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Potsdam-Mittelmark Querverbindung brachte Reisenden deutlich kürzere Wege
Lokales Potsdam-Mittelmark Querverbindung brachte Reisenden deutlich kürzere Wege
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03:19 22.02.2018
AmNiemegker Bahnhof herrschte einst reger Betrieb. Quelle: Privat
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Bad Belzig

Der westliche Teil der früheren Provinz Brandenburg wurde vor dem Bau der 1904 eröffnete Städtebahn zwischen Treuenbrietzen und Rathenow von vier strahlenförmig von Berlin ausgehenden Hauptbahnen durchschnitten. Dies waren die Berlin-Hamburger, die Berlin-Stendaler, die Berlin-Magdeburger und die Berlin-Wetzlarer Bahn. Letztere führt bis heute zumindest bis Dessau durch den Fläming.

Städte wie Niemegk, Pritzerbe oder Rhinow waren mit diesem System noch von jeglichem Bahnverkehr abgeschnitten. Stundenlange Wege mussten zurückgelegt werden, um einen Bahnhof zu erreichen. Aber auch die Einwohner der an den Hauptbahnen liegenden Städte wie Belzig, Brandenburg, Rathenow oder Neustadt konnten sich im gegenseitigen Verkehr mit der Bahn nur auf langen Umwegen erreichen. Der Weg für den Bahnverkehr von Brandenburg nach Rathenow betrug über Berlin 132 Kilometer, während die beide Städte verbindende Chaussee nur 31 Kilometer lang war. Diese unzureichenden Verkehrsverhältnisse gaben den Ausschlag für den Bau der Brandenburger Städtebahn.

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Vor ihrer Stilllegung im Jahr 2000 rollte auf der Brandenburgischen Städtebahn dieser letzte Zug. Aufgenommen wurde das Bild an der Unterführung in Schwanebeck, die voriges Jahr abgerissen wurde. Quelle: Privat

Bereits 1879 erhielt das dafür gegründete Spezialkomitee für den Bahnbau Rathenow-Brandenburg-Belzig die Genehmigung zur Anfertigung der allgemeinen Vorarbeiten. Zwei Jahre später wurden die Pläne zur Prüfung an die Regierung eingereicht. Es folgten langwierige Verhandlungen. Die Genehmigung zum Bau und Betrieb der Städtebahn wurde erst am 11. Februar 1901 erteilt und eine Bauzeit von drei Jahren bestimmt. Am 2. März 1901 folgte die Gründung der Städtebahn-AG mit einem Aktienkapital von 12,954 Millionen Mark. Gründer waren die Vereinigte Eisenbahn-Bau und Betriebsgesellschaft Berlin, der Preußische Staat, die Provinz Brandenburg, die Kreise Zauch-Belzig, Westhavelland und Ruppin sowie die Stadt Brandenburg an der Havel.

Danach begannen die Abschätzungen für den von Landbesitzern für den Bahnbau abzutretenden Grund und Boden. Kam es zwischen Eigentümern und der eingesetzten Kommission während eines Termins zu einer Einigung, wurde sofort die Hälfte des Dreiviertels des vereinbarten Preises gegen Quittung gezahlt.

Das für damalige Zeiten gigantische Großprojekt blieb aber nicht ohne negative Schlagzeilen. Ende März kam es zu Arbeitsniederlegungen in Treuenbrietzen. Der Grund: Lohnstreitigkeiten. Die Rädelsführer wurden entlassen. „Weitere 25 Arbeiter legten nunmehr auch die Arbeit nieder, und es mussten erst, um wieder Ordnung zu stiften, weitere Hetzer entfernt werden“, heißt es im Zauch-Belziger Kreisblatt.

