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Potsdam-Mittelmark Neidköpfe wehren Neider ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Neidköpfe wehren Neider ab
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01:16 10.02.2019
Heimatforscher aus Leidenschaft: Peter Reichelt vor seinem Haus, das seit neuestem Neidköpfe zieren. Quelle: Gesine Michalsky
Stahnsdorf

Viele kennen die Teufelsgesichter, die von der Fassade der Lindenstraße 1 an der Kreuzung am Stahnsdorfer Hof auf sie runterblicken, weil sie täglich dort an der Ampel warten müssen. Warum von dem alten Wohnhaus ausgerechnet der Teufel in allen Richtungen auf Autofahrer und Spaziergänger herabschaut, das wollte der Stahnsdorfer Peter Reichelt genauer wissen. Und er freut sich sehr, dass er jetzt dank seiner Recherche die ursprüngliche Bedeutung, die wirklich hinter den um 1900 geschaffenen teuflischen Fratzen steckt, aufdecken konnte.

„Das sind Neidköpfe, wie man sie in Berlin seit dem späten Mittelalter kennt“, sagt sich Reichelt. „Spontan denken zwar manche, dass der Hausherr hier abgebildet worden sei oder dass es sich um einen modischen Trend handelt“, erzählt der Stahnsdorfer Heimatforscher, „doch das ist nicht die Wahrheit“. Tatsächlich sollten Neidköpfe möglichst hässlich aussehen, um die neidischen Blicke von Nachbarn zu bestrafen. Aber auch böse Geister und Unheil sollten so abgewehrt werden.

Schon die Kelten nutzten Fratzen

Im Kapitel über Neidköpfe in der Region erfährt man Wissenswertes über Fassadenköpfe vom Kleinmachnower Medusenhaupt bis zum freundlichen Bärtigen über dem Geschäftseingang in der Lindenstraße 2.

Spannenden Entdeckungen in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf widmen sich die „Geschichten und Geschichte“ über Kriegserinnerungen, Eiskeller oder Kirchenmalereien, Kirchenglocken oder Seidenraupenzucht.

„Im Ort gesehen“ von Peter Reichelt ist im Eigenverlag erschienen und im Natura Buchhandel für 12 Euro erhältlich.

Der Brauch der Neidköpfe hat mutmaßlich einen keltischen Ursprung, war aber durchaus makaberer: Dort wurde die Schädel von Feinden an die Fassaden gehängt, um Feinde abzuschrecken.

Das galt zugleich als Glückssymbol und wurde sogar auf Rüstungen angebracht.

Man glaubte, mit der Zurschaustellung des Kopfes könne man die Gewalt über die Seele und den Geist des Feindes gewinnen.

Es ist ein Brauch, der aus Süddeutschland stammt und der auch einen gewissen Wohlstand der Hauseigentümer verriet, hat der Heimatforscher herausgefunden. Wie man in seinem Buch „Im Ort gesehen“ nachlesen kann, war es aber gar nicht so einfach, hinter die Bedeutung zu kommen, denn die ursprünglichen Hauseigentümer konnten nicht mehr befragt werden. Antworten gefunden hat der Stahnsdorfer im Märkischen Museum, denn das Berliner Haus bewahrt den ältesten in der Region bekannten Neidkopf auf – zur Erinnerung auch an eine wunderschöne Sage, nach der Friedrich Wilhelm I. einen Goldschmied in Berlin mit einem großen Auftrag gerettet hat.

Der Meister drohte zu verelenden, weil er sich kein Gold und damit auch keine Aufträge leisten konnte, der König war aber so angetan von seiner Arbeit, dass er dem Goldschmied sogar ein neues Haus mit dem Neidkopf über der Haustür errichten ließ. „Dieser Neidkopf mit verzehrtem Blick und herausgestreckter Zunge sollte fortan die Neider an ihre eigenen Züge eines neidvollen Gesichtes erinnern“, schreibt der Autor.

In Stahnsdorf verdienten um die Jahrhundertwende einige Handwerker und Bauern gut, erzählt Peter Reichelt, und so wohl auch die Erbauer der Häuser in der Lindenstraße 1 und 2. Obwohl seine Frau Barbara Reichelt von Geburt an und bereits in dritter Generation in dem 1902 errichteten Haus der Familie nahe des Dorfplatzes wohnt, wissen sie nichts über die Erbauer der Lindenstraße 1 und deren Beweggründe, die Fassade mit den Köpfen zu verzieren. Zum Glück aber haben die aktuellen Eigentümer das Haus wunderbar sanieren lassen. „Mich hat fasziniert, dass die Köpfe so liebevoll gestaltet sind und die verzierten Hausfassaden so schön aussehen“, berichtet der Stahnsdorfer Heimatforscher.

Barbara und Peter Reichelt sind inzwischen so begeistert von dem traditionellen Fassadenschmuck, dass auch von ihrem Haus zwei Neidköpfe auf die Passanten blicken. Das Ehepaar ist sehr zufrieden, denn sie haben im Internet sogar neue Exemplare gefunden, Neidköpfe werden immer noch hergestellt.

Von Gesine Michalsky

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