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Niemegk Von räuchern bis Filet schneiden: Forellenhof plant Fischfakultät
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Von räuchern bis Filet schneiden: Forellenhof plant Fischfakultät
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18:15 26.07.2019
Michael Müller hat die Idee, in Locktow eine Fischfakultät zu etablieren. In Kursen will er Interessierten alles rund um das Thema Fisch beibringen.
Michael Müller hat die Idee, in Locktow eine Fischfakultät zu etablieren. In Kursen will er Interessierten alles rund um das Thema Fisch beibringen. Quelle: Josephine Mühln
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Locktow

 Michael Müller will auf dem Forellenhof in Locktow in den kommenden Monaten eine Fischfakultät aufbauen. Dabei sollen Interessierte – sowohl Kinder als auch Erwachsene – alles rund um das Thema Fisch lernen können.

„Wenn man im Supermarkt einen Fisch kauft, dann ist der schon lange tot und so gut wie fertig für die normale Küche“, sagt der 56-Jährige. „Das widerstrebt mir. Ich will zeigen, was man mit wenigen Möglichkeiten auch selbst machen kann – da bin ich in erster Linie natürlich Züchter und nicht nur Vermarkter.“

Innovative Projekte und Lösungen

Als Startkapital für die Umsetzung seiner Idee hat Michael Müller von der Industrie- und Handelskammer Potsdam (IHK) 5000 Euro bekommen. Er ist einer der Preisträger des Wettbewerbs „Region Zukunft“. Damit zeichnet die IHK Projekte aus, die nachhaltig den ländlichen Raum stärken und einen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit der Wirtschaft in der Region leisten.

„Die Vielzahl und Qualität der Bewerbungen haben auch in diesem Jahr wieder gezeigt, dass der ländliche Raum eine Zukunft hat und den regionalen Akteuren noch lange nicht die Ideen ausgehen, sich mit innovativen Projekten und Lösungsansätzen den Herausforderungen zu stellen“, sagte Potsdam IHK-Präsident Peter Heydenbluth während der Preisverleihung.

Weitere Projekte ausgezeichnet

Insgesamt wurden bei dem IHK-Wettbewerb „Region Zukunft“ 23 Projekte ausgezeichnet.

Darunter waren auch der Verein „Bürgerbus Hoher Fläming“ und der Förderverein des Neue Energien Forums Feldheim mit dem Projekt „Umweltbildung mit beruflicher Perspektive“.

Außerdem die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel mit dem Projekt „Weiterentwicklung des Netzwerks Tourismus im Hohen Fläming“ sowie das Technologie- und Gründerzentrum Potsdam-Mittelmark mit dem Projekt „Schule & Wirtschaftsforum PM“.

Der Forellenhof in Locktow produziert etwa 1200 Tonnen Forellen pro Jahr.

„Für das was ich machen will und könnte ist das Geld ein guter Anfang“, sagt Michael Müller. „Als wir noch unseren Standort an der Treuenbrietzener Steinmühle hatten, war es gang und gäbe, dass Schul- und Kindergartengruppen gekommen sind und ich ihnen alles zum Thema Fisch gezeigt, zum Beispiel auch mal einen auseinander genommen, habe.“

Die Kinder seien immer begeistert gewesen. „Die wenigsten werden das ja zu Hause mit ihren Eltern erleben“, sagt der Fischwirtschaftsmeister. „Ich möchte ihnen die Vielfalt vor Augen führen, die wir hier selbst in der Region haben.“

Die Forellenanlage in Locktow produziert rund 1200 Tonnen Fisch pro Jahr. Quelle: Victoria Barnack

Das Ganze solle in unterschiedlichen Kursen und Veranstaltungen durchgeführt werden, über das Schulniveau hinaus. Auch das Räuchern von Fisch oder das richtige Schneiden eines Filets solle beispielsweise demonstriert werden.

„Der nächste Schritt ist nun, dass die vielen einzelnen Ideen zu einem konkreten Plan werden, wie wir weiter vorgehen“, fasst Michael Müller zusammen. „Natürlich bedeutet das zusätzliche Arbeit und Aufwand – aber ich habe Spaß an der Sache.“

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Aktuell sei noch Sommerpause, etwa ab September wolle er dann – in Absprache mit seiner Familie, die das Vorhaben unterstütze – damit beginnen, sich zum weiteren Vorgehen Gedanken zu machen. „Man könnte das Gespräch mit Schulen suchen und vielleicht in Zusammenarbeit Projekttage organisieren.“

Die grundsätzliche Idee für seine Fischfakultät habe er schon länger, sagt Michael Müller. „Man weiß zum Thema Fisch nichts oder zumindest nur wenig. Viele Menschen gehen eher zum Fleischer – und nur selten zum Fischer“, sagt der gebürtige Berliner weiter. „Dabei kann man schon mit zwei, drei Handgriffen aus einem Fisch etwas machen, das man dann gleich verzehren kann – ohne Angst davor zu haben, etwas falsch zu machen.“

Vernünftiges Handwerkszeug kaufen

Doch nicht nur das: Auch die unterschiedlichen Arbeitsbereiche in der Fischerei würden bei den Veranstaltungen erläutert werden. „Das ist mehr, als nur Futter ins Wasser zu werfen“, sagt Michael Müller lachend. „Die Fischer gehörten ursprünglich zu denen, die für das Essen gesorgt haben.“

Mit den 5000 Euro von der IHK solle zum Beispiel vernünftiges Handwerkszeug angeschafft werden, um mit den Teilnehmern der geplanten Kurse gut arbeiten zu können. „Die Preisverleihung war schon ein bewegender Augenblick“, gesteht der 56-Jährige.

Von Josephine Mühln