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Potsdam-Mittelmark Kommentar zu Quarantäne-Brief: Mehr Empathie für Familien, bitte
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Quarantäne-Drohbrief in Mittelmark: Mehr Empathie für Familien, bitte - Kommentar

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12:08 13.09.2021
Der Brief an die Eltern von quarantänepflichtige Kinder in Potsdam-Mittelmark passt zum Umgang mit Familien in der Pandemie, findet MAZ-Autorin Konstanze Kobel-Höller.
Der Brief an die Eltern von quarantänepflichtige Kinder in Potsdam-Mittelmark passt zum Umgang mit Familien in der Pandemie, findet MAZ-Autorin Konstanze Kobel-Höller. Quelle: Nailia Schwarz/privat
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Potsdam-Mittelmark

Niemand erwartet, dass schlechte Nachrichten in Watte gepackt werden, durch die Blume gesagt werden, dass um den heißen Brei geredet wird. Doch der Brief des Landkreises Potsdam-Mittelmark, der flächendeckend an alle Eltern von quarantänepflichtigen Kindern verschickt wird, ist symptomatisch dafür, wie mit Familien in dieser Pandemie umgegangen wird.

Zunächst monatelanger Heimunterricht, der Eltern vor die Wahl des Aufbrauchens des gesamten Urlaubs (und mehr) oder der Mehrfachbelastung stellte. Dann die ständige Testerei, zusätzlich zu den Nasenpopeleien für die Schule kamen schließlich auch die Abstriche in den offiziellen Teststellen für Sport, Musik und andere Freizeitaktivitäten. Manches Kind kam so locker auf fünf, sechs verbrauchte Testkassetten in der Woche, bevor seit diesem Schuljahr der Schülerausweis als Testnachweis zu genügen begann. Dann Quarantäne, sobald ein Kind in Sehweite positiv war – wieder sind Kind und Eltern(teil) zwei Wochen daheim.

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Nach einem in Corona-Hinsicht einigermaßen vorsichtig entspannten Sommer – juchhu, endlich die Kinder zu Hause betreuen! – öffnen nun auch immer mehr Länder wieder ihre Pforten für Touristen. Für geimpfte Touristen. Wenigstens gibt es einen Lichtstreif am Horizont: Ab Mitte Oktober könnte es auch für Kinder BioNTech geben. Für jene, die das wollen.

Wundert es wirklich jemanden, dass viele Eltern am Limit sind? Ist es da wirklich zu viel verlangt, einen so unerfreulichen Brief vielleicht mit ein paar freundlichen Worten zu beginnen? Und vielleicht nicht unbedingt davon auszugehen, dass jede Mutter, jeder Vater ausschließlich nur darüber nachdenkt, wie er die Anordnungen ignorieren könnte? Empathie mit dem überlasteten Gesundheitsamt wird ständig eingefordert – ein Zustand, dessen Änderung in der Hand der Politik liegt. Seit eineinhalb Jahren. Wo bleibt die Empathie mit den überlasteten Eltern?

Von Konstanze Kobel-Höller