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Nuthetal Die Abenteuer des Werner Wienert
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14:25 31.10.2019
Nach der Lesung im Mehrgenerationenhaus: Werner Wienert mit seiner Frau Gisela. Zur Lesung hatte er auch Karin Baller an seiner Seite. Quelle: J. Steglich
Nuthetal

„’Albin Koebis? Kenne ich nicht!’ Diese unbedachte Äußerung vor mehr als 50 Jahren hätte beinahe eine erfüllte Liebe verhindert...“ Die Lesung im Nuthetaler Mehrgenerationenhaus beginnt mit Sätzen wie aus einem Roman. Die Erzählung, die dann folgt, ist keine Dichtung. Es ist die Geschichte von Werner Wienert aus Bergholz-Rehbrücke, der 1943 in einem Eisenbahnerhaus in Schönborn (Niederlausitz) in eine unbarmherzige Welt hineingeboren wird, in der Menschen erschossen, zerfetzt und vergast werden, der nach dem Krieg zur See fährt und später Direktor der Potsdamer Hotels Cecilienhof und Jägertor wird und der viele Hürden überwindet, um mit der Frau zusammenzukommen, die zu ihm gehört.

Wienert, der nach dem Ende der DDR auch einige Jahre Vorsitzender der Nuthetaler Linken ist und sich im Kampf gegen „Altanschließer-Beiträge“ mit Abwasserverband, Landesregierung und der eigenen Partei anlegt, gastierte jetzt im Mehrgenerationenhaus. Er war der geheimgehaltene Überraschungsautor der neuen Reihe, die Autor Kurt Baller ins Leben gerufen hat und die im Februar mit einer Lesung von Bauausschusschef Wilfried Jahnke begann.

1967 am Hafen in Mombasa (Kenia): Werner Wienert fuhr als junger Mann in den 1960er Jahren zur See – mit der „Albin Koebis“, einem Schiff der Deutschen Seerederei Rostock. Quelle: Privat

Werner Wienert holte sich für seine Lesung Karin Baller an die Seite und Gisela Wienert, seine Frau, die er vor mehr als 50 Jahren fast für immer aus den Augen verloren hätte. Alles beginnt 1962 im mecklenburgischen Dorf Kogel. Wienert ist Student der Hotelfachschule Leipzig und soll mit Kommilitonen Knollen sammeln, „das Zusatzfach für alle Studenten jener Zeit“. Die jungen Männer werden am Dorfanger abgeladen, stehen gottverlassen da und einer spricht noch die schlimmste Befürchtung aus: „Mensch, nicht einmal Weiber hier!“ Das aber sollte sich ändern. Ein Trecker mit Hänger tuckert heran – beladen mit Studentinnen vom Lehrerbildungsinstitut Nossen. „Die Glücksfuhre hielt direkt vor uns. Eine, nur eine einzige war sofort in meinem Blick. Ja, so etwas gibt es wirklich, ein Blick und alles ist entschieden“, sagt Wienert. Damals weiß er noch nicht, wie lange es dauern wird, diese Frau zu erobern und wie oft sich die beiden verfehlen werden.

Eine Geschichte vom Verlieren und Wiederfinden der Liebe

Zur ersten Verabredung mit ihr bekommt er es auch mit dem Sohn des Oberförsters zu tun, der „wutschnaubend seine vermeintlich vorrangigen Ansprüche“ anmeldete. Der erste Tag endet mit einer Keilerei. Jahre und einige vergebliche Anläufe später sticht Wienert mit der „Albin Koebis“ in See, einem Schiff der Deutschen Seerederei Rostock. Auch auf hoher See lässt er nicht locker, schickt ein Telegramm an sie – mit dem Absender: „Albin Koebis, von Rügenradio“. Die Radiostation war die Vermittlungsstelle für Seefunktelegramme. Die Frau aber, die er erreichen will, kennt keinen „Albin Koebis von Rügenradio“ und bringt das Telegramm zur Post zurück. Die Geschichte vom Verlieren und Wiederfinden einer Liebe gehört bei der Lesung zu den berührenden Momenten. Sie geht nach einem filmreifen Finale gut aus und wird 2006, von Werner Wienert aufgeschrieben, bei einem Zeitungsleserwettbewerb zur besten „Kennenlerngeschichte“ gekürt.

Der Vater stellte 1945 die Weichen für einen Zug mit Todgeweihten

Zur Lesung spannt er noch einen Bogen durch turbulente Zeiten, erzählte von seinem Vater, der als Stellwerksleiter 1945 die Weichen für einen Zug stellt, in dem Juden eingepfercht sind, die ins KZ Theresienstadt gebracht werden sollten. Der Zug bleibt vorher stecken. Die Todgeweihten, die in den Viehwaggons nicht gestorben waren, überlebten den Wahnsinn. Einer von ihnen schrieb später ein Buch und nannte es: „Wunden, die nicht heilen dürfen.“

Zum Ende der Lesung landet Werner Wienert, der mit 18 der SED beitrat, in der Endzeit der DDR. Die Wochen nach dem von anderen erzwungenen Abtritt der Betonköpfe im Politbüro nennt er „die schönste und effektivste Zeit der DDR“. Der Rehbrücker, der vor 30 Jahren ohne Zweifel zum Reformflügel der Staatspartei gehörte, lässt auch Sympathien mit den Bürgerrechtlern erkennen, die zuerst die offene Gesellschaft erkämpft haben. Seine Enttäuschung über das verdiente Ende der DDR und die Wiedervereinigung mochte man nicht unbedingt teilen. Zumindest privat ist Werner Wienert im Jahr 2019 ein zufriedener Mensch. „Heute, 76-jährig, sitze ich in meinem Arbeitszimmer am Computer... Aus dem Wohnzimmer dringt Klavierspiel bis zu mir hoch, die Enkeltöchter kichern... Ja, so wollte ich es haben, genau so wollte ich alt werden.“

Von Jens Steglich

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