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Potsdam-Mittelmark Radelnd in die Partnerstadt
Lokales Potsdam-Mittelmark Radelnd in die Partnerstadt
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10:16 03.06.2014
Noch 75 Kilometer bis Zagan. Organisator Bodo Kotzomb (3. v. r.) studiert mit deutschen und polnischen Mitradlern die Straßenkarte.
Noch 75 Kilometer bis Zagan. Organisator Bodo Kotzomb (3. v. r.) studiert mit deutschen und polnischen Mitradlern die Straßenkarte. Quelle: Laude
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Zagan/Teltow

Mit einer Urkunde für die Teilnahme an der „1. Internationalen Friedensfahrt Teltow– Zagan“ wurde am Sonntag in Zagan sieben Männern bestätigt, dass sie die Strecke von Teltow in die polnische Partnerstadt geschafft haben, und zwar per Fahrrad. Die Nummerierung macht deutlich: Der Initiator und Organisator der Tour, der Verein „Teltow ohne Grenzen“, kann sich für die Zukunft weitere solcher Fahrten vorstellen.

Insgesamt wurden von Himmelfahrt bis Samstag 235 Kilometer zurückgelegt, also rund 80 an jedem Tag. Pannen oder nennenswerte Stürze gab es nicht – auch das gehört zur erfreulichen Bilanz des langen, aber auch kräftezehrenden Wochenendes.

Dem Verein „Teltow ohne Grenzen“ gehören momentan 32 Mitglieder an. Er kümmert sich auch um die Partnerschaften mit der westfälischen Stadt Ahlen und Gonfreville in Frankreich.

Nach Zwischenstationen in Neu Lübbenau im Spreewald und Guben wurden die Radler, deren Gepäck und Verpflegung per Wohnmobil transportiert wurden, kurz hinter der Grenze von polnischen Radfahrern – und vor allem Radfahrerinnen – herzlich in Empfang genommen. Gemeinsam ging's dann nach Zagan.

Langjährige Freundschaft mit Zagan

Die Städtepartnerschaft mit Teltow besteht seit 2006. Der Vertrag war im Zaganer Schloss unterzeichnet worden. Wobei dessen Säle damals nicht ihre heutige Pracht hatten. Die umfangreiche Sanierung stand noch aus. Beim Besuch am Samstagnachmittag roch es hier und da noch nach frischer Farbe. Zagan, berichtete Marian Ryszard Swiatek, der Vorsitzende des Vereins „Zagan ohne Grenzen“, sei im Zweiten Weltkrieg zu mehr als 60 Prozent zerstört worden. Noch sind einige Schneisen sichtbar, die der Krieg hinterlassen hat. Aber es gibt außer dem Schloss, das sowohl Merkmale französischer als auch italienischer Herrscherhäuser aufweist, weitere Sehenswürdigkeiten, vor allem den Komplex des Augustinerklosters. Dort lädt eine wertvolle Bibliothek zur Besichtigung ein. In einem der beiden Räume können diagonal geführte Flüstergespräche geführt werden – eine „Hörenswürdigkeit“, wie es in einem Reiseführer heißt. Gern erwähnt wird in Zagan auch, dass auf der Kirche der erste Blitzableiter Europas montiert wurde, und zwar im Jahr 1771. Nach anderen Angaben wurde die Erfindung des Amerikaners Benjamin Franklin allerdings anderswo schon früher praxiswirksam.

