Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Nuthetal Sechs Kinder, vier Enkel – und mit 45 noch ein Studium
Lokales Potsdam-Mittelmark Nuthetal Sechs Kinder, vier Enkel – und mit 45 noch ein Studium
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:19 25.09.2019
Bianka Koch mit einem kleinen Teil der Familie: Zoey (1,5 Jahre), Amy Koch (rechts) und in der hinteren Reihe Jason und Meggy. Quelle: Foto: Jens Steglich
Nuthetal

Als sie im Mai 2019 das Autohaus betritt, staunt der Autoverkäufer nicht schlecht. Man könnte auch sagen: Er ist ein bisschen perplex. Bianka Koch will zuerst den Kofferraum sehen und dann sagt sie noch: „Ich brauche ein Auto für mindestens neun Leute und zwei Kinderwagen.“ Neun-Sitzer mit einem Kofferraum, in den Kinderwagen hineinpassen, gehören nicht zu den häufig geäußerten Kundenwünschen. „Der Verkäufer hat gedacht, ich veräppel ihn“, erzählt Bianka Koch.

Es war ihr voller Ernst. Und der Wagen für neun Menschen reicht nicht einmal aus, um mit der ganzen Familie auf Tour zu gehen. Um gemeinsam in den Urlaub fahren zu können, brauchen die Kochs eigentlich zwei davon. Wenn Bianka Koch nur den engsten Familienkreis aufzählt, kommt sie auf 15 kleine und große Leute. Die 45-Jährige ist Mutter von sechs Kindern und vierfache Oma.

„Langweilig wird es nie“

Der älteste Sohn ist 27 Jahre, die jüngste Enkeltochter sechs Wochen alt. „Langweilig wird es nie. Manchmal hat der Tag aber nicht genug Stunden, um alles zu schaffen“, sagt sie. Die Bergholz-Rehbrückerin, die sich im Hauptberuf als Sozialarbeiterin um andere Familien kümmert, ist auch Jugendwartin der Freiwilligen Feuerwehren der Gemeinde Nuthetal und hat in der Funktion noch einmal 85 Kinder und Jugendliche unter ihren Fittichen. Mit ihnen übt sie den Löschangriff und „Knoten und Stiche zum Retten und Selbstretten“, fährt mit den Feuerwehrkindern ins Zeltlager oder geht mit ihnen bowlen.

Jetzt studiert die vierfache Oma in Potsdam

Weil ihre eigenen Kinder inzwischen aus dem Gröbsten heraus sind, nimmt die 45-Jährige nun noch einmal eine neue Herausforderung an. Die sechsfache Mutter und vierfache Oma studiert Soziale Arbeit an der Fachhochschule Potsdam. Am Mittwoch hat sie dort ihr berufsbegleitendes Masterstudium begonnen. Schwerpunkt: „Familie!“ Auf diesem Feld hat sie schon früh angefangen, Kernkompetenzen zu erwerben. Sie ist 17 Jahre alt, als sie ihr erstes Kind bekommt. Weitere fünf folgen. Es sind alle Wunschkinder. „Ich wollte schon immer eine große Familie haben und ich wollte meine Kinder bekommen, bevor ich 30 bin, damit ich mein Leben mit ihnen gestalten kann“, sagt sie.

Bianka Koch ist auch Jugendwartin der Gemeindefeuerwehr. Quelle: Elvira Schmidt

Jedes Wochenende kommt die Familie im Elternhaus in Bergholz-Rehbrücke zusammen, um zu schwatzen und gemeinsam Mittag zu essen. Die Mutter kocht. Manchmal gibt es auch Wunschessen, wenn sie weiß, das Hauptgericht mögen nicht alle. „Nudeln, gefüllte Paprikaschoten oder Gulasch mit Rotkohl und Klößen essen alle gern“, sagt sie. Weihnachten werden eine Gans und drei Enten gebraucht, damit jeder satt wird. „Wir kriegen alle an einen Tisch. Die Küche wird gerade umgebaut, damit alle reinpassen“, sagt die Mutter.

Glücksraketen zu Silvester

Und was erzählt man sich am Küchentisch so für Anekdoten aus der Familiengeschichte? „Meine Kinder schwärmen vom Urlaub. Die Jugendsünden werden auch erzählt, der Zeitung aber nicht verraten“, sagt sie. Nur so viel: „Wenn es hart auf hart kommt, wird die Mama angerufen, die regelt das schon.“ Die Kinder können Tag und Nacht anrufen „und sie tun das auch“, sagt sie. Dann heißt es nach einer Party am Telefon etwa: „Holst du mich ab?“ Es gab auch schon schlimmere Versionen: „Mir geht es nicht gut, ich glaube ich muss ins Krankenhaus.“

Inzwischen geht es allen wieder gut. Schließlich haben sie Silvester gemeinsam ihre Glücksraketen in den Himmel geschossen. Am letzten Tag im Jahr ist das Elternhaus in Bergholz-Rehbrücke traditionell wieder Hauptsammelpunkt der Familie. „Silvester 2018 habe ich für jeden eine Glücksrakete besorgt“, erzählt Bianka Koch. An die Raketen haben sie dann schriftlich ihre Wünsche angesteckt und auf Reisen in den Himmel geschickt. Und was hat sie sich gewünscht? „Für alle Gesundheit und viel Kraft“, sagt sie.

„Ich brauche den Trubel“

„Ich brauche den Trubel. Für mich wäre es das Schlimmste, wenn ich nach Hause komme und es wäre niemand da“, sagt Bianka Koch. Ein bisschen zum Trubel tragen auch noch zwei Nymphensittiche, zwei Hunde, drei Katzen und Hasen im Stall bei. Ohne die Tiere, aber mit dem T 6, den Bianka Koch im Mai beim verdutzten Autoverkäufer erworben hat, fährt die Familie 2020 in den Urlaub an die Ostsee. Zwei Wochen Ferien für alle ist auch so eine Familientradition. „Für 2020 sind wir schon groß am Planen. Bisher reichte ein Ferienhaus aus, aber es wird langsam eng“, sagt sie.

Von Jens Steglich

Das Oktoberfest in Bergholz-Rehbrücke war den Nachbarn zu laut. Anwohner beschwerten sich jedenfalls über „unerträglich laute Musikdarbietungen“. Die Gemeinde will das Fest mit dem Veranstalter jetzt kritisch auswerten.

24.09.2019

Der Landesstraßenbetrieb übernimmt den Bau und die Finanzierung des geplanten Radwegs zwischen Saarmund und Philippsthal. Baustart soll im Frühjahr 2020 sein.

23.09.2019

Wer hat das Herbstlaub im öffentlichen Straßenraum zu beseitigen? Die Gemeinde Michendorf tut sich schwer, darauf eine rechtskonforme Antwort zu finden.

23.09.2019