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Niemegk Karate-Angriff gegen Nonne beim Start gestoppt
Lokales Potsdam-Mittelmark Niemegk Karate-Angriff gegen Nonne beim Start gestoppt
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17:37 07.05.2019
Auch vom Gewerbegebiet Niemegk aus sollte die Bekämpfung des Kiefernschädlings Nonne per Hubschrauber laufen. Pilot Reiner Flath vom DHD Heliservice in Groß Kreutz berät den Einsatz mit Karin Heintz, Chefin Oberförsterei Dippmannsdorf. Quelle: Thomas Wachs
Niemegk

Gegen alle Proteste von Kritikern sollte im Hohen Fläming jetzt die Bekämpfung der Nonnenraupe als Forstschädling mit dem umstrittenen Kontaktgift „Karate Forst flüssig“ aus der Luft starten. Vom Niemegker Gewerbegebiet aus sind die ersten Hubschraubereinsätze für Wälder der Region vorbereitet.

Gegner stoppen den Plan

Die am Montag geplanten ersten Flüge mussten jedoch gleich abgesagt werden. Der Wind blies stärker, als es die Vorschriften erlauben. Weitere Starts waren in den nächsten Tagen bei Linthe sowie in der Nähe von Neuendorf bei Brück und im Bereich der Oberförsterei Lehnin geplant.

Vorsicht geboten nach Gifteinsatz

Alle Wälder, die mit dem Kontaktgift „Karat Forst“ besprüht wurden, dürfen danach 48 Stunden lang nicht betreten werden.

Betroffen sind knapp 1300 Hektar nahe Neuendorf bei Brück, 108 Hektar im Revier Niemegk Richtig Grabow, 152 Hektar im Raum Linthe und 43 Hektar im Revier Marzahna bei Neu-Rietz.

Warnschilder an Waldzugängen weisen auf die jeweiligen Termine und die Verbote hin.

Auch sollten drei Wochen lang in betroffenen Wäldern keine Pilze, Beeren oder Kräuter gesammelt werden.

Doch sind auch diese seit Montagnachmittag plötzlich ungewiss. Aus juristischen Gründen. Denn der Naturschutzbund Deutschlands (NABU) hat Widerspruch gegen die Genehmigung des Landesamtes für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung mit Sitz in Frankfurt (Oder) eingelegt.

NABU erwägt Klage

Das bestätigte der Brandenburger Landesvorsitzende Friedhelm Schmitz-Jersch gegenüber der MAZ. Sollte das Landesamt am Dienstag die Genehmigung wieder in Kraft setzen und damit die aufschiebende Wirkung aushebeln, wolle der NABU ein Klage einreichen.

Noch aber bleiben die Vorkehrungen aktiv. Für Spaziergänger und Forstnutzer würden in den nächsten Tagen bis zum Monatsende daher besondere Sicherheitsvorkehrungen gelten. Warnschilder und Absperrbänder an Wegen weisen darauf hin. Sie sind bereits installiert.

Nach der Bekämpfung des Kiefernschädlings Nonne per Hubschrauber gelten für betroffene Wälder Warnhinweise. Quelle: Thomas Wachs

Im Gebiet der Oberförsterei Dippmannsdorf soll die gefräßige Nonne auf einer Gesamtfläche von rund 1600 Hektar bekämpft werden. In ganz Brandenburg sind rund 7300 Hektar betroffen vor allem in den Landkreisen Potsdam-Mittelmark und Teltow- Fläming, erklärte Michael Kopka, Bereichsleiter für Wald- und Forstschutz beim Landesbetrieb in Potsdam, am Montag in Niemegk. Er koordiniert die Schädlingsbekämpfung.

Neuendorf größte Problemzone

Schwerpunkt im Bereich der Dippmannsdorfer Oberförsterei ist nach Angaben von deren Chefin Karin Heintz eine Fläche von knapp 1300 Hektar in der Nähe von Neuendorf bei Brück in Richtung Borkheide.

