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Niemegk Neues Wohngebiet: Anwohner kämpfen für den Wald am Weinberg
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Neues Wohngebiet: Anwohner kämpfen für den Wald am Weinberg
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18:06 24.06.2019
Am Rand von Niemegk soll ein neues Wohngebiet entstehen. Die Anwohner wünschen sich eine Alternative zur geplanten Fläche. Quelle: Dirk Fröhlich
Niemegk

 In Niemegk soll ein neues Wohngebiet entstehen. Bei der Frage nach dem geeigneten Ort dafür herrscht allerdings noch Diskussionsbedarf. Um das Für und Wider der einzelnen Möglichkeiten abzuwägen, hatte Amtsdirektor Thomas Hemmerling deshalb zu einer Einwohnerversammlung ins Kulturhaus geladen.

Die Stadtverordnetenversammlung hatte in einer ihrer vergangenen Sitzungen einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan am Weinberg in Niemegk gefasst. Dabei handelt es sich um ein rund 27.000 Quadratmeter großes Waldgebiet. Die Mitglieder der Brandenburger Vereinigten Bürgerbewegung/Freie Wähler haben einen Antrag gestellt, den Beschluss zu überdenken, abzuändern oder aufzuheben.

Wald hat Schutzfunktion

Anwohner Michael Niemczik hat ebenfalls Widerspruch gegen die Pläne eingelegt. „Wir sind uns einig darüber, dass in Niemegk was passieren muss“, sagte er während der Versammlung. „Aber man sollte mit Augenmaß gucken und nachhaltig, welche Fläche sich wirklich eignet – und der Weinberg eignet sich nicht.“

Die größten Bedenken habe er hinsichtlich der naturschutzrechtlichen Belange. „Die 2,7 Hektar müssten an anderer Stelle im gleichen Naturraum wieder aufgeforstet werden – eine solche Ausgleichsfläche gibt der Naturraum momentan aber nicht her“, sagte Michael Niemczik weiter. Zudem würden die für das Vorhaben ausgewiesenen Waldflächen gewisse Schutzfunktionen ausweisen, seien Bodenschutz- und Klimaschutzwald.

Alternative im Tontagebau

Als Alternative stehen die Flächen des Tontagebaus entlang der Friedhofstraße im Raum, die sich im Besitz der Familie Pietrucha befinden. Diese müssen jedoch noch rekultiviert werden und stehen daher aktuell unter Bergaufsicht. Außerdem war kommuniziert worden, dass Pietruchas einer Bebauung unter 50.000 Quadratmetern nicht zustimmen würden.

Dem habe Christian Pietrucha in einem Telefonat mit Michael Niemczik – wie aus dessen Schreiben an die Amtsverwaltung hervorgeht – widersprochen. Und auch in seiner Antwort auf eine Anfrage von der Stadtverordneten Bärbel Schüler schreibt Christian Pietrucha: „Wir sind bereit, einen Bebauungsplan auch für eine kleinere Fläche als die damals angedachten fünf Hektar erstellen zu lassen, um Grundstücke zu Wohnzwecken ausweisen zu können.“

Beschleunigtes Verfahren

Ulrich Pietrucha und seine Frau waren zur Einwohnerversammlung gekommen. „Es spricht nichts dagegen, dort zu bauen – die Medien liegen da, es gibt keinen Wald“, sagte der Unternehmer. Ein Bebauungsplan für das Gebiet sei bereits im Jahr 2000 gemeinsam mit der Stadt ausgearbeitet worden. „Man muss sich natürlich über die Abwicklung unterhalten, ob es beispielsweise Fördermittel für den Straßenbau geben würde“, sagt Ulrich Pietrucha weiter. „Denn es muss bezahlbarer Wohnraum rauskommen – mit 30 Euro pro Quadratmeter kommen wir nicht weiter.“

Bauamtsleiter Thomas Griesbach hatte noch einmal erläutert, warum der Weinberg in den Fokus der Planungen gerückt war. Der Stadt würden dort bereits fünf Grundstücke gehören, der naturschutzrechtliche Ausgleich müsse daher nicht erfolgen. „Das würde das Verfahren beschleunigen“, sagte Thomas Griesbach.

Weitere Gespräche in Planung

Beim Tontagebau sei das Problem hingegen, dass die zur Verfügung stehenden Grundstücke nicht direkt an die Stadt anschließen würden – ein Beschleunigungsverfahren sei demnach nicht möglich, machte Thomas Hemmerling deutlich. „Die dortigen Eigentümer müssten sich zudem bereit erklären, zu verkaufen.“

Auch Niemegks Bürgermeister Hans-Joachim Linthe versicherte noch einmal, dass er für eine Alternative zum Weinberg offen sei. „Es muss nur eine machbare Alternative sein, bei der man nicht auf halbem Weg stecken bleibt“, sagte er. „Wir sollten das Gebiet nehmen, das die größte Aussicht auf Erfolg hat.“

>>> Lesen Sie auch: Es kommt wieder Bewegung in ehemaligen Tontagebau

Die Stadtverordnetenversammlung müsse nun abwägen, wie sie weiter mit dem Beschluss verfahre, schloss Thomas Hemmerling. „Und wir werden mit Familie Pietrucha sprechen, was für ein Planverfahren wir am Tontagebau in Gang setzen können – und was die Stadt dort entwickeln will und kann.“

Von Josephine Mühln

Iwona Agurto ist oft als Dolmetscherin für die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel im Einsatz. Die 36-jährige liebt den märkischen Landstrich und erinnert sich gern an einen besonderen Duft.

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