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Niemegk Bürgermeister: „Uns fehlt eine komplette Generation“
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Bürgermeister: „Uns fehlt eine komplette Generation“
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19:12 23.04.2019
Jens Hinze ist ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ im Amt Niemegk. Mit seiner Familie lebt er in Niederwerbig. Quelle: Josephine Mühln
Niederwerbig

Wenigstens ein Mitbewerber hätte es sein dürfen. „Ich habe schon gehofft, dass sich noch jemand aufstellen lässt – aber mir war auch klar, dass es niemand macht“, sagt Jens Hinze. Und so bleibt der Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ der einzige Kandidat für die anstehenden Wahlen.

„Ich möchte die Zukunft der Gemeinde – und somit auch meiner Heimat – mitgestalten und Themen bewegen“, beschreibt der 41-Jährige seine Motivation. „Und ich will zwischen den Bedürfnissen von Jung und Alt hinsichtlich des Lebens auf den Dörfern vermitteln. Außerdem macht mir die Aufgabe Spaß.“

Gemeindefinanzierung, Kitabau und Windkraft

Jens Hinze war als Bürgermeister auf Rudi Augustin gefolgt. Der selbstständige Malermeister aus Grabow hatte das Ehrenamt seinerzeit aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen abgegeben.

Die drei Themen, die die Gemeinde in den vergangenen Monaten besonders bewegt haben, hat der Niederwerbiger schnell zusammen: Gemeindefinanzierung, Kitabau und Windkraft. Gleichzeitig verstecken sich hinter diesen Begriffen aber auch die größten Erfolge – und Niederlagen.

Das Dorf Nichel gehört zur Gemeinde Mühlenfließ. Quelle: Dirk Fröhlich

„Der Beschluss zum Kitaneubau in Schlalach ist aus meiner Sicht einer der Erfolge der letzten Jahre“, sagt Jens Hinze. „Außerdem haben unsere Spielplätze alle den gleichen Stand an Spielgeräten – auch das ist eine gute Sache. Andere größere Erfolge gab es nicht – die Gemeindefinanzierung gibt das schlicht nicht her.“

Damit spricht der Bürgermeister auch die aus seiner Sicht größte Baustelle an, die es anzupacken gilt. „Die Gemeinde hat momentan nicht die nötige verfassungsgemäße Finanzausstattung, um ihre Aufgaben adäquat aus eigener Kraft erfüllen zu können“, kritisiert der zweifache Familienvater.

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„Uns stehen gerade mal 55 Euro pro Einwohner zur Verfügung, um unsere gesetzlichen Aufgaben für Kita, Schule und Straßenbau zu realisieren – ohne Kultur, Sport und die Förderung des sozialen Miteinanders. Bei knapp 1000 Einwohnern kann sich jeder ausrechnen, was wir zur Verfügung haben.“ Dabei müsse aber dringend in die Infrastruktur investiert werden, um den Stau der vergangenen Jahre abzubauen.

Konkrete Beispiele seien die Ortsverbindungsstraßen in der Gemeinde. „In Mühlenfließ gibt es keine direkte befestigte Gemeindestraße zwischen den Ortsteilen Schlalach-Nichel oder Jeserig“, sagt Jens Hinze. „Aber die Ortsfeuerwehr Schlalach ist ein wesentlicher Bestandteil der Gefahrenabwehr. Und verlorene Zeit durch Umwege kann sich hier niemand leisten.“

Der Heimkehrer

Jens Hinze ist in Niederwerbig aufgewachsen.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr zog es ihn zum Studium nach Zwickau.

Anschließend hat er vier Jahre in Ostfriesland gearbeitet, bevor es für Jens Hinze zurück in die Heimat ging.

2011 hat er in Niederwerbig den Heimatverein gegründet, der mittlerweile 50 Mitglieder zählt.

Deshalb ist Jens Hinzes Wunsch für die Zukunft der Gemeinde auch klar: eine bedarfsgerechte Finanzausstattung. „Das ist der Schlüssel für jegliches Handeln“, sagt er. „Dann wäre auch Gemeindepolitik wieder möglich, denn dann können wir uns mit den Sachen auseinandersetzen, die für uns wirklich wichtig sind.“

Wohngebiete schaffen zum Beispiel. „Wenn die Bedingungen stimmen, dann wäre die Region auch für junge Familien attraktiv – es gibt ja einzelne Anfragen von Leuten, die sich vorstellen könnten, hier zu bauen“, sagt der Diplom-Ingenieur für Kraftfahrzeugtechnik.

Das Dorffest in Niederwerbig lockt jedes Jahr zahlreiche Besucher an. Quelle: Uwe Klemens

Und junge Leute, die braucht die Gemeinde. Da geht es Mühlenfließ nicht besser, als anderen ländlichen Regionen. So liege der Altersdurchschnitt in Hinzes Heimatdorf Niederwerbig mit seinen 60 Bewohnern aktuell bei 55 Jahren.

Dabei lässt es sich in den Dörfern gut leben, wie der Bürgermeister findet. „Unsere Gemeinde zeichnet in erster Linie die Bürger aus, der Zusammenhalt in den einzelnen Orten, wenn es um bestimmte Themen geht“, sagt Jens Hinze. „Und dann natürlich unsere Lage unweit von großen Ballungszentren wie Berlin oder Leipzig. Bei uns kann man noch die Natur erleben und genießen.“

Es fehlt eine komplette Generation

Einzig die Grundlage müsse stimmen, damit mehr Menschen in der Gemeinde bleiben – die sich dann künftig zum Beispiel auch kommunalpolitisch engagieren könnten. „Aufgrund der Ereignisse der vergangenen Jahrzehnte fehlt uns doch eine komplette Generation vor Ort“, mahnt Jens Hinze.

„Dazu kommt noch, dass viele gar nicht hier arbeiten, sondern lange Arbeitswege haben. Ich selber arbeite in Berlin und bin auch den ganzen Tag unterwegs. Ich kann nachvollziehen, dass die wenige Freizeit dann eher mit der Familie genutzt wird – und nicht für die Feuerwehr, geschweige denn für die Kommunalpolitik.“

Dank an die Familie

Er bedanke sich deshalb bei allen – den Mitarbeitern im Amt Niemegk, den Gemeindevertretern – die ihn bei der ehrenamtlichen Arbeit als Bürgermeister der Gemeinde Mühlenfließ unterstützen. „Vor allem bei meiner Familie, ohne deren Hilfe das nicht möglich wäre“, so Hinze.

Von Josephine Mühln

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