Fast 13 Millionen Mark Baukosten

  • Vor der Eröffnung der Städtebahn erfolgte von 1902 bis 1904 die landespolizeiliche Abnahme der Strecke und der Betriebsmittel.
  • Feierlich eröffnet wurde die 125,58 Kilometer lange Bahnlinie dann am 25. März 1904.
  • Ein Sonderzug fuhr von Treuenbrietzen nach Rathenow und zurück. Die Baukosten einschließlich der Betriebsmittel beliefen sich auf 12,954 Million Mark. Davon flossen 954 000 Mark in den Grunderwerb.
  • Am Tag der Eröffnung waren an Betriebsmitteln zwölf Tenderlokomotiven von 30 Tonnen Dienstgewicht, ein Revisionswagen II. Klasse, acht Personenwagen I. und II. Klasse, neun Personenwagen III. Klasse, sieben Post- und Gepäckwagen, 30 gedeckte Güterwagen für 12,5 Tonnen Ladegewicht sowie darüber hinaus 80 offene Güterwagen für 12,5 Tonnen Ladegewicht für den Betrieb der Brandenburgischen Städtebahn vorhanden.

Im September 1901 waren die Erdarbeiten an der Strecke TreuenbrietzenBelzig soweit fertig gestellt, dass mit der Verlegung der Schienen begonnen wurde. Die heimische Presse frohlockte: „Zur Beförderung des Personen- und Güterverkehrs auf der ganzen Strecke Treuenbrietzen-Belzig-Brandenburg-Rathenow-Neustadt liefert die Aktien-Gesellschaft für Lokomotivbau Hohenzollern in Düsseldorf zwölf Maschinen.“

Doch nicht immer verliefen die Arbeiten wie geplant. Über den Ärger des Landwirts Hermann Schröder aus Haseloff lesen wir im Dezember 1901 im Kreisblatt: „Auf Konto der Brandenburgischen Städtebahn-Aktiengesellschaft sind widerrechtlich auf meinem am Wege nach Niederwerbig gelegenen Ackerplan mehrere tausend Fuhren Sand geschüttet, Gräben gezogen, Eisenbahnschwellen und Schienen gelegt worden. Auf Grund des vollstreckbaren Urteils des Königlichen Amtsgerichts Treuenbrietzen vom 25. Oktober ist mein Grundstück in den früheren Zustand wieder herzustellen, das heißt es sind die vorgenannten Materialien wieder wegzuschippen. Hierzu werden 50 Gespanne und 100 Arbeiter gesucht.“

Großer Bahnhof zur Eröffnungsfahrt 25. März 1904 in Fredersdorf. Quelle: Geschichtswerkstatt

Die Lütter Bürger waren zu diesem Zeitpunkt hingegen bereits wieder froh. Ursprünglich sollte die Städtebahn ihr Dorf ohne Halt durchfahren und nur an den Haltepunkten Fredersdorf/Schwanebeck und Dippmannsdorf/Ragösen stoppen. Doch die Gemeinde griff in den Sparstrumpf, erklärte sich zur Übernahme der Kosten für den Haltepunkt bereit und der Wunsch wurde Wirklichkeit.

Mit der Inbetriebnahme der Bahnlinie änderte sich auch der Postbetrieb der an der Strecke gelegenen Orte. Die bislang zwischen Belzig und Brandenburg sowie zwischen Belzig und Niemegk verkehrenden Privatpersonenfuhrwerke fielen weg. Das Stahlross wurde alsbald zu einem Segen für die Umgebung, der Handel erblühte. Die Menschen konfrontierte die Bahn damals aber auch mit ungeahnten Geschwindigkeiten. Unfälle blieben nicht aus (siehe unten). Das erste Todesopfer wurde bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Strecke in der Havelstadt Brandenburg beklagt. Ein Mann hatte sich vor einem herannahenden Zug auf die Schienen geworfen.

Im Jahr 2000 wurde der Verkehr auf der Brandenburger Städtebahn eingestellt. Mittlerweile sind vielerorts Schienen sowie Brücken und Bahndämme abgebaut. Die Bahnhofsgebäude verfallen oder haben Liebhaber gefunden, die darin wohnen.

Von Bärbel Kraemer

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