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Niemegk Neue Heimat: Wie Maria Randina aus Sibirien nach Brandenburg kam
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Neue Heimat: Wie Maria Randina aus Sibirien nach Brandenburg kam
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16:16 22.12.2019
Das Bild in ihrer Hand zeigt Maria Randina als Kind in der Höhle Botovskaja am Fluss Lena. Sie ist mit 64 Kilometern die längste Höhle Russlands.. Quelle: Josephine Mühln
Mörz

Minus dreizehn Grad. So kalt ist es aktuell am Baikalsee. Außerdem leicht bewölkt. „In Sibirien ist viel besseres Wetter als hier“, findet Maria Randina. „Alles andere ist ein Aberglaube. Denn dort scheint die Sonne, die Luft ist viel klarer und trockener – hier kriege ich schon manchmal Sonnenentzug.“

Die 42-Jährige erinnert sich noch gut, dass sie einmal bei einem Urlaub an der Ostsee viel mehr gefroren habe, als in ihrer Heimat im Südosten Sibiriens. „Denn da war es kalt und nass“, sagt sie lachend.

Vor nunmehr neun Jahren hat es Maria Randina in den Hohen Fläming verschlagen, seit drei Jahren sind sie und ihr Lebensgefährte in Mörz (Potsdam-Mittelmark) heimisch – lebten vorher auf dem Hof der Alten Mühle in Gömnigk und in Lübnitz.

Aus ihrer alten Heimat hat Randina ein paar Dinge mitgebracht - zum Beispiel eine Kette aus dem Halbedelstein Charoit. Quelle: Josephine Mühln

„In Mörz ist es noch mal ruhiger und wir haben ein schönes Haus“, sagt Maria Randina. In Lübnitz seien zuletzt alle ihre Katzen überfahren worden, nur ein Tier habe überlebt. Die ländlichen Dimensionen, sagt die gebürtige Russin, seien hier andere. „Das Gebiet meines Heimatortes ist drei Mal größer als Deutschland, der Ort selbst etwa so groß wie Dresden“, erzählt die zierliche Frau mit den großen braunen Augen.

Nach Deutschland kam sie vor fast 20 Jahren. „Da gab es noch die D-Mark“, erinnert sie sich. Sie lernte die deutsche Sprache, studierte Biologie und Chemie in Berlin, lebte in einer großen Wohnung in Mitte und bezeichnet sich in ihren Erzählungen aus dieser Zeit als linkspolitisch aktiv.

Abgeschlossen hat Maria Randina das Studium nicht – sie wurde schwanger und bekam eine Tochter. „In Russland gibt es kein Abitur wie in Deutschland“, erzählt sie. Deshalb wird der Unterrichtsstoff schlecht anerkannt und ich hätte zwei Semester wiederholen müssen – diese Zeit hatte ich mit Kind nicht.“

Maria Randina (42) stammt aus dem Südosten Sibiriens und ist jetzt in Mörz heimisch. Aus ihrer alten Heimat hat sie ein paar Dinge mitgebracht. Quelle: Josephine Mühln

Ihre Liebe zu Pflanzen ist dennoch geblieben. „Ich sehe mich selbst als Gärtnerin“, sagt die 42-Jährige, die später sowohl eine Ausbildung zur Fitnesstrainerin als auch zur Ernährungsberaterin gemacht, aber vor allem als Dolmetscherin gearbeitet hat. „Ich kenne mich gut aus mit Heilpflanzen, habe auch welche aus China und Sibirien hier.“

Genuss aus dem Garten

Sie habe schon immer auf dem Land leben wollen, experimentiere zum Beispiel gerne mit alternativer Landwirtschaft und schätze ihren großen Garten. „Die eigenen Tomaten schmecken ganz anders“, sagt sie. Aktuell arbeitet Maria Randina als Referentin im Projekt „Bildung trifft Entwicklung“, bei dem es unter anderem un Nachhaltigkeit und fairen Handel geht.

„Ich fühle mich als Flämingerin und schätze den Zusammenhalt“, sagt sie. „Man fühlt sich gebraucht im Gegensatz zur Anonymität in der Großstadt und fühlt sich zugehörig in der Gesellschaft.“ Auch die Landschaft habe es ihr angetan. „Es ist sehr schön bei uns im Fläming“, sagt Maria Randina. „Wenn ich im Auto unterwegs bin, will ich am liebsten immer nur fahren und fahren.“

Einzig die Möglichkeit, ihre Muttersprache zu benutzen und sich über ihr literarisches und musikalisches Interesse mit ihren russischen Freunden auszutauschen, vermisse sie manchmal. Ganz im Gegensatz zur russischen Bürokratie. „Die ist auch nicht angenehmer als in Deutschland“, sagt sie lachend.

Der Russe kocht gerne fleischreich

Da sie mit ihrem Freund und ihrer 16-jährigen Tochter vor allem vegetarisch esse, kämen in Mörz nur wenige russische Gerichte auf den Tisch. „Weil dort viel mit Fleisch gekocht wird“, erzählt Maria Randina. Sie selbst liebe Buchweizen, Teigtaschen – wie die traditionellen Wareniki – und russische Wintersalate.

Ihre Kochkünste hat sie auch schon bei öffentlichen Veranstaltungen im Hohen Fläming unter Beweis gestellt. Zuletzt zum Beispiel bei der „Cantina International“ im Niemegker Familienzentrum. „Ich verknüpfe sowas gerne mit Vorträgen über den Baikalsee, um mit Vorurteilen aufzuräumen“, sagt Maria Randina.

Von Josephine Mühln

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