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Potsdam-Mittelmark Papageien-Auffangstation eröffnet in Rädel
Lokales Potsdam-Mittelmark Papageien-Auffangstation eröffnet in Rädel
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16:33 22.08.2018
Die Papageien-Auffangstation in Rädel will Tierleid mildern: Der rechte Papagei stammt aus miserabler Haltung und hatte sich dort fast alle Federn ausgerupft. Nun päppeln ihn und seine Artgenossen die Tierpfleger wieder auf.
Die Papageien-Auffangstation in Rädel will Tierleid mildern: Der rechte Papagei stammt aus miserabler Haltung und hatte sich dort fast alle Federn ausgerupft. Nun päppeln ihn und seine Artgenossen die Tierpfleger wieder auf. Quelle: Jacqueline Steiner
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Rädel

In Rädel eröffnet die landesweit einzige Papageien-Auffangstation am 1. September ihre Türen. Zu dem Fest sendet sogar Ministerpräsident Dietmar Woidke ein Grußwort, was Regierungssprecher Florian Engels bestätigt. Knapp 900 000 Euro haben Siegfried und Kathrin Klaßen in die Einrichtung investiert. Ein Teil davon sind Fördermittel. Schon jetzt leben dort 70 Papageien. Es ist ein Areal, das deutschlandweit wohl seines Gleichen sucht. Entstanden sind auf dem 10.000 Quadratmeter großen Grundstück in vierjähriger Bauzeit großzügige Außenvoliere und ein Schutzgebäude mit 500 Quadratmetern Fläche. Es ist 100 Meter lang und fünf Meter breit. Die Volieren sind so großzügig, dass sie auch einem Zoologischen Garten gut zu Gesicht stünden. Schon der Spezialdraht für die Volieren kostete nach Angaben der Bauherren rund 100.000 Euro.

Siegfried und Kathrin Klaßen haben in Rädel eine Auffangstation für Papageien errichtet. Schon jetzt leben dort 70 Papageien, die fast alle aus qualvoller Haltung stammen.

Die Auffangstation liegt am Rande des Dorfes im Außenbereich in der Straße Am Golitzsee. „Bauen durften wir nur mit Sondergenehmigung und hohen Auflagen“, sagt die studierte Diplom-Ingenieurin für Bauwesen Kathrin Klaßen. Deswegen liegt das eingeschossige Schutzhaus zur Hälfte in der Erde versenkt. Versorgt werden die Papageien vom Ehepaar Klaßen und vier Mitarbeitern, von denen nur einer fest angestellt ist. Für die übrigen drei zahlt das Jobcenter Maia einen Lohnkostenzuschuss. Die Betreiber hoffen, auch diese drei für die nächsten Jahre weiter beschäftigen zu können. Die Klaßens leben bereits auf dem Gelände. Derzeit wird dort ihr künftiges Wohnhaus errichtet.

In den Bau der Auffangstation flossen auch Lotto-Fördermittel des Landes Brandenburg über 55.000 Euro. Den größten Posten aber investierte das Ehepaar selbst, das sich mit Leidenschaft und Fachwissen dem Papageienschutz verschrieben hat. Siegfried und Kathrin Klaßen sind die beiden Geschäftsführer der Kubus gGmbH, einer gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Arbeit, die Langzeitarbeitslose in Berlin und Potsdam-Mittelmark bei der beruflichen Integration begleitet. Zudem gehört eine Baufirma als Tochterunternehmen dazu. Die Kubus gGmbH ist Träger der Anlage.

Seit 2003 setzen sie sich für Tierschutz ein

Seit 15 Jahren engagieren sich Siegfried und Kathrin Klaßen für den Schutz der hoch sensiblen Vögel. „Uns bringen die Untere Naturschutzbehörde, Veterinärämter und Privatleute Tiere“, sagt Kathrin Klaßen. Oft seien die Halter heillos überfordert mit ihren Papageien. „Rentner, die nicht ein noch aus wissen.“ Kathrin Klaßen rät Papageienfreunden, ihre Tiere nie einzeln zu halten, sondern mit Artgenossen. Auch eine Außenvoliere sei notwendig, damit der Vogel fliegen könne.

In den großen Volieren sitzen Papageien, die sich vor Einsamkeit fast alle Federn ausgerissen hatten. Sie behutsam und artgerecht wieder aufzupäppeln, ist das Ziel der Pappagalli-Auffangstation. Relativ wenig Hoffnung haben die Klaßens, Tiere wieder in gute Hände abgeben zu können. „Es ist schwierig. Wir haben hohe Qualitätsansprüche.“ Viele wollten nackte und unansehnliche Tiere gar nicht haben auch wegen der hohen Tierarztkosten, sagt Kathrin Klaßen.

Hochzeitsvoliere für Papageien geplant

Schwierig für die Vögel zu bewältigen sei auch der Tod eines Artgenossen bei Paarhaltung. „Die Tiere haben eine lange Trauerphase und brauchen lange, bis sie einen neuen Partner akzeptieren.“ Die Auffangstation soll eine Hochzeitsvoliere entstehen, dort sucht sich der übrig gebliebene Partner einen neuen aus. Das kann Monate dauern. Auch Männchen können zusammen gehalten werden wie Weibchen. „Jede Form von homosexueller Partnerschaft ist bei Papageien möglich“, so Siegfried Klaßen.

Papageienfest zur Eröffnung

Am Samstag, 1. September, feiern die Tierschützer mit geladenen Gästen die Einweihung der Papageien-Auffangstation. Erwartet werden auch Vertreter der Gemeinde Kloster Lehnin und des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

Um 14 Uhr folgt bis 18 Uhr das öffentliche Papageienfest mit Führungen, Kinderspielen, Kuchen- und Grillständen und Basar. Der Eintritt ist frei.

Schulen, Kitas und anderen Interessierten bietet die Tierauffangstation auch Besichtigungen zu anderen Terminen nach Vorabsprache an.

Mehr dazu unter www.kubus-berlin.de und 03382/7419209.

„Wir haben anfangs mit unserem Papagei die gleichen Fehler gemacht wie alle anderen“, sagt der 61-Jährige. „Irgendwann haben wir erfahren, dass es viele misshandelte, schlecht gehaltene Tiere gibt.“ In Rietz baute das Ehepaar eine erste Außenvoliere. „Dann hat es uns quasi überrannt.“ Von überall haben die Klaßens Anfragen bekommen, ob sie Papageien aufnehmen könnten.

Auf der Suche nach Sponsoren

In Rietz konnten die Klaßens nicht erweitern. Sie suchten und wurden in Rädel fündig. Für den laufenden Betrieb erhält die Anlage Siegfried Klaßen zufolge „keine öffentlichen Zuschüsse. Das ist ein Problem. Wir müssen arbeiten gehen, um das hier zu finanzieren.“ Nun hoffen die Klaßens auf Spender und Sponsoren für das einmalige Tierschutzprojekt. „Das ist die einzige Form der Unterstützung“, so Siegfried Klaßen, der aus dem niedersächsischen Seesen stammt. Seine Frau wurde vor 49 Jahren in Zehdenick geboren.

Wird ein beschlagnahmtes Tier in der Auffangstation untergebracht, zahle das Veterinäramt für die ersten Tage einen Tagessatz. Doch wichtig sei die Erstuntersuchung auf ansteckende Krankheiten. Die kostete etwa 350 Euro, sagt der Tierschützer. Das würden nicht alle Veterinärämter übernehmen.

Künftig wollen die Klaßens Patenschaften für einzelne Papageien anbieten. Der Spender soll sein Paten-Tier dann auch online beobachten können.

Von Marion von Imhoff