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Nuthetal Einbruchserie in Rehbrücke: Die Täter hinterlassen auch seelische Schäden
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Einbruchserie in Rehbrücke: Die Täter hinterlassen auch seelische Schäden
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19:45 21.12.2019
So sah es nach dem Einbruch bei Familie Köster in Bergholz-Rehbrücke aus. Quelle: Köster
Bergholz-Rehbrücke

Sie waren nur kurz weg, um mit den Enkelkindern in Potsdam Karussell zu fahren. Zwei Stunden, nicht länger, hat der Ausflug gedauert. Als sie gegen 18 Uhr nach Bergholz-Rehbrücke zurückkehren, ist ihr Zuhause verwüstet. Sie schließen die Tür auf und wundern sich, dass die Zwischentür dahinter von innen abgeschlossen ist. Nur durch den Keller kommen sie ins eigene Haus hinein. „Dort lag alles auf dem Boden verstreut, Fächer waren aus den Schränken herausgerissen. Selbst die Betten im Schlafzimmer haben sie durchwühlt“, erzählt Christel Köster.

Die Einbrecher haben kein Zimmer verschont, nur in der Küche waren sie nicht. „Selbst im Bad war alles herausgerissen“, sagt sie. Die Täter kamen durch die Terrassentür herein, stahlen Goldschmuck und Bargeld. „Mode- und Silberschmuck ließen sie liegen.“ Wie die Terrassentür haben sie auch einen Safe im Haus mit Gewalt aufgebrochen. „Das waren Profis, die sich nicht mit irgendwelchen Sachen aufhalten und zielgerichtet und systematisch nach Wertvollem gesucht haben“, sagt ihr Mann, Raimar Köster. Die beiden sind nicht die einzigen Einbruchsopfer in Bergholz-Rehbrücke, wo in einigen Straßen die Furcht umgeht. Die Einbrüche in den vergangenen Wochen zum Beispiel im Eichhörnchenweg, in der Weerth-, Feld- und der Ravensbergstraße oder in der Walther-Rathenau-Straße sind Ortsgespräch.

Sie nehmen den Menschen Schmuck und manchmal die Lebensfreude

Die Einbrecher nahmen den Menschen Geld, Schmuck und andere Wertsachen weg und in einigen Fällen die Lebensfreude und das Gefühl der Sicherheit, das sie bisher in ihrem Zuhause hatten. „Es ist ein Scheißgefühl: Leute, die man nicht kennt und die man nicht eingeladen hat, dringen ins eigene Haus ein. Es ist deprimierend“, sagt Raimar Köster. Seine Frau hat sofort die Betten neu bezogen und nach Abzug der Spurensicherung alles geputzt, was die Täter angefasst haben könnten. Das war ihre Art, es zu verarbeiten. „Erst wenn man selbst betroffen ist, merkt man, was das bedeutet“, sagt er. Von den Geschichten, die hinter den nüchternen Polizeimeldungen stecken, wird selten etwas bekannt. Einige Einbruchsopfer in Bergholz-Rehbrücke wollen nicht darüber reden. Sie wollen wieder Ruhe finden. Das fällt schwer, nachdem Fremde mit Gewalt in die privateste Sphäre eingedrungen sind, die Menschen haben. Der Ort, an dem sie sich geborgen gefühlt haben, verliert zumindest zeitweise den Nimbus der Sicherheit.

Udo Reich und seine Frau haben erlebt, wie schlimm es sich kurz danach anfühlen kann, Opfer eines Einbruchs geworden zu sein. „Man schläft unruhig, wacht bei jedem kleinen Geräusch auf. Das geht an die Substanz. Gerade für ältere Leute ist das eine Katastrophe“, sagt er.

„So richtig wird man das mulmige Gefühl nicht mehr los“

„Das mulmige Gefühl ist selbst Jahre danach sofort wieder da, wenn man Zuhause ankommt und zufällig das Gartentor offen steht und man nicht weiß, was einem erwartet, wenn man die Haustür aufschließt“, so Reich. „Was die Täter an psychischen Belastungen anrichten und was mit den Leuten passiert, die dort wohnen, kann man sich nicht vorstellen.“ Er wohnt mit seiner Frau in einem kleinen Dorf in der Gemeinde Michendorf. Es ist schon einige Jahre her, als die Einbrecher ihr Zuhause auf den Kopf stellten und auch Erinnerungsstücke von der Oma und der Patentante mitnahmen. „So richtig wird man dieses mulmige Gefühl nicht mehr los. Wenn wir Polizeimeldungen von Einbrüchen in der Zeitung lesen, läuft uns immer noch ein Schauer über den Rücken“, sagt er.

Im Umfeld der Einbruchsopfer in Bergholz-Rehbrücke rüsten einige ihre Häuser auf. „Ich habe Angst um mein Hab und Gut“, sagt ein Anwohner. Er hat die Kellerfenster verriegelt, die Kellertür mit Holzbalken von innen verbarrikadiert und will die Tür von der Wohnung zum Wintergarten noch mit Stahlrohren sichern. Auch zwei Bewegungsmelder hat er gekauft.

Sind die Täter in drei bis vier Minuten nicht im Haus, geben sie auf

Zusätzliche Einbruchsicherungen haben einen messbaren Nutzen, „eine hundertprozentige Sicherheit ist aber nicht zu erreichen“, sagt Peter Foitzik, Leiter des Polizeirevieres Teltow. In den vergangenen Jahren und Monaten sei die Zahl der misslungenen Einbruchsversuche gestiegen. In etwa 40 Prozent der Fälle schaffen es die Täter nicht, einzudringen, sagt der Revierleiter, der von der „Drei- bis Vier-Minutenregel“ spricht. Das heißt: Gelingt es Tätern nicht, innerhalb von drei bis vier Minuten ins Haus vorzudringen, brechen sie den Einbruch in der Regel ab.

Bei den Kösters müssen die Täter schnell und geräuscharm vorgegangen sein, obwohl auch die Terrassentür Sicherheitsschlösser hatte. „Wir sind froh, gesund zu sein. Das Materielle kann man ersetzen“, so Raimar Köster. „In den ersten Nächten nach dem Einbruch konnten wir nicht schlafen und haben überall etwas gehört. Jetzt geht es wieder“, sagt er und fügt hinzu: „Das sind mir diese Leute nicht wert, dass ich mir die Lebensfreude verderben lasse. Aber die Wut bleibt.“

Rehbrückerin schreibt an den Innenminister

Einwohner von Bergholz-Rehbrücke vermissen Polizeipräsenz, die Täter abschrecken könnte. Eine Rehbrückerin schrieb an den Brandenburger Innenminister und fragte, was man gedenke, für die Sicherheit der Einwohner zu tun. „Da sieht man, welche Folgen es hat, wenn in der Vergangenheit Personal abgebaut wurde“, sagte ein Einbruchsopfer.

Nach Polizeiangaben sind im Nuthetaler Ortsteil Bergholz-Rehbrücke Polizisten im Rahmen ihrer Möglichkeiten unterwegs – offen in Uniform und auch verdeckt in Zivil.

Von Jens Steglich

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