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Niemegk Geschichte verschwindet unter Asphalt: Das sind die Pläne für die Dorfstraße in Raben
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Geschichte verschwindet unter Asphalt: Das sind die Pläne für die Dorfstraße in Raben
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11:21 25.04.2019
Noch laufen (v.l.) Boris Warneck, Manfred Mende und Erhard Buchberger bei der Besichtigung auf der Straße. In Zukunft soll es in Raben Gehwege geben. Quelle: Jan Russezki
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Raben

Autofahrer soll künftig leiser und sicherer durch das Dorf gleiten. Dafür verschwindet das historische Kopfsteinpflaster bald unter einer dicken Asphaltschicht.

Vom Orteingang aus Richtung Grubo bis zum letzten Haus Richtung Rädigke reicht das Kopfsteinpflaster. „Einer Landesstraße ist das nicht angemessen“, sagte der Niemegker Bauamtsleiter, Thomas Griesbach, bei einer Einwohnerversammlung im Gasthaus Hemmerling in Raben. Dort ist jetzt das Ausbauprojekt für die Dorfstraße vorgestellt worden. Gehwege, Regenwassermulden und vielleicht sogar ein Kreisverkehr sollen entstehen.

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Gerüchteküche brodelte

Dafür muss jedoch das historische Kopfsteinpflaster weichen. Während sich eine Anwohnerin auf der Versammlung dagegen aussprach, hat die Denkmalbehörde wenig dagegen. Sie ging mit dem Niemegker Bauamt einen Kompromiss ein: Der Asphalt soll so aufgetragen werden, dass er, wenn nötig, wieder abgetragen werden kann. Schon bald soll es losgehen: „Wir wollen definitiv noch dieses Jahr bauen“, sagt Griesbach.

Zum Bau der Straße kursierten Gerüchte im Dorf. Ralf Rafelt, der Bürgermeister von Rabenstein/Fläming sowie einige Anwohner hatten sich für die Einwohnerversammlung eingesetzt. Einige Rabener fürchteten, „vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden, wie es bei dem aktuellen Gehwegbau passiert ist“, sagt Anwohner Norbert Glowe.

Sanierung, kein Neubau

Der Bau des angefangen Gehwegs ist jetzt gestoppt worden und soll erst mit der Straßensanierung wieder aufgenommen werden: „Wir wollen keine Schnellschüsse, sondern etwas Ordentliches schaffen“, sagt Griesbach. Das Geld für das Projekt sei schon da. Dennoch solle nicht über die Köpfe der 150 Rabener entschieden werden. Die Ingenieurgesellschaft Bahlke Consult stellte bei der Einwohnerversammlung ihre Ideen zur Straße vor.

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Geschäftsführer Fred Bahlke stellte klar, dass „saniert, nicht neu gebaut“ wird. Die Hoffnung eines Anwohners, bei den Bauarbeiten auch eine schnelle DSL-Internetverbindung zu bekommen, muss Bahlke deswegen platzen lassen. Bei einer Sanierung seien keine neuen Kabel vorgesehen.

Das ist geplant

Die „Bergung“ der historischen Pflastersteine sei nicht geplant. Bahlke sieht im Pflaster auch ein Sicherheitsrisiko: „Wenn es regnet, wird es rutschig und bei einer Erneuerung müssten 90 Prozent der Steine ausgetauscht werden“, sagt der Planer. Das sei teuer.

Günstiger sei es, die vorhandene Fahrbahn auf 5,50 Meter zu verbreitern und zusätzlich ein befahrbares Bankett anzulegen. Auf der einen Seite der Straße soll es dann auch eine Mulde geben, die das Regenwasser in einen Graben ableitet. Auf der anderen Seite entsteht ein Gehweg. Er wechselt an einigen Stellen die Straßenseite, weil er sonst über private Grundstücke verlaufen müsste. Überquerungshilfen soll es aber nicht geben.

Die gesamte Dorfstraße, die Landesstraße 84, soll saniert werden. Gehwege, Regenwassermulden, Asphalt und womöglich ein Kreisverkehr sollen auf dem denkmalgeschützten Kopfsteinpflaster gebaut werden. Quelle: Google Maps

Kreuzung oder Kreisverkehr

Auch die Zufahrt an der T-Kreuzung zu Straße Mittelende ist kniffelig. Sie soll neu gestaltet werden, weil sie „eine ungewöhnliche Straßenführung“ hat, sagt Bahlke. Auf der Kreuzung befindet sich ein Baum, der von Linksabbiegern rechts umfahren werden muss. Die Straße verleitet aber dazu, in den Gegenverkehr abzubiegen. Eine Idee hat der Ingenieur für die Kreuzung aber noch nicht: „Wir prüfen, ob ein Kreisverkehr oder etwas anderes sinnvoll ist“. In jedem Fall will er den Baum erhalten.

Wer hier rechts in das Mittelende abbiegt, muss aufpassen. Immer wieder fahren hier Linksabbieger in den Gegenverkehr, statt den Baum rechts zu umfahren. Das soll sich in Zukunft ändern. Quelle: Jan Russezki

Straße wird voll gesperrt

Wann es losgehen soll, ist noch unklar. „Die Gemeinde muss das erst vertreten“, sagt Bauamtsleiter Griesbach. Klar ist, dass die Straße in drei Abschnitten saniert werden soll und dabei voll gesperrt wird. Damit sei die Bauzeit relativ kurz und preiswert, sagt Bahlke. Auch Ausweichrouten gebe es.

Griesbach schätzt den Bau der Straße samt Gehweg auf etwa zwei bis drei Monate. „Wir müssen aber Ausschreiben und auf Firmenbewerbungen warten. Das könnte dauern“, sagt er. Er will trotzdem noch dieses Jahr fertig werden.

Keine Kosten für Anwohner

„Die Kosten müssen noch ermittelt werden“, sagt der Ressortchef. Klar ist, dass die Anwohner nicht zur Kasse gebeten werden. Weil die Straßenbaubeiträge rückwirkend zum 1. Januar 2019 abgeschafft wurden, würde nun zu einem Viertel das Land die Kosten übernehmen. Den Rest trägt die Gemeinde. „Wir werden den Anwohneranteil von 50 Prozent vom Land fordern“, sagt Griesbach.

Lesen Sie auch den Kommentar von Jan Russezki

Die Anwohner sind froh über die Versammlung: „Wir sind zufrieden und informiert. Die Gerüchte, dass schon im Juni gebaut wird, haben sich nicht bestätigt“, sagt Katrin Aust. „Wir sind froh, dass wir noch in die Vorplanung einbezogen werden“, sagt Erhard Buchberger. Für ihn mache die Planung Sinn.

Von Jan Russezki