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Niemegk Drei Nationen gedenken an Gräbern der Kriegstoten
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Drei Nationen gedenken an Gräbern der Kriegstoten
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10:36 30.04.2019
Mit Kranzniederlegungen in Treuenbrietzen und Nichel erinnerten Vertreter Italiens, Russlands und Deutschlands gemeinsam an alle Kriegstoten. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen/Nichel

 Ihre gemeinsame Verantwortung zum Erhalt von Frieden, Toleranz und Völkerverständigung in Europa betont haben hochrangige Vertreter der Botschaften Italiens und Russlands sowie ihre deutschen Gastgeber aus Treuenbrietzen am Sonntag.

Rund 130 Teilnehmer der drei Nationen waren bei Nichel sowie in Treuenbrietzen zusammengekommen, um der Toten zu gedenken, die in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 in Treuenbrietzen und Umgebung ihr Leben lassen mussten. Jahre zuvor hatten Treuenbrietzener sowie Vertreter der italienischen Botschaft in Deutschland diese Tradition begründet.

An die Kriegstoten dreier Nationen erinnert haben Vertreter Italiens, Russlands und Deutschlands am Sonntag in Treuenbrietzen und bei Nichel. Dort fanden Kranzniederlegungen zum Gedenken statt.

Auch 74 Jahre nach den verabscheuungswürdigen Verbrechen sei es wichtig, „die Erinnerung wach zu halten und die Opfer von Krieg und Gewalt zu ehren“, sagte der italienische Gesandte Alessandro Gaudiano an der Gedenkstätte bei Nichel. Dort waren am 23. April 1945 bei einem Massaker deutscher Militärs 127 italienische Militärinternierte des Lagers Sebaldushof ums Leben gekommen.

Ort der Versöhnung geworden

Gaudioano dankte für die Pflege der Gedenkstätte und die Erinnerungskultur. Treuenbrietzen sei so zu einem „Ort der Freundschaft und der Versöhnung geworden“.

Das würdigte auch Carmine Mancini. Sein Vater wurde bei Nichel mit erschossen, als der Sohn drei Jahre alt war. Seit gut 15 Jahren nimmt der 77-Jährige immer wieder an den Gedenktagen teil. Diesmal auch mit seinem etwas jüngeren Bruder Antonio. „Nun komme ich mit etwas leichterem Herzen hier her, anfangs jedoch war das immer sehr bedrückend“, sagte Mancini der MAZ. Er spüre, dass die vielen Teilnehmer und Institutionen die Erinnerung an die Opfer würdig wach halten. „Aus den Kontakten zu den Menschen hier sind Freundschaften entstanden“, so Carmine Mancini.

Bei den Kranzniederlegungen seit Jahren dabei sind Antonio und Carmine Mancini (re). Sie verloren beim Massaker von Nichel 1945 ihren Vater. Quelle: Thomas Wachs

Das Zeremoniell zur Erinnerung müsse Mahnung bleiben und an künftige Generation übertragen werden, „um das Schicksal der Kriegstoten nicht in Vergessenheit geraten zu lassen“, sagte Alessandro Gaudiano in Nichel.

Andacht auf dem Triftfriedhof

Traditionell folgte die gemeinsame Ehrung am Triftfriedhof in Treuenbrietzen. Dort hielt Pfarrer Gunther Seidel eine Andacht für die in den Apriltagen 1945 getöteten Treuenbrietzener Bürger und die Toten anderer Nationen.

Seinen Abschluss fand das gemeinsame Gedenken am Ehrenhain in der Jüterboger Straße, wo gefallener russischer Soldaten gedacht wurde. Olga Titkova, Leiterin des Büros für Kriegsräberfürsorge der russischen Botschaft, dankte den deutschen Institutionen und Bürgern für die Pflege der Gedenkstätte. „Wir schulden den Opfern gemeinsam die feste Überzeugung: nie wieder Krieg“, so die Botschaftsvertreterin.

Die Erinnerung sei Voraussetzung für den Erhalt von Frieden. Dies umso mehr, da immer mehr Zeitzeugen sterben und der Abstand zu den Kriegsereignissen sich immer mehr weite, so Olga Titkova.

Gegenseitiger Respekt

Bei seinem abschließenden Empfang im Bürgerhaus zeigte sich Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos) „nachdenklich, dass heute wieder Nationalisten in Europa provozieren“ und andere Länder ein neues atomares Wettrüsten beginnen. Die in Treuenbrietzen seit fast 20 Jahren gepflegte Tradition des gemeinsamen Gedenkens an den Gräbern der Kriegstoten zeige jedoch, dass Erinnerung und Mahnung im gegenseitigen Respekt der Nationen möglich ist. „Versöhnung heißt dabei auch vergeben“, so Knape.

Mit Kranzniederlegungen in Treuenbrietzen und Nichel erinnerten Vertreter Italiens, Russlands und Deutschlands am Sonntag gemeinsam an alle Kriegstoten. So auch am Triftfriedhof. Quelle: Thomas Wachs

Er dankte rückblickend den Italienern Edo Magnalardo und Antonio Ceseri „für ihre Größe und ihren Weitblick“. Die beiden inzwischen verstorbenen Männer gehörten zu den lediglich vier Überlebenden des Massakers bei Nichel. Später riefen sie zur Versöhnung auf. Magnalardo hatte im Jahr 2002 eine Städtepartnerschaft zwischen seinem Heimatort Chiaravalle und Treuenbrietzen angeregt. Sie ist seit 2010 Realität.

Diese Partnerschaft in die Zukunft tragen will auch Damiano Costantini, der Bürgermeister aus Chiaravalle. „Die Erinnerung ist unser gemeinsames Projekt.“ So solle die Jugend aus der Geschichte lernen können. Die Partnerschaft hält unsere gemeinsame Verantwortung am Leben“, sagte Costantini in Treuenbrietzen. „Was passiert ist, darf sich nie wiederholen.“

Schüler arbeiten Geschichte auf

Dietlind Tiemann (CDU), die Wahlkreisabgeordnete im Bundestag, nahm erstmals am Gedenktag in Treuenbrietzen teil. Diese Form sei „etwas Besonderes, weil es möglich gemacht wurde, gemeinsam zu Gedenken und gemeinsam Verantwortung zu zeigen“. Wertvoll sei es zudem, dass Treuenbrietzener Schüler „nicht nur Rosen zum Gedenktag niederlegen“, sondern sich in einer Geschichtswerkstatt „seit Jahren auch aktiv mit der Geschichte der Ereignisse befassen“.

So boten jetzige und ehemalige Schüler der Gesamtschule und des Gymnasiums am Sonntag Rundgänge an der Gedenkstätte des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers Selbaldushof an. Parallel ist im Heimatmuseum eine Ausstellung der Historiker Bodo Förster und Gianfranco Ceccanei zu sehen, die zur Situation der italienischen Militärinternierten auch in Treuenbrietzen geforscht haben.

Von Thomas Wachs

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