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Niemegk Niemegker Freibad vor 90 Jahren eröffnet
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Niemegker Freibad vor 90 Jahren eröffnet
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14:55 29.05.2019
Die Städtische Badeanstalt im Schatten des Niemegker Wasserturmes auf einer Ansichtskarte aus den 50-er Jahren Quelle: Repro: Sammlung Hesse
Niemegk

Als Paul Temming in Niemegk Bürgermeister wurde, regte er den Bau einer richtigen Badeanstalt an und am 22. Juli 1924 legte die Kommission einen Antrag auf den Tisch des Rathauses: ,,Die Stadt Niemegk ist ohne jegliche Badegelegenheit. Die.Jugend, die das Fehlen der Badeanstalt am empfindlichsten merkt, benutzt in den beiden Monaten die Lehmkieten als Badegelegenheit.

Da die ausgenutzten Lehmlöcher keinen gleichmäßigen Untergrund haben, sondern an vielen Stellen plötzlich sehr tief abgehen, traten häufig Unglücksfälle ein. Wenn dies auch nicht immer, wie es in diesem Jahr der Fall war, den Tod des Badenden zur Folge bat, so schweben die Eltern der Jugend doch in ständiger Angst, dass den Kindern, die heimlich meistens gegen das Verbot, diese Stellen zum Baden aufsuchen, irgendein Unglück zustoßen kann.

Um sich zu erfrischen

Die erwachsene Jugend, die zur Stärkung ihres Körpers in den Turn- und Sportvereinen rege tätig ist, ist nicht in der Lage, durch ein Bad den Körper während der heißen Monate zu erfrischen. Auch die nicht sporttreibende Jugend und die älteren Einwohner empfinden das Fehen einer Badegelegenheit im Sommer sehr schmerzlich.“

Um diesem aufgezeigten Übelstand abzuhelfen, hat sich der Magistrat entschlossen, ein Schwimmbad, man sagte dazu „Badeanstalt“, zu bauen, die zugleich auch den geringsten sportlichen Ansprüchen genügt. Fünf Jahre vergingen aber noch.

Die Luftaufnahme von Niemegk ist 1931 als Ansichtskarte versandt worden. Quelle: Repro: Sammlung Hesse

Die Presse schrieb:,,Dem Niemegker Magistrat ist es nun gelungen, von Staat, Kreis und Provinz zusammen 3500 Mark an Zuschüssen für den Bau einer Freibadeanstalt zu erlangen. Gesamtkosten: 18.500 Mark. Die städtischen Körperschaften haben beschlossen, sofort mit dem Bau von 35 Metern Länge und 16 Metern Breite zu beginnen, da der Stadt sonst die Zuschüsse aus dem Rechnungsjahr 1928 verloren gehen.

Der Auftrag für die Ausführung wurde den Maurermeistern Max Schulz und Walter Henkel, die einen gemeinschaftlichen Kostenanschlag eingereicht hatten, für 11.700 Mark mit der Bedingung übertragen, dass das Schwimmbassin fristgerecht fertig gestellt wird. Der Termin wurde eingehalten.

Bald hatte sich das Niemegker Schwimmbad einen guten Ruf erworben, denn es war das modernste im ganzen Kreis Zauch-Belzig. Danach bauten andere Städte größere und wieder modernere Einrichtungen. Die erforderlichen Badezellen, der Anschluss an die Wasserleitung und die Aufstellung eines Sprungturmes wurden später vergeben.“

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Am 1. Juni 1929, rechtzeitig zur Badesaison, war es dann endlich so weit, dass Bürgermeister Paul Temming die neue Badeanstalt eröffnen konnte. Temming war selbst ein reger Besucher der Badeanstalt. Er suchte sie täglich auf, um ganz geruhsam durch das Wasser in Rückenlage zu schwimmen, wobei sein dicker runder Bauch wie ein großer Ball aus dem Wasser ragte.

Und dabei las er auch noch den Niemegker Anzeiger, den er auch auf dem danach folgenden Spaziergang durch den Werderwald weiterstudierte, um sich über das Zeitgeschehen zu informieren. Soviel Zeit hatte man damals, denn die Arbeit, so meinte er, läuft ihm nicht weg.

Noch immer haben die Niemegker viel Freude mit ihrem Freibad – hier Kinder der Johanniter-Kita "Spatzennest“ im Sommer 2018. Quelle: Josephine Mühln

Die Badeanstalt wurde verpachtet, zuerst an den Schwimmmeister Böhnke, danach an den Schwimmmeister Hans Dittrich, die beide eine kleine Kantine einrichteten. Sonntags trafen sich Familien zum Nachmittagskaffee mit Kuchen in der Badeanstalt, Eis wurde geschleckt und die Kinder erhielten ihre langersehnte rote oder grüne Brause oder einen Lutscher am Stiel dazu. Schokoküsse und Lakritze hinterließen in den Gesichtern ihre farbigen Spuren und alle waren glücklich und zufrieden. Es entwickelte sich in dieser Einrichtung ein reges sportliches und geselliges Leben.

Der Beitrag ist ein Auszug aus der Niemegker Chronik, Band 5, erschienen 2001. Am 22. Juni soll das 90-jährige Jubiläum im Freibad gefeiert werden.

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Von Siegfried Dalitz

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