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Potsdam-Mittelmark Wie frischer Wind ins Gemeindeleben kam
Lokales Potsdam-Mittelmark Wie frischer Wind ins Gemeindeleben kam
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00:20 27.01.2018
Sebastian Mews (39) ist seit 2015 Pfarrer der Christophorus-Kirchengemeinde Groß Kreutz. Quelle: Mandy Mamedow
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Groß Kreutz

Von einer Beerdigung zum Taufgespräch und dann noch ein Kita-Personalgespräch – im Groß Kreutzer Kirchenjahr gibt es Fixpunkte, doch jeder Tag bringt etwas Neues. Das ist es, was Sebastian Mews fasziniert. Seit 2015 steht er der evangelischen Christophorus-Kirchengemeinde Groß Kreutz vor. Nach drei Jahren in Treuenbrietzen lockte ihn eine freie Stelle nach Groß Kreutz. Dort sind zwar auch mehrere Dörfer zu betreuen, doch es ist eine Kirchengemeinde mit einem Gemeindekirchenrat, mit einer Struktur.

Privat lockte die ländliche Umgebung, in der die drei Kinder aus seiner Ehe mit Frau Julia behütet und natürlich aufwachsen können. Also ging es auf zu etwas Neuem, dem nach Mews Meinung immer auch eine Chance innewohnt. Pfarrer sein, das ist für Mews allerdings nicht nur Beruf, sondern Berufung. Man müsse schon an das glauben, was man transportieren möchte und eine goldene Regel befolgen: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Sein Leben versucht er beruflich und privat im Dreiklang zu leben: „Liebe Gott, liebe dich selbst, liebe deinen Nächsten. Das ist verdammt schwierig, aber man darf auch mal stolpern“, gesteht er ein.

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Ein kleines hessisches Dorf wird zum Findungsort

In die Wiege gelegt wurde dem gebürtigen Rheinländer das Pfarramt nicht. „Ich bin der Erste in meiner Dynastie, der sich in kirchliche Sphären gewagt hat“, meint Mews schmunzelnd und verweist nicht nur auf seine rheinische Frohnatur, sondern auch auf den doch christlichen aber nicht pfarramtlichen Hintergrund seiner Familie. Sein Vater war Berufssoldat, Mews mit der Familie daher von klein auf ständig unterwegs. Berufsbedingte Umzüge gehörten dazu. Sie brachten den heute 39-Jährigen von Krefeld über Wupperthal und München bis nach Burkina Faso, anschließend in ein 1200-Seelen Dorf nahe Kassel, später zum Theologiestudium und Vikariat nach Bielefeld und Berlin und schließlich ins brandenburgische Land.

Ausgerechnet das kleine hessische Dorf, in dem Mews seine Teenager-Jahre verbrachte, sollte zum Findungsort in seinem Leben werden. Dort hatte er 1987 seine ersten bewussten Berührungen mit der Kirche und einem Pfarrer, der ihn faszinierte, ihn ermutigte, in der Gemeinde eigene Wege zu gehen, in der Arbeit mit Kindern oder in der Jugendarbeit und ihn von seinen Zivildienstplänen in der kirchengemeindlichen Kita ab brachte und zum Theologiestudium anstupste.

Sebastian Mews vor der Groß Kreutzer Kirche. Quelle: Mandy Mamedow

„Du machst keinen Zivildienst, du studierst Theologie“, hatte der hessische Pfarrer damals gesagt und Mews damit ins Grübeln gebracht. Eineinhalb Jahre lang. „Wo will ich hin? Will ich mit 50 immer noch in einer Kita auf dem Boden herumkrabbeln, oder auf andere Weise mit Kindern, mit Menschen arbeiten?“ Er ließ sich Zeit. Die hatte er dann beim Studium ebenso wie für das Sammeln von reichlich Lebenserfahrung.

