Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Potsdam-Mittelmark Schaurig schöne Kürbisfratzen in den Straßen
Lokales Potsdam-Mittelmark Schaurig schöne Kürbisfratzen in den Straßen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:27 29.10.2017
Hannah Tietz hat es zum zweiten Mal in Folge auf den Thron der Kürbiskönigin geschafft.
Hannah Tietz hat es zum zweiten Mal in Folge auf den Thron der Kürbiskönigin geschafft. Quelle: Christiane Sommer
Anzeige
Bad Belzig

Als Hörgeräteexperte Thomas Block am späten Freitagabend sein Geschäft in der Bad Belziger Innenstadt verlässt, erkennt ihn niemand mehr. Als Kürbis verkleidet läuft er in Richtung Marktplatz. Dort wird Block bereits von zwei Hexen erwartet, die ihn in ihre Mitte nehmen. Hinter Schminke und Staffage verbergen sich Blocks Ehefrau Iris, in der Stadt als Expertin für gutes Sehen bekannt, und Blumenfachfrau Anke Horn. Zu dritt geistern sie durch die Straßen und treffen immer wieder auf Vampire, Zombies und andere Hexen.

Immer mehr kleine und große Kurstädter nehmen die traditionell am letzten Freitag im Oktober vom örtlichen Gewerbeverein organisierte Kürbisnacht zum Anlass, um mit Grusel-Make-up und Kostüm zur Bummel- und Shoppingtour aufzubrechen. Zudem sind das Ehepaar Block und Anke Horn nicht die einzigen Geschäftsleute, die sich in dieser Nacht scheinbar mit den dunklen Mächten verbündet haben.

Immer mehr kleine und große Kurstädter nehmen die traditionell am letzten Freitag im Oktober vom örtlichen Gewerbeverein organisierte Kürbisnacht zum Anlass, um mit Grusel-Make-up und Kostüm zur Bummel- und Shoppingtour aufzubrechen.

Da muten die Marktschreier, die sich erstmals zum Kürbisfest eingestellt haben, fast ein wenig gewöhnlich an. Dennoch wollen sie Käse, Wurst, Nudeln, Kekse und Blumen in XXL-Mengen unter das Volk bringen. „Spätverkäufe machen wir ja öfters, aber von einer Kürbisnacht hatten wir noch nicht gehört. Deshalb sind wir hier“, erklärt Käse-Alex.

Jens Reichow aus Bad Belzig freut sich auf die Marktschreier, die 2005 letztmals in der Stadt stoppten. Bei Wurst-Jan erledigt er seinen ersten Einkauf. Der, ganz Verkaufsprofi, packt Leberwurst, Schinken, Salami und andere herzhafte Genüsse in eine große Tüte und reicht sie dem 33-Jährigen. „Mir gefällt, wie die Händler die Waren bewerben“, sagt Reichow und bummelt weiter. Derweil tönt Wurst-Jan von seinem Wagen in die Menge: „Braucht ihr auch noch Schweinereien? Seit doch nicht so zögerlich.“

Idee der Gewerbetreibenden wird in höchsten Tönen gelobt

Großzügig hält er eine Hand voll dünner „Wattwürmer“-Salamisticks in die Menge. Detlef Schulz und Heike Tietz greifen zu und befinden sie für lecker. Zu einem Einkauf kann Wurst-Jan sie dennoch nicht überreden. „Nicht gleich, später“, erklären die beiden. Beim Bummel durch die herbstlich dekorierten Straßen und Geschäfte wollen sie keine übervollen Einkaufstüten schleppen.

Dass Kürbisnacht und Markttreiben zusammen stattfinden, werten die beiden jedoch als gute Idee. Manuela Röbisch und Detlef Schwarz wiederum steuern gezielt den Verkaufswagen von Blumen-Jan an. Um zwei Grünpflanzen im XXL-Format anzuschaffen. Der Einkauf ist Minutensache. Mit holländischem Akzent folgt auf ihre Bitte, ob die Pflanzen noch einige Zeit auf dem Wagen stehen bleiben können, ein „Na klar!“. Nach dem für sie wichtigsten Einkauf gönnt sich das Paar einen entspannten Bummel durch die Stadt – die Kürbisnacht-Idee der Gewerbetreibenden in höchsten Tönen lobend.

Große Geschäft unter Marktschreiern bleibt aus

„Die Radatten raus, ich brauch die Kohle“, schallt es wenig später von einem weiteren Verkaufswagen in die Menge. Das große Geschäft bleibt unter den Marktschreiern aber dennoch aus, zumindest am späten Freitagabend. „Tagsüber waren weniger Menschen unterwegs, dafür hatten wir einen guten Verkauf“, schätzte Käse-Alex ein. Zu später Stunde ist es genau umgekehrt. Weshalb die Marktschreier bald auch ihre Stimmen schonen und weniger laut und derb als erwartet ihre Waren anbieten.

Die Gewerbetreibenden ihrerseits locken zur Freude der Kundschaft mit besonderen Angeboten und Aktionen. So auch Claudia Menzel im Teeladen. Als Verkaufsschlager zur Kürbisnacht wird dort ein mystischer Hexentee aus Hanfblättern, Spitzwegerich und Rosenblüten. Viele Kunden die in den Laden kommen, beglückwünschen aber auch die Geschäftsfrau. „Wir haben vor genau fünf Jahren zur Kürbisnacht eröffnet“, erklärt sie.

Die Sieger im Kürbisschnitz-Wettbewerb

Auf den Trhon von Kürbiskönigin und Kürbiskönig 2017 haben es Hannah Tietz und Hannes Rößner geschafft.

Auf den weiteren Plätzen sind Anna Michelle Fröhlich, Lina Rößner, Laila Ann Nitz sowie Jim Rößner, Jannik Kaase und Lucas Darata gelandet.

Die erstmals ausgelobten Familienkreativpreise gingen an die Familien Flass und Menzel.

Mit Sonderpreisen beim Schnitzen wurden außerdem die drei Gruppen der Kita „Lindenzwerge“ in Bad Belzig und die Altersgruppe 5/6 aus dem Kinderhaus Lütte bedacht.

Über je einen Fleißpreis konnten sich Eve Maren Wattke, Larissa Kusza, Tabea Kerstin, Leonard Hehne, Ronja Paul, Hannah Koch, Niclas André Dickhoff und Tabea Kaase freuen.

Die Bad Belziger Kürbisnacht hat in diesem Jahr bereits zum neunten Mal stattgefunden.

Zu einem Höhepunkt des Abends mausert sich später der Kürbisschnitz-Wettbewerb. 26 Exponate sind auf der Rathaustreppe ausgestellt. Als Hartmut Ludwig vom Gewerbeverein und Bürgermeister Roland Leisegang (parteilos) den diesjährigen Kürbiskönig und die Kürbiskönigin küren, drängen sich klein und groß um schaurig schöne Kürbisfratzen.

Von Christiane Sommer