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Nuthetal Fahnenappell auf Super-8-Film: Otto-Nagel-Schule wird 50
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Fahnenappell auf Super-8-Film: Otto-Nagel-Schule wird 50
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20:26 28.08.2019
Beate Hälsig und Schulleiter Ulf Gehrmann auf dem Pausenhof. Hinten ist das 1969 eröffnete Schulhaus zu sehen. Es steht heute unter Denkmalschutz. Quelle:  J. Steglich
Bergholz-Rehbrücke

Irgendjemand hat alles auf Super-8-Film festgehalten. Der Tag, an dem die Otto-Nagel-Schule eröffnet und in Beschlag genommen wurde, begann mit einem Fahnenappell an der alten Schule in Bergholz. Von dort, vom kleinen, 1894 gebauten Schulhaus, das nun ausgedient hatte, machten sich die Kinder und Lehrer am 1. September 1969 auf den Weg in die neue Schule im Andersenweg. Der Film zeigt die Menschenschlange und später ein paar Ausschnitte aus dem ersten Unterricht in der Schule von Bergholz-Rehbrücke, über deren Bau damals in der Deutschen Lehrerzeitung berichtet wurde und die jetzt genau ein halbes Jahrhundert alt ist. Der 50. Geburtstag ist Anlass für mehrere Veranstaltungen, darunter ein Treffen von ehemaligen und jetzigen Mitarbeitern. Lehrer, Hausmeister, Sekretärinnen und Küchenpersonal sitzen am Donnerstag in der Aula zusammen, um über alte und neue Zeiten zu reden und 50 Jahre Otto-Nagel-Schule in Bildern und Super-8-Filmen noch einmal Revue passieren zu lassen.

Lehrerauto mit Toilettenpapier eingewickelt

Was sagt eine Lehrerin über das Geburtstagskind? „Du bist schon ganz schön alt, aber gut in Schuss. Und du hast viele Generationen gut gebildet“, sagt Beate Hälsig, die ihr ganzes Lehrerleben – von 1975 bis 2016 – in der Otto-Nagel-Schule verbracht hat. Dort lernten die Kinder aus Bergholz-Rehbrücke und bis 1984 auch der Nachwuchs aus Saarmund rechnen und schreiben und noch einiges mehr. Dort spielten am letzten Schultag die Zehntklässler ihre Streiche und wickelten Lehrerautos mit Toilettenpapier ein. Und dort wurden 1990 im letzten Jahr der DDR neue Freiräume genutzt für eine demokratische Wahl. Damals stand die Frage: Soll der alte Schulleiter bleiben oder soll eine neue, junge Kollegin künftig die Otto-Nagel-Schule leiten? Das Lehrerkollegium wählte Birgit Schönfeldt, die junge Kollegin, die nach erfolgreichen Jahren in Bergholz-Rehbrücke später die damalige Gesamtschule verließ, weil diese 2005 zu einer Grundschule herabgestuft wurde. Sie heißt heute Birgit Thiele und leitet das Weinberg-Gymnasium in Kleinmachnow.

„Der Gemeinde liebstes Kind“: Im August 1969, kurz vor der Eröffnung der Otto-Nagel-Schule, berichtete die Lehrerzeitung über den Bau. Quelle: Privat

Vor 50 Jahren, als in Bergholz-Rehbrücke alles begann, überschrieb die Lehrerzeitung der DDR den Beitrag zum Schulbau mit der Schlagzeile: „Der Gemeinde liebstes Kind.“ Das war nicht gelogen. Beim Schulbau packten Bergholz-Rehbrücker genauso mit an wie Bürgermeister Günter Wolter persönlich, der 200 Arbeitsstunden leistete. Bevor die Bauprofis anrückten, wurde die Fläche gerodet, Gräben für Leitungen geschachtet und die Fundamente fürs Schulhaus gelegt. Damals nannte man es Nationales Aufbauwerk, wenn Bürger mit anpackten. Gebaut wurde die Polytechnische Oberschule, wie sie zu DDR-Zeiten hieß, auf Kirchenland. Allein das war schon ungewöhnlich. „Die guten Kontakte zwischen Bürgermeister und Pfarrer haben da geholfen. Es wurden viele Gespräche geführt, gemeinsam musiziert und ab und an ein Gläschen Alkohol miteinander getrunken“, erzählt Beate Hälsig.

Schüler zitiert zu DDR-Zeiten das Lied „Die Gedanken sind frei“

„Ich war gern Lehrerin und ich bilde mir ein, nicht ganz ohne Erfolg“, sagt sie. Sie erinnert sich zum Beispiel an die Rezitatoren-Wettbewerbe an der Schule, insbesondere an einen, der Ende der 1980er Jahre mit einem mutigen Auftritt über die Bühne ging. Zu den Otto-Nagel-Schülern gehörte damals auch der heutige TV-Journalist Tim Jaeger. Er trat mit seiner Cousine beim Wettstreit auf. Sie las aus der DDR-Hymne, er zitierte das berühmte Lied „Die Gedanken sind frei“.

Schüler der letzten zehnten Klassen verließen die Schule 2005 und verabschiedeten sich selbstbewusst mit diesem Spruch. Quelle: Privat

Mit lebhaften Schülern hatten es die Lehrer auch später zu tun. 2007 brachte eine Mutter eine Lärmampel mit, die auf Schallwellen reagierte. Zeigte die Ampel Grün an, ging es leise zu, bei Gelb stieg der Lärmpegel schon und bei Rot schlug das Gerät auch akustisch Alarm. Im Unterricht war alles im grünen Bereich. „In der Pause war die Schüler dann aber so laut, dass man nicht einmal den Alarmton gehört hat“, erzählt die Lehrerin. „Sie waren laut, aber es steckte auch etwas dahinter. Es war eine leistungsstarke Klasse“, erinnert sie sich. Ein komisches Gefühl sei es gewesen, als 2005 die letzten zehnten Klassen die Schule verließen, sagt sie. Die jungen Leute verabschiedeten sich selbstbewusst mit dem Spruch: „Die Letzten waren die Besten.“ Der Geburtenknick in der Wendezeit und den 1990er Jahren hatte aus der Otto-Nagel-Gesamtschule ab 2005 eine Grundschule gemacht, die heute aber wieder gut gefüllt ist und auch zu den sportlichsten Schulen der Region zählt. „Aktuell haben wir 333 Schüler“, sagt Schulleiter Ulf Gehrmann.

50 Jahre Otto-Nagel-Schule

Die Schule bekam 1969 den Namen des Berliner Malers Otto Nagel (1894 – 1967), der auch in Bergholz-Rehbrücke lebte. Er hatte bei den Nazis Malverbot, gehörte zu den Gründern des Kulturbunds, war Präsident der Akademie der Künste, eckte aber auch in der DDR an.

Zum Schuljubiläum wird es mehrere Veranstaltungen geben, etwa einen Rückblick über 50 Jahre am 26. September in der Aula, am 17. Oktober im Mehrgenerationenhaus und am 22. Oktober in der Akademie 2. Lebenshälfte.

Von Jens Steglich

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