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Potsdam-Mittelmark Dieser neue Spielplatz kann sich sehen lassen
Lokales Potsdam-Mittelmark Dieser neue Spielplatz kann sich sehen lassen
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12:09 07.01.2019
Väter mit vielen Ideen: Die Schwanebecker haben dem Nachwuchs einen neuen Spielplatz gebaut. Quelle: Christiane Sommer
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Schwanebeck

Klettertürme, Hängebrücken und ein Schaukelgerüst: Aus siebeneinhalb Kubikmetern Lärchenholz haben die Schwanebecker in Eigenleistung einen Spielplatz für ihr Dorf gezimmert, der seitdem auch immer wieder Kinder aus umliegenden Orten anlockt.

Rückblick: Etwa im Winter 2017 fuhr ein Laster mit einer großen Holzladung nach Schwanebeck. Der Empfänger war eine Gruppe junger Männer – Väter und solche, die es werden wollen. Doch weder ein Gartenhaus noch ein Dachstuhl sollten aus den Brettern und Balken entstehen.

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Zu wenig Geld für Spielplätze

Die Stadt Bad Belzig betreibt sechs Spielplätze in Schulen und Kindergärten, 15 in den Ortsteilen und neun in der Kernstadt.

Ferner werden ein barrierefreier Naturerlebnispfad unterhalb der Burg Eisenhardt und ein „Trimm-Dich-Pfad“ in Stadionnähe unterhalten.

Im laufenden Haushalt standen für deren Unterhaltung 44.000 Euro und weitere 9000 Euro für Neuanschaffungen von Spielgeräten zur Verfügung. Zu wenig, um die Geräte und Plätze zu erneuern, die als erneuerungswürdig eingestuft sind.

Dazu gehören die Plätze in den Ortsteilen Lüsse, Neschholz und Bergholz sowie in Bad Belzig am Freizeit- und Erlebnisbad und an der Eichenallee. Ferner der Jugendspielplatz in der Hans-Marchwitza-Straße und der „Trimm-Dich-Pfad“ am Borussia Weg.

„Im Sommer 2017 wurde uns klar, dass am Spielplatz in der Dorfmitte etwas passieren muss“, erzählt Patrik Eichelbaum. Beim Grillen in einer Männerrunde wurde ausgesprochen, was offensichtlich war. Der in die Jahre gekommene öffentliche Spielplatz hatte eine gründliche Überarbeitung nötig.

Doch wie verwirklichen? In Marco Grambow, er ist in der Stadt Bad Belzig unter anderem für Spielplätze zuständig, fanden die Männer einen Ansprechpartner. Mit ihm wurden finanzielle Möglichkeiten und machbare Ideen ausgelotet.

Die Spielplatzbauer im Glück. Quelle: Christiane Sommer

Denn eines war den Schwanebeckern wichtig: Sie wollten nicht nur fordern, sondern selbst mit anpacken. Eine Förderung in Höhe von 5000 Euro aus Lottomitteln und ein Zuschuss aus der Stadtkasse in gleicher Höhe ebneten letztendlich ihrer Vision den Weg.

Zwischenzeitlich war im Dorf für die Idee des Spielplatzbaus die Werbetrommel gerührt worden. Den jungen Männern hatten bald auch einige Großväter ihre Unterstützung zugesagt. Am Ende zählte die „Projektgruppe Spielplatz“ 28 Köpfe. Mit drei Zimmerleuten und einem Tischler war auch genügend Fachpersonal in der Gruppe vereint.

Bautreff jeden Sonnabend

Festgezurrt waren zwischenzeitlich auch die Ideen, welche Spiel- und Klettermöglichkeiten verwirklicht werden sollten. Ab Januar 2018 wurde schließlich gebaut – die Gruppe traf sich jeden Sonnabend.

„Es war immer wieder eine neue Herausforderung. Es hat stark angefangen und stark nachgelassen“, so Eichelbaum rückblickend. Der 31-Jährige erzählt, dass sich durchschnittlich acht Männer zum Werkeln einfanden. Mit ihnen kam auch der Nachwuchs, der nach Möglichkeit in die Arbeiten eingebunden wurde. Lea und Sophie Piepert, Hugo Kamradt, Jim und Joel Poschau sowie Zoe Eichelbaum sind einige von ihnen.

Mehr als 1.000 Stunden Arbeit

Ab April wurden die Spielgeräte auf dem Dorfanger aufgebaut – das Projekt neigte sich dem Ende entgegen. „Die größte Hürde war die Abnahme“, so der Vater einer kleinen Tochter weiter. Aber auch diese Hürde wurde genommen und das Areal im Sommer seiner Bestimmung übergeben – nach mehr als 1000 Stunden freiwilliger Arbeit.

„Seitdem bin ich mit meinen Kindern bei schönem Wetter fast täglich hier“, sagt Christin Marohn. Die zweifache Mutter erzählt, dass sich der Spielplatz zwischenzeitlich in den Nachbardörfern herumgesprochen hat und sogar die Kita aus dem Nachbardorf Lütte zum spielen und toben zu Besuch war.

Vision eines Mehrgenerationenplatzes

Auch die Väter treibt es immer wieder dorthin – nicht nur mit ihrem Nachwuchs. „Der Spielplatz soll wachsen“, sagt Eichelbaum und erzählt von der Vision eines Mehrgenerationenplatzes – mit Sitzgelegenheiten, einer Tischtennisplatte, einem Volleyballfeld und einer Grillecke. „Für Leute von Null bis 99“, so der 31-Jährige.

Mit dem Dank großen ehrenamtlichen Engagements gebauten Spielplatz in Schwanebeck hat Bad Belzig wiederum eine Sorge weniger. Der Zustand einiger städtischen Spielplätze hatte in den vergangenen Wochen für heftige Diskussionen gesorgt.

Wegen fehlender finanzieller Möglichkeiten konnten nur noch Instandsetzungsarbeiten durchgeführt und mussten nicht mehr reparierbare Spielgeräte teilweise bereits abgebaut werden. In dieser Folge wird darüber debattiert, ob die Zahl der Spielplätze reduziert werden kann.

Von Christiane Sommer