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Nuthetal Getreide-Institut plant großen Umbau
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Getreide-Institut plant großen Umbau
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12:42 22.01.2019
Das Institut für Getreideverarbeitung ist eine GmbH und hat seinen Sitz an der Arthur-Scheunert-Allee in  Bergholz-Rehbrücke.
Das Institut für Getreideverarbeitung ist eine GmbH und hat seinen Sitz an der Arthur-Scheunert-Allee in  Bergholz-Rehbrücke. Quelle: Jens Steglich
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Bergholz-Rehbrücke

Das Institut für Getreideverarbeitung (IGV) will sich fit für die Zukunft machen und plant eine umfassende Umgestaltung seines Standortes in Bergholz-Rehbrücke. Die Flachbauten aus DDR-Zeiten sollen schrittweise durch moderne Gebäude ersetzt werden. Zugleich will sich das renommierte Forschungsunternehmen von größeren Teilen des eigenen Geländes trennen.

„Diese ganze Geschichte wird gemacht, weil wir das Institut für die Zukunft aufstellen und weiterentwickeln wollen. Wir werden verdichten, neue Gebäude errichten und investieren. Um das zu finanzieren, sollen Grundstücke verkauft werden“, sagte Thomas Kretschmer, Mitgesellschafter und Prokurist des IGV. Der Sohn des langjährigen Institutsleiters Peter Kretschmer, der 2017 verstorben war, betonte, dass alle Schwerpunktbereiche in der Lebensmittel- und Mikroalgenforschung genauso erhalten bleiben sollen wie die Infrastruktur für die überbetriebliche Ausbildung im Bäcker- und Konditor-Handwerk.

Sanierung der alten Gebäude wäre teurer als Neubauten

Er bezeichnete es als zwingende Aufgabe, die Bausubstanz, die vorwiegend aus DDR-Zeiten stammt und kaum eine Wärmedämmung aufweist, der modernen Zeit anzupassen. „Wir haben es von einem Bauingenieur begutachten lassen. Eine Sanierung der alten Gebäude wäre teurer als Neubauten.“ Die Verwertung von Flächen zur Finanzierung des Projekts soll zugleich langfristig eigene Kosten senken. „Wir haben mit 32 000 Quadratmetern Fläche ein sehr großes Grundstück, auf dem 95 Mitarbeiter arbeiten. Das sind Zahlen, die aufgezeigt haben: Das passt nicht zueinander“, so Kretschmer.

Das Institut für Getreideverarbeitung in  Bergholz-Rehbrücke plant umfassende Umbaumaßnahmen auf dem eigenen Gelände. Die meisten Gebäude stammen aus DDR-Zeiten. Die alten Flachbauten sollen abgerissen und durch effizientere Gebäude ersetzt werden. Quelle: Jens Steglich

Die Konzentration des Institutes auf kleinerer Fläche eröffnet im Nuthetaler Ortsteil Bergholz-Rehbrücke neue Potenziale für Wohnungsbau. „Es spricht aus meiner Sicht eine Menge dafür, freiwerdende Flächen für den Bau von Wohnungen zu nutzen“, sagte er. Im Augenblick sei aber noch nicht geklärt, ob es ausschließlich Wohnbebauung oder eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe sein soll. „Die Gemeindevertreter wissen hier am besten, was gebraucht wird.“

Für die Umsetzung des Umbau-Projektes muss ein Bebauungsplan erarbeitet werden. Von der Gemeinde kommen positive Signale. „Es ist eine interessante Entwicklung, die wir begleiten werden“, sagte Nuthetals Bauamtsleiter Rainer vom Lehn, der betonte: „Jede Forschungseinrichtung und deren Weiterentwicklung ist wichtig. Sie haben nicht nur Bedeutung für den Ort und die Gemeinde, sondern für den Landkreis und darüber hinaus.“

Das Laborgebäude bleibt stehen und wird weiter genutzt. Es war erst 2013 neu eröffnet worden. Quelle: Jens Steglich

Der Wohnungsbau bleibt freilich ein Geschäftsfeld für andere. „Wir konzentrieren uns auf unsere Arbeitsfelder und verkaufen Grundstücke nur, um in die Zukunft des IGV zu investieren“, sagte Kretschmer. Details zum Neubaubedarf sollen in einer Arbeitsgruppe des Institutes in Abstimmung mit den Gremien der Gemeindevertretung geklärt werden. „Wir sind jetzt in der Findungsphase. Wir fühlen uns als Teil von Bergholz-Rehbrücke und wollen die Vertreter der Gemeinde von Anfang an mit einbeziehen“, so Kretschmer.

„Wir werden uns mit der Architektur Mühe geben“

Wie viel Fläche das Institut abgeben werde, hänge zum Beispiel davon ab, „wie viele Etagen wir für Neubauten genehmigt bekommen“. Geklärt wird das im B-Planverfahren, das allein ein bis zwei Jahre dauert. „Wir stehen nicht unter Zeitdruck, uns geht es um die langfristige Entwicklung des Institutes“, sagte Kretschmer, der hinzufügte: „Unser Wunsch wäre es schon, in zwei Jahren so weit zu sein, um mit der Umsetzung beginnen zu können. Wenn es schneller geht, umso besser.“

Institutsgebäude, die in Nachwende-Zeiten auf dem Gelände entstanden sind, bleiben stehen und werden weiter genutzt. Kretschmer geht ansonsten davon aus, dass eher der nördliche Teil der Institutsflächen für Wohnbebauung zur Verfügung gestellt werden. Er wünsche sich auch, dass etwas entsteht, was das Ortsbild von Bergholz-Rehbrücke im positiven Sinne präge. „Wir werden uns mit der Architektur Mühe geben.“ Von der Zukunftsfähigkeit des Institutes, das lange Jahre sein Vater leitete, ist er überzeugt: „Wir haben am Standort nach wie vor einzigartiges Know-how und motivierte Mitarbeiter, die neue Dinge entwickeln wollen.“

Institut wurde 1960 gegründet

Das Institut für Getreideverarbeitung wurde 1960 gegründet und bis 1985 von Professor Reinhard Schneeweiß geleitet.

Zu DDR-Zeiten wurden im Institut bekannte Lebensmittelprodukte wie Tempo-Erbsen, Erdnussflips oder der Kurzkochreis „Kuko“ kreiert. „Es war immer eine Team, dass Produkte entwickelte“, sagt Thomas Kretschmer.

Sein Vater Peter Kretschmer kaufte mit Otto Pulz und Helmut Barnitzke das zur GmbH umgeformte Institut 1994 von der Treuhand, um es zu retten.

Nachdem die Mitgesellschafter aus Altersgründen ihre Anteile verkauften, wurde das IGV ein privat geführtes Familienunternehmen, die Anteile hält Familie Kretschmer.

Von Jens Steglich