Sich Zeit nehmen, das bestimmt auch heute noch ganz maßgeblich Mews Alltag, ebenso das Miteinander. Beides brachte er mit nach Groß Kreutz, wo er mit neuen Ideen frischen Wind in das Gemeindeleben bringt und wo sich Privates und Arbeit beim Lebensmitteleinkauf an der Kasse oder beim Volleyballspielen mit den Männern der Freiwilligen Feuerwehr schon mal vermischen. „Es ist nie einfach, der Neue zu sein, aber Groß Kreutz ist offen. Das gefällt mir. Eine Gemeinde lebt nicht vom Pfarrer allein, sondern immer auch von der Gemeinde. Die Groß Kreutzer Kirchengemeinde ist fast 500 Jahre alt, die Pfarrer hingegen kommen und gehen. Sie sind Begleiter. Und ebenso sehe ich mich, als Begleiter, für die Menschen und vielen kleinen Projekte, denen wir hier Zeit und einen Raum geben.“

Der 25. Pastor der Gemeinde

Die Evangelische Christophorus Kirchengemeinde Groß Kreutz unterhält fünf Kirchen, drei Pfarrhäuser, drei Friedhöfe und eine Kita. Die frühen Kirchen sind im 12./13. Jahrhundert entstanden (z.B. Groß Kreutz) und mit der Zeit umgebaut, oder ersetzt worden wie in Bochow.

Im Ort Groß Kreutz selbst soll bereits 1525 ein evangelischer Pfarrer (Laurentius Schulte) tätig gewesen sein. Sebastian Mews ist nun der 25. Pfarrer in der Gemeinde Groß Kreutz.

2001 haben sich vier Dörfer auf den gemeinsamen Weg gemacht, eine Kirchengemeinde zu werden: Bochow, Groß Kreutz, Derwitz und Krielow. 2006 kam das Dorf Schmergow hinzu.

Insgesamt zählt die Gemeinde rund 1050 Mitglieder. In Bochow, Derwitz und Krielow gibt es alle drei Wochen einen traditionellen liturgischen Gottesdienst. Im Abstand von zwei Wochen feiert die Gemeinde Gottesdienst in Groß Kreutz und Schmergow. Das Sommer- und Kindergartenfest zählt zu den Höhepunkten im Jahr.

„Ich wollte schon während des Studiums nicht nur Bücher, sondern vor allem Menschen treffen“. Nicht ohne Zufall waren Mews Studentenjobs dann auch dort, wo es Menschen gab, viele Menschen, Menschen im betreuten Wohnen begleiten oder an der Kinokasse zum Beispiel. Mit den Jahren wurde er selbst zum Cineasten und lässt diese private Liebe für Filme inzwischen auch in seine Gemeindearbeit einfließen. Einmal im Jahr, am Buß- und Bettag, inszeniert der Pfarrer einen besonderen Film-Gottesdienst, bei dem nach Gebet und thematischer Hinführung ein Film geschaut und anschließend in geselliger Runde darüber geredet wird. „In Treuenbrietzen machten wir das Ganze im Kino“, so Mews. „Hier haben wir in Schmergow eine Kirche mit Leinwand und frei stellbaren Stühlen.“

Neben dem Kino in der Kirche versucht Mews auch an eine alte Tradition anzuknüpfen: Den inzwischen zum dritten Mal durchgeführten Tischabendmahlsgottesdienst am Gründonnerstag, an dem jeder etwas zu Essen mitbringt und sich die Gemeindemitglieder gemeinsam an einer großen Tafel versammeln und miteinander speisen. „Früher gab es an Gründonnerstag einen eigenen Abendmahlsgottesdienst, bevor er aus Effizienzgründen mit auf den Karfreitag gelegt wurde. Ich versuche das Ganze wieder etwas zu entzerren.“

Generationsübergreifend und mit helfender Hand

Auch die Familiennachmittage „Christophorus trifft ...“ und die jüngst angelaufenen „Gemeindeabende“ sind Ideen, die Mews in die Gemeinde trägt und damit auch nicht kirchliche Groß Kreutzer zur generationenübergreifenden Gemeinschaft einlädt. Wer selbst mit einer Idee oder einem Anliegen zu ihm kommt, dem versucht er stets Raum und Ohr zu geben, wie den Nähmädels oder den Pfadfindern, die sich nun regelmäßig im Gemeinderaum des Pfarrhauses treffen.

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Von Mandy Mamedow