Die Angaben zur jüngeren Geschichte der Stadt stimmen dagegen überein. 1939 hatten die Nazis in Zagan, das damals noch Sagan hieß, ein riesiges Kriegsgefangenenlager der Luftwaffe errichtet. Es wurde vor allem dadurch bekannt, dass sich dort gefangene Offiziere mehrerer alliierter Armeen 1943 unter härtesten Bedingen daran machten, Fluchttunnel zu bauen. Der längste erstreckte sich über 110 Meter. Tatsächlich gelang dort in der Nacht vom 24. zum 25. März 1944 76 Offizieren die Flucht. Sie wurden aber fast alle wieder gefangen. 50 von ihnen wurden auf Anordnung Hitlers erschossen. Nur drei schafften den Weg zurück in ihre Heimat. In einem Museum auf dem Gelände wird die Flucht ausführlich dokumentiert. 1963 war sie unter dem Titel „Gesprengte Ketten“ in den USA verfilmt worden. Grundlage für das Drehbuch war das Buch „The Great Escape“ von Paul Brickhill.

DIE TELTOWER PARTNERTSTÄDTE

  • Zagan: Mit der Kreisstadt in der Woiwodschaft Lebus wurde die Städtepartnerschaft im Mai 2006 vertraglich vereinbart, nachdem Zagan auf Partnersuche gegangen war. Die Stadt hat 28 000 Einwohner. Größter Arbeitgeber ist die Armee.
  • Gonfreville l'Orcher: Die 10 000 Einwohner zählende Stadt liegt in Frankreich, in der Normandie. Der Partnerschaftsvertrag wurde 1999 geschlossen. Regelmäßige Kontakte zu Teltow gab es aber bereits seit 1964. Die DDR bemühte sich damals auch über den Weg lokaler Partnerschaften um die internationale Anerkennung. So gab es auch offizielle Kontakte Potsdams zu der ebenfalls im Norden Frankreichs gelegenen Stadt Rouen.
  • Ahlen: Die Partnerschaft mit der einstigen Bergarbeiterstadt Ahlen (Nordrhein-Westfalen) entstand 1991. Begonnen hatte sie damit, dass Ahlen Teltow nach der deutschen Wiedervereinigung beim Neuaufbau der Verwaltung zur Seite stand. Der Verein „Teltow ohne Grenzen“ hat Ahlen, wo 53 000 Menschen wohnen, später bei der Gründung des Ahlener Partnerschaftsvereins unterstützt.

Zagan wurde aber auch durch eine polnische Filmproduktion bekannt. Die Wälder in der Nähe der Stadt gehörten zu den Drehorten der in den 1960er Jahren entstandenen Fernsehserie „Vier Panzersoldaten und ein Hund“. In der Stadtverwaltung gibt es Souvenier-T-Shirts mit dem Bild eines alten Panzers. Das sieht recht martialisch aus; dass auch Ironie dabei ist, versteht nur, wem sowohl die polnische Sprache als auch die Geschichte von den Soldaten und ihrem Hund vertraut ist.

Für Teltower ist natürlich von Interesse: In Sagan, wurde am 19. Juli 1853 Ernst Leberecht Georg Colmar von Stubenrauch geboren, der spätere Landrat des Kreises Teltow und „Vater“ des Teltowkanals. Von Stubenrauch hinterließ allerdings keine Spuren in Sagan. Seine Familie zog schon 1860 nach Berlin.

Zum Samstagabend hatte der polnische Partnerverein zum Grillen eingeladen. Vielleicht eine der schönsten Erkenntnisse dort: Die polnischen Gastgeber verfügen über ein unglaubliches Repertoire an Liedern ihrer Heimat und sie können die auch toll vortragen. Die Teltower versuchten nicht, sich gesanglich zu revanchieren.

Der Vorsitzende des Vereins „Teltow ohne Grenzen“, Alain Gamper, regte am Lagerfeuer nicht nur an, eine solche Tour zu wiederholen. Er würde sich auch freuen, so der gebürtige Franzose, wenn Zaganer per Rad nach Teltow aufbrechen würden. Was die fahrerische Seite anbelangt: Die Radler des Empfangskomitees, die die Teltower ab Gubin 75 Kilometer begleitet hatten, ließen keine Erschöpfungserscheinungen erkennen. Es waren Frauen dabei, die bergauf genauso schnell waren wie die Männer, sogar ohne Gangschaltung.

Von Stephan Laude

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