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Nuthetal Landmaschine mit Präzision eines Chirurgen
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Landmaschine mit Präzision eines Chirurgen
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20:03 16.08.2018
Wolfgang Nürnberger und Agro-Chef Meik Schmidt (r.) an der Landwirtschaftsmaschine, die ressourcenschonend arbeitet.
Wolfgang Nürnberger und Agro-Chef Meik Schmidt (r.) an der Landwirtschaftsmaschine, die ressourcenschonend arbeitet. Quelle: Jens Steglich
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Saarmund

Dieses Gerät könnte eine Antwort auf den Klimawandel sein und obendrein den Landwirten eine Menge Aufwand und Diesel sparen. Auf einem Feld der agro Saarmund ist am Donnerstag eine neue Landmaschine getestet worden, die in trockenen Notzeiten wie gerufen kommt, wenn sich die Bauern das Gerät denn leisten könnten. Die „Streifenbearbeitungs- und Sämaschine“ der Firma Mzuri kann viele Dinge gleichzeitig und setzt ihre Furchen im Acker mit der Präzision eines Chirurgen, was den Boden schont und dafür sorgt, dass die Feuchtigkeit drinbleibt und kein Opfer der Sonne wird.

Agro-Chef Meik Schmidt spricht von vier Schritten, die diese Landmaschine in einem Ritt erledigt. Sie schneidet die alten Ernterückstände auf, setzt einen Schnitt in die oberste Bodenschicht und noch einen tieferen Schnitt, um den Dünger reinzulegen. Der Boden darüber wird ein bisschen verfestigt, um danach die Drillschar einzusetzen, um die Saat oberhalb des Düngers in den Boden zu bringen. Und das alles passiert während einer Fahrt übers Feld.

„Das spart viel Zeit und Diesel“, sagt Schmidt. Normalerweise würde der Trecker mit unterschiedlichen Scharen vier Mal fahren. Und er würde erstmal das gesamte Feld umpflügen und damit den Boden nach oben drehen, was bei Hitze und Trockenheit noch die letzte Feuchtigkeit aus dem Acker verschwinden lässt. „Die neue Maschine setzt dagegen nur schmale Schnitte in den Boden, so bleibt die Feuchtigkeit drin“, sagt Schmidt.

Außerdem bleiben die alten Ernterückstände als Stroh auf dem Acker liegen. Die Strohhalme reduzieren zusätzlich die Wasserverdunstung, beugen Bodenerosion vor, halten im Winter Schnee und Feuchtigkeit fest und bilden bei ihrer Zersetzung auch noch Nährstoffe. Fazit: „Die Umweltbilanz dieser Maschine ist deutlich besser“, sagt Schmidt, der für seinen Betrieb gern eine anschaffen will. Mit Blick auf den Klimawandel betont er: „Wir wollen etwas tun, brauchen aber Unterstützung.“ Das Problem: Solche umweltschonenden Landmaschinen, die in Großbritannien entwickelt wurden, kosten etwa 150 000 Euro. Das kann sich kein dürregeplagter Landwirt leisten. „Wir möchten, dass die Politik sich mit Zuschüssen dazu bekennt, boden- und wasserschonende Anbaumethoden zu unterstützen“, sagt der Agro-Chef, der das Erntejahr 2018 als das schlechteste in der Geschichte des Betriebes bezeichnet, der 1991 entstanden ist. „So eine anhaltende Trockenheit haben wir noch nie erlebt. Wir verfüttern jetzt schon das Winterfutter“, sagt er.

Detailaufnahme von den Scheiben, die alte Ernterückstände aufschneiden und kleine Schnitte in den Boden setzen. Quelle: Jens Steglich

Sieben Herden mit 1000 Rindern hat die agro auf Weiden in der Region stehen. „Zwei Brunnen sind uns versiegt, das hatten wir auch noch nie.“ Jetzt muss dort Wasser zu den Tieren gefahren werden, damit sie nicht verdursten. Auf dem Feld der agro in der Nähe von Fahlhorst zweifelte am Donnerstag keiner daran, dass ein Klimawandel im Gang ist, egal wie viel Prozent Anteil der Mensch daran hat. „Sich darauf einzustellen, kann ich nicht allein den einzelnen Bauern überlassen“, sagt Wolfgang Nürnberger. Der Thüringer arbeitet für den Hersteller und ist sozusagen der Begleiter der neuen Landmaschine, die für die agro testweise Raps gesät hat. „2019 werden wir die Maschine auf der Brala auf einem Versuchsfeld zeigen“, sagt er und erzählt noch von der Brandenburgischen Landwirtschaftsausstellung im Jahr 1992: „Schon damals haben die Potsdamer Klimaforscher dort davor gewarnt, dass wir eine ausgesprochene Vor-Sommer-Trockenheit bekommen werden.“

Maschine bearbeitet nur ein Drittel der Fläche

Die neue Maschine geht auf eine Entwicklung des britischen Ingenieurs Martin Lole zurück.

Sie schont den Boden, weil sie nur ein Drittel des Ackers bearbeitet – nämlich dort, wo die Pflanze stehen soll. Bisher wird in der Regel das ganze Feld bearbeitet, aber nur 25 Prozent mit Kulturpflanzen bestückt.

„Die Maschine funktioniert gut, einiges muss aber noch getestet werden“, so Meik Schmidt von der agro Saarmund.

Von Jens Steglich

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