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Niemegk Haariger Schädling: So macht der Kiefernspinner die Bäume kaputt
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20:03 07.02.2020
Im Niemegker Wald sind zu viele Kiefernspinner aufgetaucht. Förster Frank Zehender leitet nun erste Gegenmaßnahmen ein. Quelle: Josephine Mühln
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Niemegk

Er ist klein, er ist haarig, er sieht harmlos aus. Und unter der Lupe betrachtet ist sein Kopf eigentlich ganz hübsch. Doch der Schein trügt. „Der Kiefernspinner ist einer der schlimmsten Schädlinge“, sagt Niemegks Revierförster Frank Zehender. „Weil er auf einer kleinen Fläche schnell massiv kommt.“

So wie in diesem Jahr. Denn bei der aktuellen Winterbodensuche sind in den Revieren Niemegk und Marzahna – beide gehören zum Territorium der Oberförsterei Dippmannsdorf – die kritischen Zahlen des Kiefernspinners überschritten worden.

Humusschicht akribisch absuchen

Er ernährt sich, wie sein Name vermuten lässt, von Kiefernnadeln. Und macht die Bäume so kaputt, weil sie ohne Nadeln keine Fotosynthese mehr betreiben und nicht mehr wachsen können. „Ihn mitzukriegen und ihm beizukommen – das erfordert Präsenz vom Förster“, weiß Frank Zehender.

Bei der Winterbodensuche wird der Oberboden, die sogenannte Humusschicht, akribisch nach Schädlingen abgesucht. „Ein Suchpunkt besteht aus zehn Teilflächen, die jeweils einen halben Quadratmeter groß sind“, erläutert Frank Zehender. „Wir lockern den Boden mit einer kleinen Harke und zerbröseln ihn dann in der Hand, um Raupen, Larven und Kokons zu finden.“

Klein und haarig: Der Kiefernspinner kann bis zu sechs Zentimeter groß werden. Quelle: Josephine Mühln

Die Insekten nimmt der Förster dann verpackt in Kisten und Gläsern mit in sein Büro. Dort schaut er für jede Fläche die einzelnen Funde an und trägt sie in ein „Puppenbuch“, eine Excel-Liste auf dem PC, ein. Neben den Kiefernspinnern ist dort zum Beispiel aufgeführt, wie viele Forleulen oder Blattwespen im Boden waren.

„Für einen Suchpunkt mit zehn Teilflächen haben wir etwa drei Stunden gebraucht“, sagt Frank Zehender. „Man muss akribisch vorgehen, das ist zeitaufwendig.“ Die Kiefernspinner, die sich jetzt in den Pappkisten auf Zehenders Schreibtisch finden, sind etwa zwei Zentimeter groß. Bis zu sechs Zentimeter können sie werden. Alle Funde gehen später ins Landeskompetenzzentrum Forst nach Eberswalde.

Betroffen sind Randstandorte

„Die höchste Zahl an Kiefernspinnern, die wir auf einer Suchfläche gefunden haben, waren 176“, berichtet der Förster. „In Niemegk und Marzahna sind deshalb noch mal etwa 35 zusätzliche Flächen durchsucht worden, um den akuten Befall örtlich einzugrenzen und zu wissen, worauf wir uns vorbereiten müssen.“ Die Bestände, die betroffen sind, seien Randstandorte, fast ausschließlich mit Kiefern bewachsen. Bis zu welcher Anzahl pro Quadratmeter das Vorkommen des Kiefernspinners noch im Rahmen sei, darüber gebe es unterschiedliche Angaben.

Frank Zehender zieht einen Ordner mit Material des Forsts Brandenburg aus dem Regal. Darin heißt es, dass ab zehn Stück pro Quadratmeter von einem kritischen Wert gesprochen werde. Die Zahlen würden jedoch nur für vollbelaubte oder vollbenadelte Bestände gelten, erläutert er.

Der Waldboden als Raster

Die Winterbodensuche ist ein Standardverfahren, um Schadinsekten im Wald ausfindig zu machen.

Sie wird jedes Jahr im Winter durchgeführt und funktioniert am besten bei Frost.

Der Waldboden wird dafür in ein quadratisches Raster eingeteilt, die sogenannten Standardsuchflächen.

Treten erhöhte Werte auf, werden zusätzliche Suchflächen geschaffen, um den Radius des Befalls noch genauer einzugrenzen.

Das Niemegker Revier erstreckt sich über 3200 Hektar und besteht zu 90 Prozent aus Klein-Privatwald.

„In der weiteren Überwachung sind jetzt Leimringe wichtig, die an den Stämmen angebracht werden und an denen die Insekten kleben bleiben“, sagt Frank Zehender. „Es muss eine akribische Kontrolle erfolgen, wann die Raupen aufbaumen, also Richtung Krone ziehen. Nur so kann notfalls rechtzeitig mit einem Pflanzenschutzmittel eingegriffen werden.“

Natürlich solle das so gering wie möglich erfolgen, dennoch sei er dafür, sagt Frank Zehender. „Wir müssen uns fragen: Wollen wir Wald? Wollen wir dem Privatwald helfen? Am Ende zahlt der Waldbesitzer.“

In Pappschachteln werden die gefundenen Raupen und Larven aufbewahrt. Quelle: Josephine Mühln

Die endgültige Entscheidung für oder gegen den Einsatz eines Pflanzenschutzmittels falle auch je nach Entwicklung der Raupen. „Sie müssen oben in der Krone sein, um sie mit dem Hubschrauber zu erreichen“, erläutert der Förster.

Komme ein Mittel zum Einsatz, dann sei es – je nach Witterung – etwa Ende April oder Anfang Mai soweit. Beispielsweise könne dann ein sogenannter Häutungshemmer gesprüht werden. „Wenn die Raupen sich nicht mehr häuten können, können sie nicht weiter wachsen“, erklärt Frank Zehender.

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Auch in den vergangenen Jahren sei der Kiefernspinner im Niemegker Revier immer mal wieder präsent gewesen – nur sei diesmal die Fläche seines Vorkommens größer. „Betroffen ist die östliche Spitze des Reviers, weil hier die schwächsten Standorte sind“, schließt der Förster.

Von Josephine Mühln

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