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Potsdam-Mittelmark Problemkind Jugend
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18:27 09.05.2013
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MICHENDORF

. Viele Einwohner sind hochqualifiziert und haben eine hohe Kaufkraft, die sozialen Probleme halten sich in Grenzen. Auch die Finanzkraft der Gemeinde ist beachtlich – sie nimmt 520 Euro Steuern pro Einwohner ein, obwohl die kommunalen Steuersätze unterm deutschen Durchschnitt liegen. Zum Vergleich: Beim Nachbarn Schwielowsee sind es 452 Euro Steuereinnahmen pro Einwohner.

Die Liste der guten Daten ist lang, die Frage ist nur, ob das so bleibt. Wie es in Michendorf in 20 Jahren aussieht, hängt mit davon ab, wie die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Wohin die Reise gehen soll, darüber ist die Debatte nun auch ganz offiziell eröffnet worden – von Bürgermeister Reinhard Mirbach (CDU), der zum Start der Diskussion zu einem Leitbild für Michendorf zunächst klären will, auf welche Weise der Zukunftsplan entstehen soll. Die Gemeinde könnte ihn zum Beispiel mit Unterstützung des Berliner „Instituts für Public Management“ entwickeln, das zum Auftakt die aktuelle Situation der Gemeinde analysierte. Laut Institut kann das Leitbild für Michendorf innerhalb eines Jahres unter aktiver Beteiligung der Bürger entstehen. Erfahrungen haben die Berliner Leitbild-Experten bereits: Sie halfen unter anderem Städten wie Treuenbrietzen, Eberswalde, Cottbus und der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover, Zukunftspläne zu entwickeln.

Bei ihrer jetzt vorgelegten Analyse haben sie aber auch Schwachstellen in der prosperierenden Gemeinde Michendorf ausgemacht. So sind besonders junge Leute von Arbeitslosigkeit betroffen. Im Vergleich zur sonst niedrigen Arbeitslosenquote von 5,6 Prozent liegt der Arbeitslosenanteil bei den unter 25-Jährigen bei 9,7 Prozent.

Die Jugend ist sozusagen das Problemkind der Gemeinde. Nur in der Altersgruppe zwischen 18 und etwa 27 Jahren verliert sie an Einwohnern, weil mehr weg- als zuziehen. So zeigen es die Wanderungsbilanzen, die das Institut für die Jahre 2005 bis 2009 vorgelegt hat – eine Zeit, als die Kommune ansonsten in den anderen Altersgruppen einen Wanderungsüberschuss verzeichnete. Das Institut bringt es in seiner Präsentation auf die Kurzformel: „Familien kommen und Jugendliche gehen.“

Derzeit ziehen noch genügend junge Familien mit Kindern her, laut Prognosen wird sich der Zuzug in den nächsten Jahren aber stark abschwächen. Auch der demografische Wandel macht vor Michendorf nicht halt, der Anteil der Älteren wird zunehmen, was niemand aufhalten kann. Nach den Prognosen wird das Durchschnittsalter von 43,6 auf 48,6 Jahren steigen. Für die Gemeinde heißt das auch, dass sie bei einer älter werdenden Bevölkerung in Zukunft weniger Einkommensteuer einnehmen wird. Gerade diese Einnahmequelle sprudelte in den vergangenen Jahren kräftig und trug mit dazu bei, dass Michendorf an Investitionskraft gewann. Potenzial nach oben gibt es laut Institut aber insbesondere bei der Gewerbesteuer. Im Vergleich zu Kommunen wie Ahrensfelde (Landkreis Barnim) nimmt Michendorf bei dieser Steuer deutlich weniger pro Einwohner ein.

Als „infrastrukturelle Herausforderung“ bezeichnet das Institut den weiter wachsenden Anteil der Ein-Personen-Haushalte. 2010 lebte bereits in 36 Prozent der Haushalte nur eine Person. (jst)

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09.05.2013