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Potsdam-Mittelmark Plötzlich uralt
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20:27 28.01.2018
Sie müssen schon etwas geahnt haben: Feuerwehrleute in historischer Kluft zum Festumzug 1928, als Bergholz 700 Jahre alt wurde
Sie müssen schon etwas geahnt haben: Feuerwehrleute in historischer Kluft zum Festumzug 1928, als Bergholz 700 Jahre alt wurde Quelle: Privat
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Bergholz-Rehbrücke

Für einen Menschen wäre es eine Schocknachricht, plötzlich zu erfahren: Vergiss dein bisheriges Geburtsdatum, eigentlich bis du viel älter! Bei einer Freiwilligen Feuerwehr sieht die Sache schon anders aus. Brandbekämpfer sind in der Regel stolz darauf, wenn der eigene Löschtrupp viele Jahre auf dem Buckel hat. Insofern hat der Rehbrücker Buchautor und Historiker Kurt Baller für die Kameraden in seinem Heimatort eine gute Nachricht: Die Freiwillige Feuerwehr von Bergholz-Rehbrücke ist 177 Jahre älter als gedacht und steigt nach den Erkenntnissen Ballers über Nacht in der Altersliste Brandenburger Löschtrupps weit nach oben auf, wenn nicht auf den Spitzenplatz.

Bislang gingen alle davon aus, dass alles am 2. Februar 1914 begonnen hat, als die Gemeindevertretung die Bemühungen des damaligen Spritzenmeisters anerkannte und ihm ein Gehalt von 30 Mark bewilligte. Der Akt war nach bisherigen Erkenntnissen der erste Schritt zur Gründung der Feuerwehr Bergholz-Rehbrücke und galt als erste urkundliche Erwähnung des Löschwesens im Ort. Deshalb wurde 2014 der 100. Geburtstag der Feuerwehr auch groß gefeiert und Kurt Baller schrieb zum Jubiläum ein Buch über die hundertjährige Feuerwehrgeschichte. Er hatte darin unter anderem zutage gefördert, dass Bergholz, der ältere Teil des heutigen Bergholz-Rehbrücke, den höchsten Schlauchturm der Region hatte und zu DDR-Zeiten, als Material-Mangel herrschte, vier Kästen Radeberger Pilsner halfen, den richtigen Mann im VEB Sandsteinwerke Niederlehne wohlwollend zu stimmen. Nach der Bierlieferung trafen in Bergholz-Rehbrücke die Steine ein für den Bau eines Gerätehauses.

Sein Geschichtsbuch zum Hundertsten müsste Baller allerdings bei der Altersangabe umschreiben. „Wenn man die urkundliche Ersterwähnung als üblichen historischen Maßstab bei der Altersbestimmung der Freiwilligen Feuerwehr Bergholz-Rehbrücke anwendet, so hätte am 13. November 2017 der 280. Jahrestag der Gründung gefeiert werden können“, sagt er. „Diese – uns bis heute nicht bekannte Erkenntnis – verdanken wir dem Historiker Friedrich Backschat (1876–1937), dem als Amtsrat in der Verwaltung der Schlösser und Gärten zahlreiche alte Dokumente zur gründlichen Auswertung zur Verfügung standen.“ So auch ein Bericht vom 13. November 1737 über das Amtsdorf Bergholz.

Der Bericht gibt Auskunft über die damaligen Probleme des Gemeinwesens und über die Sozialstruktur von Bergholz – und über das Feuerlöschwesen im Ort. Dazu heißt es in dem Bericht: „...Feuerspritze und Eimer da. Leitern und Haken müssen angeschafft werden...“ Wo allerdings die Gerätschaften aufbewahrt wurden, damit sie im Bedarfsfall schnell zur Verfügung standen, sagt der Bericht nicht. „Dennoch bleibt: Bereits am 13. November 1737 gab es im Amtsdorf Bergholz ein intaktes, wenn auch noch mangelhaft ausgerüstetes Feuerlöschwesen“, sagt Baller, der regelmäßig in den Archiven unterwegs und dabei auf den Historiker Friedrich Backschat gestoßen ist. „Als ich bei ihm etwas über Bergholz fand, war ich mächtig erstaunt“, so Baller, der hinzufügte: „Mal gucken, wann die Bergholz-Rehbrücker Feuerwehrleute künftig die Jubiläen ihrer Feuerwehr feiern werden.“

Tragisches Schicksal eines Feuerwehrmannes

Kurt Baller schrieb im Buch über die Freiwillige Feuerwehr auch über das tragische Schicksal des Bergholz-Rehbrücker Feuerwehrmannes Friedrich Treysse.

Im April 1945 rückt die Rote Armee in Bergholz-Rehbrücke ein, die Mühle auf dem Hügel brennt. Treysse sieht das und rennt los. Er ist schließlich Feuerwehrmann, Brände löschen ist seine Aufgabe. Er kommt nicht weit. Momente später liegt er tot auf der Straße. Ein Rotarmist erschoss ihn, weil er ihn für einen feindlichen Soldaten hielt. Treysse trug Uniform – die Feuerwehr-Uniform.

Von Jens Steglich