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Niemegk Feuerwehr feiert Tag der offenen Tür – und kämpft um Leuchttafel auf neuem Einsatzwagen
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Feuerwehr feiert Tag der offenen Tür – und kämpft um Leuchttafel auf neuem Einsatzwagen
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17:26 11.08.2019
Beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr Niemegk ist ein neuer Vorrüstwagen vorgestellt worden. Er soll auch für mehr Sicherheit sorgen. Das freut Ortswehrführer René Stehling. Quelle: Thomas Wachs
Niemegk

Wenn die Feuerwehr Niemegk ab sofort zu Einsätzen auf der Autobahn 9 ausrückt, kann jetzt auch ein großes Stück mehr Sicherheit mitfahren. Der am Sonnabend beim Tag der offenen Tür der Ortsfeuerwehr in den Dienst gestellte nagelneue Vorrüstwagen verfügt nämlich über eine besondere Ausstattung. Die ist landesweit bisher einmalig, aktuell noch Anlass für einen Streit von Behörden.

Beim Tag der offenen Tür der Feuerwehr Niemegk ist ein neues Einsatzfahrzeug vorgestellt worden vor allem auch für die Autobahn.

Auf dem Dach des VW-Kleinbusses kann eine Signaltafel nach oben geklappt werden. Sie könnte verschiedene Leuchtsignale senden und damit zur Sicherheit nicht nur der Einsatzkräfte vor Ort beitragen. Hinweise auf Unfälle, nötige Fahrspurwechsel sowie die Aufforderung zur Bildung einer Rettungsgasse können mit LED-Lichtsignalen eingespielt werden.

Großer bürokratischer Aufwand

Diese technische Neuerung hat allerdings auch einen großen bürokratischen Aufwand ausgelöst, wie Amtsbrandmeister Tino Bastian bei der Übergabe des Fahrzeuges während des Tages der offenen Tür am Sonnabend erklärte. Die Tafel selbst ist noch nicht zugelassen.

Denn sie könnte in die Hoheit von Polizei und Straßenmeistereien eingreifen, die bisher im Land Brandenburg einzig dazu befugt sind, verkehrsregelnde Signale auf Straßen und Autobahnen zu senden. Dennoch entschieden sich die Niemegker für die Anschaffung dieser Tafel. Sie soll jetzt zu einem Pilotprojekt in Brandenburg werden. In einigen anderen Bundesländern sind solche Tafeln auch bei der Feuerwehr längst üblich. Nur in Brandenburg gibt es darum noch Streit zwischen Ministerien.

MAZ-Berichte an die Ministerin

Vermitteln sollte dabei auch der Landtagsabgeordnete im Wahlkreis, Günter Baaske (SPD). „Ich habe der Verkehrsministerin zuletzt jetzt immer die Berichte aus der MAZ per E-Mail weitergeleitet, die oft mehrmals wöchentlich über Einsätze der Feuerwehr Niemegk auf der Autobahn berichtet, um deutlich zu machen, was die Feuerwehren hier leisten“, erzählte Baaske bei der Übergabe des Autos am Samstag. „Nun redet zumindest das Verkehrsministerium mit dem Innenministerium, um die strittige Signaltafel zu einem Pilotprojekt werden zu lassen.“

Die Autobahnpolizei verwendet Signaltafeln für mehr Sicherheit. Die Feuerwehr darf das noch nicht. Quelle: Thomas Wachs

Bei der Feuerwehr stößt so viel Bürokratie auf völliges Unverständnis. Gerade nach den Erfahrungen des schweren tödlichen Unfalls auf der Autobahn 2, bei dem Feuerwehrleute aus Lehnin ums Leben gekommen waren, können die Einsatzkräfte nicht verstehen, dass sie nicht besser für den Selbstschutz ausgerüstet werden dürfen. „Dieser Unfall war für uns alle ein schweres Erlebnis, das viele zum Nachdenken gebracht hatte“, sagt René Stehling, der Ortswehrführer in Niemegk gegenüber der MAZ.

Rettungsgasse bleibt großes Problem

Bewusst hatten sich die Amtsführung und die Ortswehr für ein kleines Fahrzeug auf Basis eines VW-Busses entschieden. „Denn noch immer ist das Thema Rettungsgasse ein Problem. Das zeigte sich erst am Freitag bei unserem jüngsten Einsatz auf der Autobahn 9“, erzählt Tino Bastian.

„Mit dem kleinen Wagen kommen wir nun gut überall durch und könnten mit der Signaltafel auf dem Dach darauf hinweisen, dass die Rettungsgasse gebildet werden muss, weil nachfolgend größere Fahrzeuge zum Einsatzort anrücken müssen. Oft sei die Ortswehr noch vor der Autobahnpolizei am Einsatzort. Dessen Sicherung sei schnell nötig, um Folgeunfälle zu vermeiden. Dazu soll auch die neue Signaltafel beitragen. Die wartet allerdings noch auf ihre offizielle Genehmigung.

Gut 100.000 Euro investiert

Für die Neuanschaffung des Vorrüstwagens, der ungeplant den defekten Vorgänger aus dem Jahr 1992 ablösen musste, hatte es große Unterstützung im Amtsausschuss gegeben. Darauf wies dessen Vorsitzende, Karin Commichau, hin. „Es gab keine Diskussion um die nötigen 100.000 Euro, auch wenn wir mit dem Wagen auf der Autobahn auch ein Stück weit Aufgaben des Bundes erledigen“, so Commichau.

Amtsausschusschefin Karin Commichau übergibt den Wagenschlüssel an Amtsdirektor Thomas Hemmerling. Quelle: Thomas Wachs

Amtsdirektor Thomas Hemmerling hat die Anschaffung der bei Behörden noch umstrittenen Sicherheitstafel spontan unterstützt, vor allem vor dem Hintergrund des Unfalls von Lehnin. „Wie machen das einfach und hoffen nun darauf, dass daraus ein Pilotprojekt für Brandenburg werden kann“, so Hemmerling.

Grundausstattung für schlagkräftige Hilfe

Der neue Vorrüstwagen hat Platz für drei Einsatzkräfte und verfügt über eine Grundausstattung für den schlagkräftigen ersten Einsatz gerade bei Verkehrsunfällen. An Bord ist eine kleine Schaum-Löschanlage mit 100 Litern Wassertank. „Die reicht gut aus um einem Fahrzeugbrand schnell zu löschen“ erzählt der Ortswehrführer. Zudem sind Sicherungselemente sowie hydraulische Schneid- und Spreizgeräte an Bord, die benötigt werden, um eingeklemmte Personen aus Unfallfahrzeugen zu befreien.

Zuständig ist die Feuerwehr Niemegk für insgesamt 47 Kilometer Autobahn zwischen den Anschlüssen Niemegk und Köselitz in Richtung Süden sowie zwischen Klein Marzehns und Brück in Richtung Norden. Im vorigen Jahr absolvierten die Retter und Brandschützer insgesamt im Amtsgebiet 103 Einsätze. „Gut die Hälfte davon geht zur Hilfeleistung auf der Autobahn“, sagt Tino Bastian der MAZ. „Es vergeht kaum eine Woche, in der wir nicht auf der Autotobahn sind“, so der Amtsbrandmeister.

Von Thomas Wachs

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