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Potsdam-Mittelmark Rückkehrerin mit ausgefallener Geschäftsidee
Lokales Potsdam-Mittelmark Rückkehrerin mit ausgefallener Geschäftsidee
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00:18 10.01.2018
Fabienne Wendt (29) stellt Sehschwächen fest und berät anschließend zum passenden Brillenmodell. Quelle: Victoria Barnack
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Niemegk

Fabienne Wendt ist eine klassische Rückkehrerin. Um sich den Meistertitel im Optikerhandwerk zu verdienen, musste sie ihre Heimatstadt Niemegk verlassen. In Knechtsteden in Nordrhein-Westfalen erhielt sie die Auszeichnung im November 2012, anschließend blieb sie der Liebe wegen in den alten Bundesländern. Zwei Dinge waren für die 29-Jährige dennoch immer klar. Erstens: Fabienne Wendt wollte irgendwann zurück in die Heimat. „Ich habe in Köln gearbeitet, aber da war es so anonym“, erzählt sie, „sobald ich auf dem Weg nach Niemegk war, schlug mein Herz anders.“ Seit einem Jahr ist sie zurück mit Mann und Kind – und hat sich ihren zweiten Wunsch erfüllt: „Ich wollte mich schon immer selbstständig machen“, sagt Fabienne Wendt.

„Niemegker Nasenfahrrad“ hat die 29-Jährige ihren Laden getauft, der zunächst in der Großstraße 47 untergekommen ist. Für ihre Existenzgründung bekam Fabienne Wendt Fördermittel vom Bund und über die Lokale Aktionsgruppe Fläming-Havel sogar EU-Gelder. „Mein Alleinstellungsmerkmal ist der mobile Augenoptikerservice“, sagt sie. Denn fester Bestandteil ihrer Geschäftsidee ist es, beispielsweise ältere Menschen, die nicht mehr mobil sind, in den Seniorenheimen in und um Niemegk herum zu beraten. „Denkbar ist es auch in Industriegebiete zu fahren, um Schutzbrillen anzufertigen“, sagt die Optikermeisterin, „oder Beschäftigte mit wenig Zeit direkt am Arbeitsplatz zu beraten.“ Über eine Kilometerpauschale gleicht sie ihre Fahrtkosten aus.

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EU-Förderung finanziert Sehtest des 21. Jahrhunderts

Um mobil sein zu können, hat sich Fabienne Wendt mithilfe der Fördergelder modern ausgestattet. Den klassischen Sehtest mit Zahlen und Buchstaben, die an eine weiße Wand projiziert und abgelesen werden müssen, gibt es bei ihr nicht. Dafür gibt es „Vissard“. Das Tablet mit integriertem Programm zur Sehschwächenbestimmung ist der Sehtest des 21. Jahrhunderts. „Mit diesem Gerät ist es mir möglich, einen genormten Sehtest in jedem beliebigen Raum durchzuführen“, sagt Fabienne Wendt.

Ihre Leidenschaft für das Sehhilfen-Handwerk hat die Niemegkerin bereits früh entdeckt. „Während der Schulzeit habe ich ein Praktikum beim Optiker gemacht“, erinnert sie sich. Direkt nach dem Abschluss begann sie ihre Ausbildung bei einem Treuenbrietzener Fachgeschäft, die ihr bis heute als „tolle Erfahrung“ im Gedächtnis bleibt. „Ich durfte schon früh Sachen probieren, die andere Auszubildende erst im dritten Lehrjahr machen durften“, erzählt sie. Ihr ehemaliger Chef sah Potenzial in ihr und sollte damit Recht behalten.

Ab Frühjahr im eigenen Wohn- und Geschäftshaus

An Begeisterung für ihr Handwerk fehlt es Fabienne Wendt jedenfalls nicht. „An der Augenoptik fasziniert mich die Vielseitigkeit“, sagt sie. Dass sie ihr Handwerk beherrscht, beweist ihr Meistertitel. In der eigenen Werkstatt direkt im Geschäft schleift sie alle Gläser selbst. „Oft geht es so schneller, als würde ich die Gläser zum Schleifen wegschicken“, erklärt sie, „außerdem garantiere ich so, dass die Gläser perfekt zum Rahmen passen.“

Dass sie auch modisch den Geschmack der Menschen aus der Heimat trifft, beweisen die ersten zufriedenen Kunden nur wenige Wochen nach der Eröffnung des Fachgeschäfts im Dezember. „Die Brillen selbst einzukaufen, ist eine weitere neue Herausforderung für mich“, erzählt die 29-Jährige, „aber zum Glück scheine ich den Geschmack der Leute getroffen zu haben.“ Im Frühjahr soll auch der Bau des ihres neuen Wohn- und Geschäftshauses in der Großstraße 11 beendet sein. Dort wird die Jungunternehmerin noch mehr Platz für die bisher 300 verschiedenen Brillenmodelle haben.

Von Victoria Barnack