privat
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Ferch

„Ich freue mich wie ein Kind auf eure märkische Ebene, so reich an wechselnden Szenen. Darin im Frühling herumzulaufen ist herrlich“, schrieb der Wiener Maler Carl Schuch (1864–1903) an seinen Freund, den herausragenden Küns­tler Karl Hagemeister (1848–1910). Dessen Skizzen aus Ferch hatten Schuch regelrecht entzückt. Für das Fercher Museum sind beide Maler die Gründungsväter der Malerkolonie am Schwielowsee.

„Werders Ehrenbürger Karl Hagemeister fällt dabei die Entdeckerrolle unter den Künstlern zu“, sagt Carola Pauly. Die Vorsitzende des Vereins Havelländische Malerkolonie, dessen Museum im vergangenen Jahr mit fast 8000 Gästen einen Besucherrekord für sich verbuchen konnte, kündigt für das 700. Ortsjubiläum von Ferch in diesem Jahr eine Ausstellung zu Ehren der Gründungsväter Karl Hagemeister und Carl Schuch an. „Auch die Malergeneration der Schule von Eugen Bracht wird in dieser Ausstellung vom 29. April bis 16. Juli in unserem Museum gewürdigt“, sagt Pauly.

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Eine zweite Sonderausstellung ist für den 22. Juli bis zum 29. Oktober vorgesehen. Mit den zwei Präsentationen wird an die Maler erinnert, die das Dorf um 1880 entdeckt, dort viele Jahre gelebt und Ferch nachweislich in ihren Bildern festgehalten haben, sagt Pauly. Beide Ausstellungen zeigen einzigartige Gemälde und Grafiken mit Fischer- und Bauernkaten, den Schwielowsee mit seinen breiten Schilfgürteln, die Sandwege, auf die alte Bäume Schatten werfen. Die Kunstfreunde können Obstgärten, eiszeitlich geformtes Wiesenland und vor allem die weite Sicht und ein besonderes Licht entdecken.

Ferch hat sich als Künstlerort behauptet

Nach den Skizzen von Hagemeister und der Begeisterung von Schuch kamen beide Freunde in den Frühlings- und Sommermonaten 1880 und 1881 nach Ferch und malten im Dorf und der Umgebung. Sie legten somit den Grundstein einer nun schon über 100 Jahre alten Tradition des Malens in Ferch am Schwielowsee.

Was Hagemeister und Schuch nach Ferch zog, führte bald auch andere Maler ins Dorf. Um 1920 ließen sich Künstler wie Arthur Borghard, Hans Otto Gehrke und Hans Wacker von der märkischen Landschaft inspirieren. Ferch hat seinen Rang als Künstlerort durch all die wechselnden Phasen vom Durchbruch der Freiluftmalerei bis zur kritischen Kunst nach 1945 behauptet. Und noch heute leben und arbeiten in der Gemeinde Schwielowsee eine Vielzahl zeitgenössischer Künstler.

Zum Ortsjubiläum hat der Förderverein Malerkolonie mit Unterstützung der Erdgas Mark Brandenburg (EMB) den neuen Kalender 2017 herausgegeben. Er zeigt Werke mit Ansichten von Ferch unter anderem im Winter, auf dem Wietkiekenberg, Karl Hagemeisters „Weißer Mohn“ und die Kartoffelernte um 1911.

Förderverein ist seit 2002 aktiv

Im Januar 2002 hat sich der Förderverein Havelländische Malerkolonie gegründet um das Kossätenhaus in Ferch, Beelitzer Straße 1, zu erhalten und um dort ein Museum einzurichten.

Die Havelländische Malerkolonie entwickelte sich Ende des 19. Jahrhunderts in der Region rund um den Schwielowsee. Die Nähe zu Berlin und Potsdam und die durch Seen, den Flusslauf der Havel sowie Wälder und Wiesen geprägte Landschaft bot den Künstlern vielfältige Anregungen.

Im Gegensatz zu anderen Künstlerkolonien gab es in Ferch und am Schwielowsee keinen festen Zusammenschluss von Malern. Im Artikel „Ferch, ein Märkisches Malerdorf“ aus der Potsdamer Jahresschau im Jahr 1928 wird jedoch ausführlich berichtet, wie der Ort durch die Künstler Karl Hagemeister und Carl Schuch als Künstlerort seine Anerkennung erhielt.

Max Osborn liest am 18. Februar um 17 Uhr aus seinem Buch „Der bunte Spiegel“. Anhand von Porträts über Adolph Menzel, Max Klinger, Lesser Ury, Max Slevogt, Max Liebermann, Wilhelm von Bode, Josef Kainz, Max Reinhardt oder Hans von Bülow vergegenwärtigt Osborn die kulturelle Blüte der Wilhelminischen Ära und der Weimarer Republik.

Die Ausstellung „Im Rhythmus mit der Natur“ ist bis zum 23. April 2017 an den Wochenende von 11 bis 17 Uhr zu sehen.

Von Regine Greiner

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