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Potsdam-Mittelmark Die Post kommt nur noch einmal pro Woche
Lokales Potsdam-Mittelmark Die Post kommt nur noch einmal pro Woche
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19:20 18.12.2017
Probleme mit der Post in Elisabethhöhe: An einem Tag kommt die Post einer ganzen Woche – darunter auch eilige Sendungen. Quelle: Privat
Werder

Größer könnte der Frust kaum sein: Seit Wochen häufen sich die Beschwerden über die Briefzustellung der Deutschen Post im Raum Werder und Schwielowsee. Pünktlich zum Adventsgeschäft spitzt sich die Situation jetzt zu. Zuletzt hat das Problem sogar Eingang in die Gemeinde- und Stadträte gefunden. Glindows Ortsvorsteher Sigmar Wilhelm (Freie Bürger), der Vorsitzende der CDU-Fraktion Hermann Bobka und Joachim Lindicke (SPD) berichteten bei der jüngsten Sitzung in Werder unter anderem über die unregelmäßige Zustellung im Gemeindeteil Elisabethhöhe. Die Frau des Ortsvorstehers, Brigitte Wilhelm, wandte sich schließlich an die MAZ und schrieb auch einen Beschwerde-Brief an die Post, die mittlerweile mit einer Entschuldigung reagiert hat. Die zuständigen Zusteller vor Ort seien informiert und würden sich bemühen, die Briefe pünktlicher in den Kasten zu stecken, wie es in der Antwort heißt. „Das ist ein kleiner Hoffnungsschimmer“, sagte Brigitte Wilhelm daraufhin am Montag.

Besonders kurios an der Post-Misere: Mitarbeiter der Service-Hotline, bei der die Beschwerden einlaufen, verweisen auf ein angebliches Sammellager in der Werderaner Eisenbahnstraße, wo die Post zwischen 8 und 18 Uhr selbst abgeholt werden könnte. Laut einer Unternehmenssprecherin der Post handelt es sich bei diesem Lager aber lediglich um die Zustellstation, an der die Fahrer ihre Autos be- und entladen. „Dort findet keine Ausgabe statt“, betonte sie auf MAZ-Anfrage. Nicht nur Brigitte Wilhelm wurde an das Lager verwiesen, auch eine Anwohnerin der Brünhildestraße und ein Unternehmer aus dem Stadtkern Werders, die in den zurückliegenden Tagen ebenfalls an die MAZ geschrieben hatten. „Die Idee scheint absurd für Gewerbetreibende wie auch für den privaten Haushalt“, so der Werderaner in seiner Nachricht.

Experiment: Briefe kommen nur noch einmal wöchentlich

Alles habe damit begonnen, dass montags keine Post mehr kam, erzählt Brigitte Wilhelm. Seit etwa vier Wochen hatte sie nur noch zweimal pro Woche Briefe im Kasten und seit zwei Wochen nur noch einmal. Abonnierte Zeitschriften wurden mit einer Woche Verspätung ausgeliefert. Nachdem sich die Glindowerin bei der Post beschwert hatte, quoll ihr Briefkasten am nächsten Tag plötzlich über. Als sie ihn öffnete, fand sie Rechnungen, persönliche Briefe, Werbung und Dienstpost sowie Zeitschriften von einer ganzen Woche. „Es können auch wichtige Sendungen dabei sein, die zu einem bestimmten Termin vom Kunden bearbeitet werden müssen“, sagt Brigitte Wilhelm. Die in den vergangenen Jahren gestiegenen Porto-Tarife stünden in keinem Verhältnis zur tatsächlichen Leistung. In den zurückliegenden drei Jahren hat die Post das Briefporto um rund ein Drittel auf 70 Cent erhöht. Hermann Bobka beklagte ebenfalls, dass die Zustellung nicht mehr zu hundert Prozent gewährleistet ist. Briefe würden sogar mit dem Aufkleber „nicht zustellbar“ an den Empfänger zurückgehen.

Tatsächlich führte die Post in den vergangenen drei Monaten ein Experiment durch. „Der Briefverkehr nimmt ab, wohingegen die Zahl der Pakete stetig steigt. Mit dem Testbetrieb will die Deutsche Post die wirklichen Bedürfnisse ermitteln“, erklärte die Unternehmenssprecherin. In ausgewählten Bezirken, in denen sich die Kunden laut Deutscher Post freiwillig bereit erklärten, wurden nur noch einmal pro Woche Briefe ausgetragen. Unbemerkt von der Öffentlichkeit hatte die Post im Sommer das Pilotprojekt gestartet. „In allen anderen Bezirken wurden die Haushalte ganz normal sechsmal pro Woche beliefert“, versicherte die Sprecherin weiter. Der Testbetrieb sollte in diesen Tagen enden.

Verwaltungen klagen ebenfalls

In einigen Werderaner Haushalten sind aufgrund des Experimentes die Briefkästen förmlich übergelaufen. „Wir hatten an einem Tag 14 Briefe im Kasten, in den zwei Wochen davor aber keinen einzigen Brief“, berichtet die Anwohnerin der Brünhildestraße. Die Zustellerin sei zwar jeden Tag in ihrem Bezirk unterwegs gewesen, hätte allerdings nur Päckchen und Pakete dabei gehabt. Sie soll angewiesen worden sein, die Briefe liegen zu lassen. Im Bereich des Kesselgrundes in Werder sollen ganze Straßenzüge davon betroffen sein, was dafür spricht, dass der Testbetrieb in diesem Zustellbezirk gelaufen ist. Offenbar wussten die Bewohner davon aber nichts.

Bei der Versammlung der Schwielowseer Gemeindevertreter kam das Thema in der vergangenen Woche ebenfalls auf. Verwaltung und Privatpersonen klagen über massive Probleme mit unregelmäßiger Zustellung. „Wir sind damit sehr unzufrieden. Die Kommune kann sich in dem Fall nur beschweren, was sie schon getan hat“, sagte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Roland Büchner (Bürgerbündnis). In der Einwohnerfragestunde klagten Bürger auch darüber, dass das monatlich erscheinende Heimatblatt „Havelbote“ diesmal nicht angekommen ist.

Postgesetz ist 20 Jahre alt – Zeit es zu überdenken?

Dass gerade jetzt vereinzelte Sendungen etwas verspätet ankommen, erklärt die Post-Sprecherin mit dem Weihnachtsbetrieb. Das Unternehmen habe im Raum Berlin bereits mehrere hundert Zusteller zusätzlich eingestellt, um die Paket- und Briefmassen abzufangen.

Das Postgesetz, das mittlerweile 20 Jahre alt ist, verpflichtet die Deutsche Post AG zu einer „flächendeckenden Grundversorgung mit Postdienstleistungen zu erschwinglichen Preisen.“ Medienberichten zufolge begründete Postchef Frank Appel das Pilotprojekt der zurückgefahrenen Zustellung damit, dass die Kunden im digitalen Zeitalter eine andere Haltung zur Postsendung haben. Viele Kunden würden Rechnungen beispielsweise schon längst per E-Mail bekommen, so dass der Briefverkehr auf lange Sicht weiter abnehmen wird. Kennt die Post die realen Bedürfnisse der Kunden, könne sie mit der Politik über eine mögliche Umgestaltung des Postgesetzes reden.

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Von Luise Fröhlich

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