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Potsdam-Mittelmark Radler werden auf schmale Wege gezwungen
Lokales Potsdam-Mittelmark Radler werden auf schmale Wege gezwungen
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18:16 16.08.2017
Volkmar Topp hat die Stadt im Dezember 2016 auf die Gefahrenstelle hingewiesen, nach einem halben Jahr scheint sich nun etwas zu bewegen. Quelle: Stich
Teltow

Schnell ist ein Verkehrsschild angeschraubt. Wenn es sich aber als überflüssig erweist oder Verkehrsteilnehmer gar auf eine falsche und gefährliche Fährte führt, dann beginnt ein langer Kampf, um seine Entfernung zu erreichen. Diese Erfahrung musste jetzt der Teltower Bürger Volkmar Topp machen. Aber auch die Stadtverwaltung bis hin zu Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) stöhnen über die vergeudeten Monate und beklagen „Prinzipienreiterei“.

Um was geht es: Die Lichterfelder Allee ist eine Landesstraße und als direkte Verbindung von und nach Berlin viel befahren. Auf beiden Seiten gibt es Rad- und Fußwege. Zwischen Hauff- und Hannemannstraße müssen sich die Radler zwischen starken Bäumen und parkenden Autos auf einem Weg mit einer Breite von 50 Zentimetern durchlavieren – „eine in höchstem Maße gefährliche“ Situation, sagt Volmar Topp, der ganz in der Nähe wohnt und die verunsicherten Radler oft beobachtet. „Es wäre an dieser Stelle viel besser, wenn die Radfahrer auf die Fahrbahn ausweichen könnten“, sagt Topp.

Doch nun kommt das Schild ins Spiel: Es prangt am Radweg, ist blau und zeigt auf der einen Seite ein Rad und auf der anderen Seite einen Fußgänger. Es zeigt damit unmissverständlich an: Hier herrscht „Radwegebenutzungspflicht“. Bei Strafe ist es den Radlern also verboten, auf die Fahrbahn zu wechseln. Das trieb Volkmar Topp die Zornesröte ins Gesicht, zumal der Radweg noch nicht einmal die für eine „Radwegwebenutzungspflicht“ vorgeschriebene Mindestbreite von 1,50 Meter vorweisen kann.

Im Dezember 2016 schlug Topp bei der Stadtverwaltung Alarm und forderte die Entfernung des blauen Schildes. Eine Antwort erhielt er im Februar 2017 – nach drei Monaten. Teltow erklärte sich für nicht zuständig, weil es sich um eine Landesstraße handle. Die Stadt dürfe das Schild nicht anrühren. Topp antwortete zügig und verwies darauf, dass Teltow über eine eigene Verkehrsbehörde verfüge, die sehr wohl die „Radwegebenutzungspflicht“ aufheben könne. Dort landete Topps Anliegen dann auch im März 2017 „zur Bearbeitung“.

Am 20. April 2017 meldete sich die städtische Verkehrsbehörde dann mit einem scheinbaren Erfolg zu Wort: Das Schild könne abmontiert werden, darauf habe man sich mit dem Landesbetrieb Straßenwesen geeinigt. Aber: „Da der Radfahrer nicht einfach in der Fahrbahn geführt werden kann, soll ein Radfahrstreifen angelegt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten. Die dazu notwendigen Gespräche werden derzeit geführt.“ Um der Sache Nachdruck zu verleihen, schrieb auch Bürgermeister Schmidt in diesem Sinne an die Behörde.

Doch das Schild blieb hängen. Im Mai 2017 teilte die Stadtverwaltung dem drängenden Bürger Volkmar Topp lediglich mit, dass „die Gespräche mit dem Landesbetrieb noch nicht abgeschlossen“ seien. Bürgermeister Schmidt machte sich Ende Mai 2017 selbst ein Bild von der Gefahrenstelle und sagt heute: „Ich bin komplett auf der Seite von Herrn Topp. Die Radfahrer zu verpflichten, an dieser Stelle den Radweg zu benutzen, ist nicht vertretbar.“ Gleichzeitig beklagt Schmidt den „Staatsakt“, den es bedeute, das Schild wegzubekommen.

Keine Radwegebenutzungspflicht

Radwege können gefährlich sein. Statistisch gesehen ist sogar das Unfallrisiko auf einem Radstreifen höher als auf der Fahrbahn. Auf baulich getrennten Radwegen kommt es immer wieder zu Konflikten mit Fußgängern.

Hinzu kommt, dass abbiegende Kraftfahrzeuge häufig die Fahrradfahrer übersehen. Dieser Umstand führte dazu, dass festgelegt wurde, dass das Fahren auf der Straße beziehungsweise auf der Fahrbahn der Regelfall ist. Eine generelle Radwegebenutzungspflicht gibt es also nicht.

Radfahrer müssen aber den Radweg benutzen, wenn ein Schild dies gebietet. Das Verkehrsschild ist rund und blau. In Weiß ist ein Fahrrad darauf dargestellt.

Ist ein solches Verkehrszeichen angebracht, gilt gemäß Straßenverkehrsordnung die Benutzungspflicht für Radwege. Die Fahrbahn darf dann nicht mit dem Fahrrad befahren werden.

Inzwischen hat Volkmar Topp den Glauben an die Verwaltung verloren. Fassungslos steht er neben dem Radweg, zeigt auf das blaue Schild und sagt: „Wenn deshalb hier ein Unfall passiert, dann möchte ich nicht in der Haut der Verantwortlichen stecken.“

Der Chef der Teltower Ordnungs- und Verkehrsbehörde, Liem Schmidt, kann die Sorgen Topps nachvollziehen und versucht dennoch den langwierigen Vorgang zu erklären: „Um hier die Radwegebenutzungspflicht aufzuheben, müssen wir zahlreiche Ämter beteiligen, zudem den Landesbetrieb und die Polizei – und das dauert seine Zeit.“ Nun sei es aber soweit und noch in dieser Woche werde die schriftliche Anordnung zur Entfernung des Schildes ergehen. „In ein bis zwei Wochen wird es abgenommen.“

Keine Frage, dass Volkmar Topp genau darauf achten wird, ob diese letzte Frist nun endlich eingehalten wird – mehr als ein halbes Jahr nach seinem Brief an die Stadtverwaltung. Wie sich die Radfahrer auf der Lichterfelder Allee in Zukunft aber sicher bewegen können, ist noch nicht entschieden. Geplant ist, einen Radweg auf der Fahrbahn zu markieren, laut Liem Schmidt soll es dazu mit dem Landesbetrieb demnächst einen Vor-Ort-Termin geben. Auch dem Teltower Verkehrschef geht es dabei um Sicherheit: „Wir müssen das gut planen, damit auch Kinder und ältere Radfahrer gefahrlos auf der Lichterfelder Alle unterwegs sein können.“

Von Jürgen Stich

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