Der starke Befall mit Nonnen-Räupchen im April lässt bei Neuendorf ein starken Kahlfraß durch die großen Raupen erwarten. Quelle: Holk Michaelis/Landesbetrieb Forst.

Bei Untersuchungen im Herbst, die alljährlich zur Prognose für die nun startende neue Raupensaison dienen, „konnten wir die Nonne dort schaufelweise wegtragen“, erklärt die Oberförsterin. Sie erwartet daher anhand der dort ermittelten Gefährdungsziffer einen massiven Kahlfraß in Kiefernkronen. Er könnte bis zum Vierfachen des Bestandes ausfallen. Schon jetzt seien 20 Prozent der Bäume erheblich geschädigt. Daher müssen die kürzlich geschlüpften Nonnen jetzt bekämpft werden. „bevor sie zu den bis zu vier Zentimeter langen gefräßigen Raupen heranwachsen“.

Verhältnismäßig geringe Dosierung

Aus dem Hubschrauber mit Sprüharmen werden die Krabbeltiere mit dem Kontaktinsektizid besprüht. „Es gibt nur dieses Mittel, um diese Schädlinge zu bekämpfen“, sagt Experte Michael Kopka. Er verweist auf ein verhältnismäßig geringe Dosierung des Giftes. Auf 35 Liter Wasser werden 75 Milliliter Karate-Forst vermengt. Diese Mischung reicht zur Bekämpfung von einem Hektar Kiefernwald.

Michael Kopka vom Landesbetrieb Forst koordiniert den Einsatz gegen die Forstschädlinge. Quelle: Thomas Wachs

Versuche, andere Mittel gegen die Kiefernschädlinge einzusetzen sowie die Dosierung von Karate Forst zu reduzieren, „haben in den Vorjahren keinen Erfolg gebracht“, erklärt Karin Heintz.

Voriges Jahr guter Erfolg

In den Waldgebiete zwischen Niemegk, Zeuden und Rietz sowie in der Wenzlower Heide, wo im vorigen Jahr der Hubschrauber zum Einsatz kam, habe die Bekämpfung gute Erfolg gezeigt. 

Nun sind bei Neu-Rietz im Revier Marzahna von Förster Ulf Schmidt sowie auf Flächen bei Niemegk, die Revierförster Frank Zehender betreut, weitere Einsätze auf Nachbarflächen geplant.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:300 Menschen demonstrieren gegen Insektizid-EinsatzArbeitsgruppe kritisiert Insektizid-EinsatzAmt genehmigt Insektizid-Einsatz gegen Wald-Schädlinge Karate gegen Nonne und andere Schädlinge„Ich lasse meinen Wald nicht vergiften“

Der Einsatz des Insektizides „Karate Forst“ war genehmigt im Zeitraum zwischen dem 6. und 31. Mai. Die Einsatzbedingungen für den Hubschrauber sind klar definiert. Der Wind darf höchstens fünf Meter pro Sekunde betragen. Zudem darf es nicht wärmer als 25 Grad sein. Ferner macht Regen den Erfolg zunichte.

Das Insektenvernichtungsmittel wird aus einem Abstand von zwei bis fünf Metern über den Baumwipfeln direkt und fein auf die Kronen gesprüht. Dort fressen die meisten Raupen an den Nadeln.

Ausgewachsene Raupen des Kiefernspinners können ganze Bäume kahl fressen und massiv schädigen. Quelle: Thomas Wachs

Zwar sind diese derzeit erst einige Millimeter lang und kaum erkennbar, doch werden sie sich in den kommenden Wochen zu wahren Nimmersatts entwickeln, wenn die neuen Nadeln erst saftig grün sprießen.

Um solche für die Bäume lebensgefährlichen Fressorgien der Insekten zu verhindern, soll den Schädlingen nun der Garaus gemacht werden. Karin Heintz sieht darin auch eine Verpflichtung gegenüber kommunalen wie privaten Waldbesitzern. „Wir sind dafür da, den Wald zu erhalten und ihn zu mehren“, sagt die Oberförsterin.

Von Thomas Wachs

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