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Nuthetal Wo Oldies Geschichten erzählen, die noch keiner kennt
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21:00 08.10.2019
Überraschung: Weil man nie weiß, wie zur Geburtstagsfeier im Oktober das Wetter ist, wurde die Kutschfahrt der Oldies in den August vorverlegt. Quelle: M. Hartert
Nuthetal

Immer wenn die Oldies genug geredet haben, fangen sie an zu singen. Die Frauen und Männer, die zwischen Mitte 60 und Mitte 90 sind, haben ein gemeinsames Singebuch und einen Gitarrenspieler, der die Lieder anstimmt. Und wenn Wunschmusik auf dem Programm steht, wissen alle, welches Lied Mitstreiterin Marita Biela wählen wird: „Wir sind jung, die Welt ist offen!“

Solche Lieder bringen Freude ins Haus – beim Oldie-Treff, bei dem immer am letzten Montag im Monat Vertreter der ältesten Generation im Nuthetaler Mehrgenerationenhaus zusammenkommen. Angefangen hat alles vor zehn Jahren. Insofern gehört der Oldie-Treff mit zu den jüngsten Institutionen im Heimatort. Der zehnte Geburtstag wird am 28. Oktober groß gefeiert. „Es wird eine Torte mit zehn Kerzen geben“, erzählt Kurt Baller, der einmal seine Gitarre dabei hatte und die Oldies so auf die Idee brachte: „Wir könnten doch mal zusammen singen.“ Seitdem tun sie das zu jedem Treffen, weil „Singen das Herz froh macht“.

„Wir gehen fröhlicher und beschwingter nach Hause“

Der Oldie-Treff, bei dem bei Kaffee und Kuchen auch Bundestags- und Kommunalwahlen ausgewertet oder die neuesten Nachrichten aus der Gemeinde und der Familie ausgetauscht werden, hebt die Stimmung. „Wir gehen fröhlicher und beschwingter nach Hause“, sagt Gisela Werner. Und dieser Treff der ältesten Generation ist eine Fundgrube für Kurt Baller geworden, den Rehbrücker Autor, der immer auf der Suche nach Geschichten aus dem Heimatort ist. Lange bevor er mit der Gitarre den Gesang in die Runde brachte, hatte er sein Aufnahmegerät dabei und hörte den Oldies zu, wenn sie von alten Zeiten sprachen. „Ich habe so viele Details aus der Ortsgeschichte erfahren, die nirgendwo anders festgehalten waren“, sagt er. Verarbeitet hat er sie in seinem Buch „Wie war Bergholz-Rehbrücke? Eine Quellensammlung von den Anfängen bis 1945“.

Eine der Geschichten, die noch keiner kannte, erzählte Dorothee Strasse beim Oldie-Treff. „Sie war über 80 Jahre alt und ist immer vom Bahnhof Rehbrücke bis zum Mehrgenerationenhaus gelaufen, um beim Oldie-Treff dabei zu sein“, sagt Baller. Die Bergholz-Rehbrückerin, die später in Potsdam wohnte, wurde am 22. Mai 1923 als Findelkind im Hotel „Bernburger Hof“ in der Nähe des Anhalter-Bahnhofs in Berlin gefunden. Sie soll damals einen Tag alt gewesen sein. Später holten ihre Pflegeeltern sie aus dem Waisenhaus. Als sie 1943, in Zeiten des Rassenwahns, heiraten will, kann sie als Findelkind ihre arische Herkunft nicht nachweisen. „Sie musste sich ausziehen, wurde einer Untersuchung unterzogen und vermessen“, erzählt Baller. „Die Untersuchung hat ergeben: Sie ist arisch. Sie hat erst am Tag der Hochzeit erfahren, dass sie heiraten darf.“

Faszinierende Lebensgeschichten

Dorothee Strasse, die beim Oldie-Treff manchmal Flöte zum Liedgesang der anderen spielte, ist 2016 gestorben. Bei den Oldies gehört der Tod sehr viel unmittelbarer als in anderen Generationen zum Leben dazu. Fünf Mitstreiter sind in den vergangenen zehn Jahren gestorben. „Es tut weh, wenn plötzlich ein Platz frei bleibt“, sagt Kurt Baller, den auch die Lebensgeschichte von Georges-Emile Sfinis (1922-2018) fasziniert hat.

Der Sohn eines königlich-griechischen Generalarztes kannte den Treffpunkt im Nuthetaler Mehrgenerationenhaus noch aus Kindheitstagen. Der Vater kam einst zum Studieren nach Deutschland und wurde in den 1920er Jahren in Bergholz-Rehbrücke bekannt, weil er immer am 25. März – zum Nationalfeiertag der Griechen – vor seinem Haus und in Paradeuniform die griechische Fahne hisste.

Sohn Georges Sfinis kam 1929 als kleiner Junge in die Alte Schule von Bergholz und verließ später – 1947 – den Ort in Richtung Niedersachsen, wo er seine Frau kennenlernte. Mit ihr kehrte er 2012 in den Kindheitsort zurück und mit ihr saß er fortan beim Oldie-Treff im Nuthetaler Mehrgenerationenhaus – genau in dem Raum, in dem früher sein Klassenzimmer war. Der Sohn eines Griechen, der Griechenland nie gesehen hat, starb am 14. Januar 2018. Seine Frau Angela Sfinis ist mit 95 Jahren jetzt die älteste beim Oldie-Treff. Jüngst hat sie das Rollator-Rennen beim Saarmunder Rennsteiglauf gewonnen. Sie hatte eine Minute Vorsprung vor der Zweitplatzierten.

Geburtstagsfeier am 28. Oktober

Der 10. Geburtstag des Oldie-Treffs wird am 28. Oktober im Nuthetaler Mehrgenerationenhaus gefeiert. Es gibt Kaffee, Geburtstagstorte, Lieder und einen Auftritt der „Tanzmäuse“ der Kita „Zwergenvilla“.

Seit Oktober 2009 treffen sich Frauen und Männer der ältesten Generation jeden letzten Montag im Monat. Im Sommer geht es 15 Uhr los, im Winter 14 Uhr, damit alle im Hellen nach Hause kommen.

„Stolz bin ich darauf, dass der Oldie-Treff in den zehn Jahren nicht einmal ausgefallen ist“, sagt Kurt Baller. Er ruft immer am Sonntagvormittag bei den Oldies an, um sie an den Oldie-Treff am darauffolgenden Montag zu erinnern.

„Wir fühlen uns wie in einer Familie“, sagt Gisela Werner. Seit einem Jahr bekommen die Oldies auch Besuch von den Jüngsten. „Die Kinder erzählen uns aus der Schule, singen Lieder aus ihrem Repertoire. Sie haben auch schon Plätzchen für uns gebacken.“

Von Jens Steglich

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