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Potsdam-Mittelmark Projektschmiede mit vielen Ideen überrannt
Lokales Potsdam-Mittelmark Projektschmiede mit vielen Ideen überrannt
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16:50 27.02.2018
Andrang beim „Markt der Ideen“: Enrico Schulze und Jana Schulze-Danneberg beraten hier mit Patrick Iglück (li.) von der Firma E-Fect Projekte für Kinder und Jugendliche. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Mit sehr großer Resonanz sind am Mittwochnachmittag bis in den Abend hinein Ideen für mehr Bürgerbeteiligung in Treuenbrietzen geschmiedet worden. Mehr als 300 Bürger aller Altersgruppen folgten der Einladung der Stadtverwaltung und ihrer Partner im Rahmen des Projektes Transform-Bar zum „Marktplatz der Ideen“. Zwischen 16 und 21 Uhr herrschte ein reges Kommen und Gehen in dem großen Zelt, das vor dem Komplex des ehemaligen Aldi-Marktes an der Großstraße 61 bis 63 aufgebaut war.

Bekanntlich soll dort in Regie der Kommune nun eine vielseitige Begegnungsstätte entstehen. Familienzentrum, Stadtinformation, Bibliothek gelten als feste Säulen und ein Regionalladen als Option für das derzeit noch unter dem Arbeitstitel „Sozialer Marktplatz“ diskutierte Projekt.

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Doch nicht nur um dessen Ausgestaltung rankten sich die Ideen für Vorhaben, die von Bürgern für Bürger angeschoben werden könnten. Auf Basis von 33 Interviews unter verschiedenen Akteuren aus Verwaltung, Stadtpolitik, Ortsteilen und Bürgerschaft waren zuvor Themenfelder abgesteckt worden. Wie können regionale Produkte besser vermarktet werden? Wo könnten Anlaufpunkte für Jugendliche entstehen? Und wie lassen sich die Ortsteile besser einbinden? Zu diesen und weiteren Schwerpunkten füllten sich die rundherum im Zelt aufgestellten Tafeln schnell und üppig mit Ideen. Sie sprudelten vor allem beim Thema Jugendarbeit. Treffpunkte und mehr Mitspracherechte werden unter anderem gewünscht.

Nicht nur Forderungen aufgemacht

„Nicht nur bei diesem Punkt ist jedoch auch klar zu erkennen gewesen, dass die Teilnehmer hier nicht nur Forderungen aufgemacht haben“, sagt Frank Ulmer von der Forschungseinrichtung Dialogik. „Erkannt wurden auch der nötige Aufwand und die Notwendigkeit, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen“, sagt der Sozialwissenschaftler aus Stuttgart.

Nun geht es darum, aus den vielen neuen wie auch älteren Ideen konkrete Vorhaben zu entwickeln und vor allem darum, Leute zu finden, „die Verantwortung übernehmen, um weitere Bürger hinter sich zu versammeln“, erklärt Franziska Brocksch. Die eigenes über und für das Projekt Transform-Bar zur Bürgerbeteiligung bei der Stadtverwaltung angestellte Koordinatorin will die Ergebnisse des Ideenmarktes nun gemeinsam mit den weiteren Projektpartner auswerten. „Zur Stadtverordnetenversammlung am 19. Juni wollen wir die Zusammenfassung und die nächsten Schritte dann präsentieren“, so Brocksch.

Dabei gehe es nicht darum, einen Handlungsleitfaden für die Abgeordneten und die Verwaltung zu entwickeln. „Ziel sind Projekte, die von den Bürgern selbst umgesetzt werden sollen“, erklärt die Koordinatorin „Die Kommune kann jedoch zum Beispiel dabei helfen, Räume zu finden oder bestimmte Förderprogramme ausfindig zu machen“, so Brocksch.

Angebote für Kinder und Jugendliche besonders gefragt

Enrico Schulze und seine Frau Jana Schulze-Danneberg als Eltern einer kleinen Tochter interessieren sich besonders für Angebote für Kinder. „Der Marktplatz der Ideen hier ist eine tolle Sache – vor allem weil er bis 21 Uhr geboten wird“, sagt der 33-Jährige Familienvater. Er ist als Sozialpädagoge tätig und könnte sich vorstellen, ehrenamtlich in der Jugendarbeit aktiv zu werden. „Der lockere Rahmen hier ideal und besser als die Teilnahme an Sitzungen der Stadtverordneten“, sagt die 32-jährige Mutter, die mit ihrer Familie kürzlich aus Teltow nach Treuenbrietzen gezogen ist.

Viele Ideen müssen nun gebündelt werden. Quelle: Thomas Wachs

Nach Einschätzung von Sozialwissenschaftler Frank Ulmer ist „das Interesse zur Mitarbeit hier in Treuenbrietzen im Vergleich zu anderen Orten enorm groß. Die Leute haben Lust an Mitgestaltung.“

Der langfristige Erfolg des Projektes müsse sich jedoch erst in der Kontinuität beweisen. „Wenn es uns am Ende gelungen ist, dass sich zehn Leute regelmäßig treffen, um ein Vorhaben zu verfolgen, wäre das ein riesiger Erfolg“, erklärt der Experte.

Die Kommune selbst könne dabei allerdings „nur Moderator sein und genau wie wir als Geburtshelfer fungieren“, so Ulmer. „Dabei wird nach unserem Eindruck hier durchaus schon mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht“, schätzt der Wissenschaftler ein.

Von Thomas Wachs

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