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Niemegk Lesung in der Fläming-Bibliothek: Friedrich Schorlemmer empört sich
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Lesung in der Fläming-Bibliothek: Friedrich Schorlemmer empört sich
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18:54 22.09.2019
Seine Einschätzungen sind gefragt wie eh und je: Friedrich Schorlemmer in der Fläming-Bibliothek Rädigke. Quelle: René Gaffron
Rädigke

„Diese Richter gehören in den Knast“, sagt Friedrich Schorlemmer. Der Theologe und Bürgerrechtler ist geradezu empört, wenn er sieht was Renate Künast gerade aushalten muss und übt sich deshalb selbst nicht in Zurückhaltung. Die bündnisgrüne Politikerin hat in der vergangenen Woche einen Gerichtsprozess verloren.

Sie wollte auf dem Klageweg gegen die im Internet gegen sie verbreiteten persönlichen Beleidigungen vorgehen. Die juristische Entscheidung ruft seither viele, meist verständnislose Reaktionen, hervor.

Lebenslang Einsatz für Freiheit

Der Pfarrer erklärt indes auch: „Freiheit ist wunderbar. Freiheit ist sehr anstrengend.“ Dass die Möglichkeit zur freien Meinungsäußerung heutzutage und hierzulande besteht, ist dem Lebenswerk des 75-Jährigen maßgeblich mit zu verdanken. In den 80er-Jahren prägte er zunächst die Initiative „Schwerter zu Pflugscharen“ der christlichen Friedensbewegung in DDR, war 1989 einer der Erstunterzeichner des Appells „Für unser Land“ und während der politischen Wende beim Demokratischen Aufbruch aktiv.

30 Jahre liegt dieses Ereignis zurück. Sein Besuch am Freitagabend in der Fläming-Bibliothek hätte also ein romantischer Rückblick auf die aufregenden Tage und Wochen des gesellschaftlichen Umbruchs werden können. So ungefähr war es wohl zunächst auch gedacht. „Im vergangenen Jahr saß Herr Schorlemmer auf der Durchreise nach Hause bei uns in der Gaststube“, erzählt Wirt Bernd Moritz. Seine Einladung zur Lesung war also schnell ausgesprochen, das Jubiläum als passender Termin ausgemacht.

Schilderungen mit Wortwitz

Beispielsweise unter dem gewählten Titel „Absturz in die Freiheit“ hat Friedrich Schorlemmer bereits vor 20 Jahren viele Ereignisse und Erlebnisse niedergeschrieben und kommentiert. Deshalb wird auch nicht im eigentlichen Sinne gelesen, sondern eher mit einem im Nachhinein durchaus fröhlich stimmenden Wortwitz zum Besten gegeben. Das wieder zahlreich anwesende Publikum folgt ihm gespannt.

Friedrich Schorlemmer betont den Mut von 70.000 Einzelnen, die jeder für sich am 9. Oktober 1989 entschieden hatten, in Leipzig zu demonstrieren. „Und dass Egon Krenz nicht alle in ihn gesetzten Befürchtungen erfüllt hat.“ So wurde nicht geschlagen und nicht geschossen. „Und manchmal handelt der liebe Gott über die Galle“, rekapituliert der Geistliche, warum wohl der Partei- und Staatschef seine Absetzung mehr oder weniger widerstandslos hingenommen hat.

Publikum hört genau zu

Die überwiegende Mehrheit der rund 60 Besucher am Freitagabend im Gasthof von Familie Moritz ist dank Alter und Herkunft geübt, zwischen den Zeilen zu lesen und versteht auch hintergründige Anspielungen des referierenden Gastes.

„Das war sehr aufschlussreich –sowohl die Schilderungen von früher als auch die Einschätzung der heutigen Lage“, findet beispielsweise Wolfgang Fuhrmann aus Wiesenburg. Der pensionierte Lehrer schätzt Schorlemmers Reflexion, „weil er glaubwürdig und offenkundig nicht korrumpierbar ist.“

Dass sich die Alternative für Deutschland jetzt in Wahlkämpfen als Vollender der Wende darstellt, regt den Aktivisten von damals auf. Er warnt vor denen, die Demokratie letztlich wiedder abschaffen wollen. Doch räumt der Autor zugleich ein, dass er den Rechtsruck schon früher erwartet habe. Was ihn beunruhige, sind auch die Reden von Alexander Gauland. Björn Höcke und anderer Rechtsaußen. „Noch schlimmer ist aber, dass kein Aufschrei zu vernehmen ist.“

Von René Gaffron

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