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Potsdam-Mittelmark Das bedeutet die Baumblüten-Absage für die regionale Wirtschaft
Lokales Potsdam-Mittelmark Das bedeutet die Baumblüten-Absage für die regionale Wirtschaft
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20:10 10.09.2019
Zumindest die großen Flaschen mit sehr günstigem Wein soll es im kommenden Jahr nicht geben. Quelle: Varvara Smirnova
Werder (Havel)

DasBaumblütenfest in Werder (Havel) im kommenden Jahr ist abgesagt, die Stadt konnte keinen neuen Veranstalter finden. Die Suche soll, so Stadtsprecher Henry Klix, vor allem gescheitert sein an „Fragen, wie mit dem Thema Sicherheit und einem sich verändernden Publikum künftig umgegangen wird“.

„Das Risiko ist sehr groß“

„Mich wundert nicht, dass kein neuer Ausrichter gefunden wurde“, sagt ein Insider der MAZ. „Die Kosten sind enorm, privater Sicherheitsdienst, Bühnen, Beschallung und das obligatorische Feuerwerk oder eine Lasershow, das kostet alles viel Geld“, so der erfahrene Veranstalter von Großereignissen, „aber gleichzeitig will niemand Eintritt zahlen, beim Veranstalter bleibt wenig hängen und das Risiko ist sehr groß.“ Er sei sicher, dass die Baumblüte nicht das letzte Volksfest sei, das sich neu ausrichten müsse – oder eben nicht mehr stattfinden.

Die Stadt Werder will weg vom Saufgelage. Quelle: Varvara Smirnova

Auch Walter Kassin, der Vorsitzende des Obst- und Gartenbauvereins Werder weiß um die Kostensteigerungen, die mit den hohen Besucherzahlen einhergingen. „1996 haben wir um die 6000 DM für Sanitäter gezahlt, heute sind es wohl über 40000 Euro“, sagt er. Es sei nur logisch, dass ein Veranstalter diese Summen durch eine möglichst hohe Vermietungsdichte und viele Stände subventionieren müsse. „Und dann hat man schnell eine Biermeile statt eines Blütenfests“, sagt er. Walter Kassin wünscht sich eine Rückkehr des Baumblütenfests zu dessen Wurzeln.

Obstbauern wollen zurück zur Tradition

„Zurück zur alten Tradition, die Hausgärten und die Plantagen zu öffnen, das fände ich schön“, sagt er. Für die Obstmucker hätte dies gleich mehrere Vorteile: Sie könnten sich tatsächlich an der Blütezeit der Bäume statt am Festkalender orientieren, die notwendige Infrastruktur wäre kleiner, mehr Geld bliebe bei den Erzeugern.

„Dass etwa der Panoramaweg zwischen Derwitz und Glindow bei den Gästen so beliebt ist, zeigt uns, dass dieses Vorgehen richtig ist“, sagt Walter Kassin vom Obst- und Gartenbauverein. Noch in diesem Monat wollen sich Bauern und Weinproduzenten zusammensetzen und ein gemeinsames Konzept erstellen, um den bereits angesetzten Wein im kommenden Frühjahr auch ohne offizielles Fest unter die Gäste zu bringen.

Genau darauf hofft die Potsdamer Schiffahrtsgesellschaft Weiße Flotte. Um die 15.000 Besucher hat das Unternehmen alljährlich über den Wasserweg nach Werder gebracht. „Natürlich wird uns das wehtun“, sagt der Chef der Weißen Flotte, Jan Lehmann. „Aber ich gehe davon aus, dass in Werder nächsten April nicht gar nichts stattfinden wird.“

Existenzbedrohende Katastrophe für den Autoscooter-Mann

Für Lothar Welte hingegen ist der Ausfall eine Katastrophe. Der Rostocker ist der Eigentümer des Austoscooter-Fahrgeschäfts, das schon seit den 1990er-Jahren während des Fests an der Insel steht. „Werder ist eine feste Größte, das ist eine Sicherheit bei der Bank, wenn ich einen Kredit bauche“, sagt er. Gerade erst hat Lothar Welte 24 neue Scooter angeschafft, „die ganz neuen, mit Drift“. Wie er diese Fahrzeuge nun bezahlen soll – Lothar Welte weiß es nicht.

Denn einfach ein anderes Volksfest im Frühling finden, ist nicht möglich. „Es gibt im Raum Hannover beispielsweise 48 Autoscooter, der Markt ist voll“, sagt der Schausteller. Er sieht die Entwicklung der Baumblüte in den letzten Jahren als positiv an, die Entscheidung der Stadt, das Fest um 22 Uhr zu schließen habe zu weniger Ärger und mehr Familienfreundlichkeit geführt. „Es ist schade um das Fest und schade um die Region, die Blüte war für Brandenburg so wichtig wie das Oktoberfest für Bayern“, sagt Lothar Welte.

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>>> Das Blütenfest fällt 2020 aus

Von Saskia Kirf

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