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Niemegk Dörfer machen sich Mut für die Zukunft
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Dörfer machen sich Mut für die Zukunft
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19:08 24.11.2019
70 Teilnehmer haben in der Wiesenburger Kunsthalle die Perspektiven der Dörfer im Land Brandenburg erörtert. Quelle: René Gaffron
Wiesenburg

So viel sei der neuen Regierung des Landes Brandenburg schon einmal ins Stammbuch geschrieben. „Es gibt keinen Grund, die kommunale Struktur erneut in Frage zu stellen oder diese gar weiter von oben zu verändern“, sagt Frank Schütz als Vorsitzender der märkischen Dorfbewegung. Statt dessen will sie sich mit einem „Parlament der Dörfer“ im nächsten Jahr noch mehr Gehör verschaffen.

Der ehrenamtliche Bürgermeister von Golzow im Oderbruch konstatiert für die bisherigen Fusionen und Verwaltungsreformen vor allem einen Verlust an Identität und Motivation. Anlass für die Bilanz war der elfte Tag der Dörfer. Etwa 70 Teilnehmer sind dazu am Wochenende in der Wiesenburger Kunsthalle dabei gewesen.

Ortsnamen werden vermisst

„Es wird immer schwerer, Leute für die Mitwirkung im Ort allgemein und für die Kommunalpolitik speziell zu erreichen“, lautet die Erfahrung von Frank Schütz, die ihn freilich nicht im persönlichen Engagement bremst.

Streitet für die Interessen der Dörfer: Frank Schütz, ehrenamtlicher Bürgermeister in Golzow (Oderbruch). Quelle: René Gaffron

Der Verdruss wird im Hohen Fläming geteilt. „Niemand versteht, warum ein künstlich gewählter Gemeindename im Personalausweis steht“, sagt Thomas Hemmerling, Amtsdirektor von Niemegk. „Ärgerlich ist auch, wenn die Feuerwehrleute in eine Dorfstraße der Gemeinde Rabenstein/Fläming geschickt werden –dabei könnte eigentlich klar gesagt werden, dass es in Rädigke brennt.“

Dennoch lassen sich die Interessenvertreter nicht beirren. „Abwickeln oder entwickeln?“, lautete das fragend Motto für die Tagung, die dieses Mal vom Dörfernetzwerk „Hoher Fläming“ um Ralf Rafelt aus GrosZ Marzehns ausgerichtet wurde. Die Aktivisten zwischen Prignitz und Lausitz hatten eine klare Antwort parat und sind allemal voll Tatendrang. Chancen zeichnen sich schließlich selbst in der Peripherie ab.

Freiräume auf dem Lande

Das hat nicht zuletzt der Vortrag von Martin Kuder vom Verein „Wertewandel –Lokalhelden“ zu Tage gefördert. Er berichtete von größtenteils erfolgreichen Existenzgründungen im ländlichen Raum, die vor allem mit Mut und Geduld etabliert worden sind –vom Bio-Bauern-Hof bis zum Kulinarikstudio im Dorfplattenbau. „Schließlich bietet der ländliche Raum genau die Freiräume, die dafür gesucht werden“, sagt der Experte.

Nur die Bauämter nutzten noch viel zu selten ihre Ermessensspielräume, kritisiert der Wirtschaftslotse. Die Wertschöpfung der Kreativwirtschaft ist seiner Meinung nach lange unterschätzt worden. Nicht zuletzt –das ist ebenfalls im Hohen Fläming spürbar –ändern sich die Orte mit der Digitalisierung.

Die Dörfer brauchen mehr Geld: Heiko Bansen (LAG Fläming/Havel) und Niemegks Amtsdirektor Thomas Hemmerling (rechts) bei der Vorstellung ihrer Workshop-Ergebnisse. Quelle: René Gaffron

Freilich braucht es eine neue Verteilung des Geldes. Wie der Wiesenburger Bürgermeister Marco Beckendorf (die Linke) berichtet, sei in der Landespolitik zumindest erkannt, dass Pro-Kopf-Zuweisungen der öffentlichen Hand geradezu kontraproduktiv seien, „um die Herausforderungen in der Fläche zu sichern“. Veränderungen herbeizuführen, dürfte indes noch dauern, macht sich der Rathauschef keine Illusion.

Skepsis gegenüber Regierung

Immerhin hat die vergangene Landesregierung eine Enquetekommission beraten lassen, wie die Perspektiven auf dem Lande einzuschätzen sind. Die Ergebnisse sollen berücksichtigt werden, heißt es im Koalitionsvertrag von SPD, CDU und Bündnisgrünen. „Das lässt viel Raum für Interpretationen“, stellt Peter Ligner vom Verein Brandenburg 21 fest.

Die Einwohner in den Dörfern indes müssen ebenfalls „gedanklich offen sein“, sagte der Angermünder Bürgermeister Frederik Bewer. In den Ortsteilen kann er auf positive Beispiele verweisen, wo „Lokalhelden“ mit ihrer Ansiedlung zur Belebung beigetragen haben.

Von René Gaffron

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