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Potsdam-Mittelmark Scherben prägen ihre Kunst: Aiga Müller
Lokales Potsdam-Mittelmark Scherben prägen ihre Kunst: Aiga Müller
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13:52 11.09.2017
Ein Portrait, kunstvoll gefertigt aus Porzellanscherben, die Aiga Müller auf Berliner Trümmerbergen  gesucht und gesammelt hatte.
Ein Portrait, kunstvoll gefertigt aus Porzellanscherben, die Aiga Müller auf Berliner Trümmerbergen gesucht und gesammelt hatte. Quelle: Marion von Imhoff
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Lehnin

Nie Gesehenes aus dem Nachlass der Berliner Malerin Aiga Müller zeigt derzeit die Galerie am Klostersee in Lehnin. Aiga Müller, 1944 in Niedersachsen geboren, war eine überaus vielseitige Künstlerin, die sich vor allem ihrer Familie widmete, aber dennoch acht Stunden am Tag kreativ war. So sammelte die Absolventin der Staatlichen Akademie für Bildende Künste in Karlsruhe in den 70er Jahren auf den Berliner Trümmerbergen vom Zweiten Weltkrieg Scherben zusammen, die sie zu Bildern und Portrais formte. Kaum zu glauben ist dabei, dass die so portraitierten Menschen tatsächlich ihren Vorbildern ähnlich sehen.

Moritz Stadler, der Sohn der Künstlerin Aiga Müller, und Eckhart Haisch (r.) vom Lehniner Institut für Kunst in der Galerie am Klostersee vor dem „Großen Scherbengericht“. Rechts unten das Portrait Martin Luthers. Quelle: Marion von Imhoff

Auf den Besucher der Ausstellung wartet auch das größte je in der Galeriegeschichte gezeigte Bild. Es ist das „Große Scherbengericht“ und misst 3,23 mal 2,67 Meter.

Galerist und Künstler Eckhart Haisch lernte Aiga Müller während seines Studiums der Künste in Karlsruhe kennen. Er zeigt auch die ersten Werke Aiga Müllers, zarte, hingetupfte Bilder, entstanden teils in der Londoner Zeit Aiga Müllers, die dort ihre Studien fortgesetzt hatte.

Frühstücksei mit Händen: Auch dieses Werk schuf Aiga Müller aus Porzellanservicen, das in Berliner Bombennächten zerbrochen war. Quelle: Marion von Imhoff

Aiga Müller starb 2011 in Berlin an Krebs. Sie wäre heute 74 Jahre alt. Noch an ihrem Totenbett entstand der in der Ausstellung gezeigte Werk-Katalog. Ihr Sohn Moritz Stadler hat einen Teil der Bilder, die noch in Familienbesitz sind, dem Lehniner Institut für Kunst anvertraut, das die Galerie betreibt und nun diese Ausstellung präsentiert. Es ist die erste seit dem Tod der Künstlerin. Auffällig ist die Entwicklung der Malerei, anfangs fast naive, pastellige Suchbilder, zart und dünn aufgetragene Tempera-Farben. Später kraftvolle, farbstarke, fast düstere Bilder wie eben das Scherbengericht, und überraschend detailliert gemalt. Luther und Melanchthon: der Kirchenreformer und zentrale Figur der Reformation und der lutherische Theologe und Philosoph. Abgebildet in gegenüber liegenden Ecken, umgeben von zerbrochenen Obstschalen auf Kissen barocken Musters, so kommt das Scherbengericht daher. Darüber Katharina von Bora, die Frau Luthers. So ist dieses opulente Bild hochaktuell im Lutherjahr.

Aiga Müller – „Nie gesehen“, noch bis zum 21. Oktober dienstags bis sonntags jeweils von 11 Uhr bis 18 Uhr in der Galerie am Klostersee, Am Klostersee 12b, 14797 Kloster Lehnin. www.galerie-am-klostersee.de.

Von Marion von Imhoff

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