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Potsdam-Mittelmark Schlichten statt Richten
Lokales Potsdam-Mittelmark Schlichten statt Richten
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17:00 25.03.2013
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BAD BELZIG

Schlichten statt Richten lautet ihr Arbeitsmotto.

Wolfgang Mundil ist ein erfahrener Schiedsmann. „Ich erinnere mich noch genau, dass ich Anfang 1992 im Rathaus vom ersten Beigeordneten gefragt wurde, ob ich als Schiedsmann in der Stadt Belzig kandidieren würde“, erzählt er. Niemand konnte ihm damals sagen, welche Aufgaben mit dem Amt verbunden sind. Nur die Annahme, „es ist bestimmt eine sehr interessante Aufgabe“, gab man ihm bei der Entscheidungsfindung mit auf den Weg. Niemand wusste um das Tätigkeitsfeld von Schiedsleuten. Es gab keinen Leitfaden zur Orientierung. „Hier klaffte eine Lücke“, erzählte Mundil am Sonnabend am Rande des Festaktes zum 20-jährigen Bestehen der Bezirksvereinigung Potsdam des Bundes Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen e.V. (BDS) in Bad Belzig

Alle, die sich damals wie Mundil dennoch der Aufgabe zuwandten, betraten Neuland. „Die Schiedskommission zu DDR-Zeiten ist mit der heutigen Schiedsstelle überhaupt nicht zu vergleichen. Damals wurde durch die Schiedskommission am Ende einer Beratung ein Urteil gefällt“, erklärt der Bad Belziger den Unterschied.

Heute besteht die Aufgabe der Schiedsstellen darin, beide Parteien zusammenzuführen, um im Rechtsstreit einen gütlichen Vergleich zu erzielen – Schlichten statt Richten eben.

Die Verantwortung, die der Kurstädter damals übernahm, ist gewachsen. Mittlerweile ist Mundil Vorsitzender der Bezirksvereinigung Potsdam des BDS. In dieser Funktion begrüßte er am Sonnabend auch den Justizminister des Landes Brandenburg, Volkmar Schöneburg (Die Linke), die Vorsitzende des BDS, Monika Ganteföhr, und den Staatssekretär a. D., Rechtsanwalt Hasso Lieber. Mit ihnen waren knapp 50 Gäste der Einladung zum Festakt in die Waldkapelle der Reha-Klinik gefolgt. Dort wurde zurückgeschaut und ein Blick in die Zukunft gewagt.

Volkmar Schöneburg nahm in seinem Grußwort Bezug auf die Anfänge und die Entwicklung des Schiedswesens, das 1879 in Preußen noch als Sühnebehörde eingeführt wurde. An die Schiedsmänner und -frauen im Publikum gerichtet sagte er: „Ihr Engagement schafft in unserer Gesellschaft Rechtsfrieden; jeder geschlichtete Streitfall bringt für die Betroffenen Ruhe und Kraft für einen Neubeginn und letztlich Rechtssicherheit“, so der Minister.

Gutes Augenmaß und unparteiisches Verhandlungsgeschick für das friedliche Miteinander bescheinigte Monika Ganteföhr den anwesenden Schiedsleuten. „Dieser ehrenamtliche Einsatz ist heute dringender denn je, jedoch durchaus nicht mehr selbstverständlich“, sagte sie. „Heute haben wir andere Herausforderungen zu meistern als vor 20 Jahren“, fügte die Bundesvorsitzende hinzu. Heute gehe es „nicht um einen Aufbau, sondern um Bestanderhaltung und -ausbau“. Konkret gehe es um die Erhöhung der Fallzahlen, die bundesweit sinken. Grund dafür sei nach ihrer Ansicht auch Unkenntnis. Schiedsleute würden von der Bevölkerung gelegentlich noch als „das unbekannte Wesen“ angesehen. Dabei seien sie als „Vermittler“ mit taktischem Geschick und Einfühlungsvermögen auf der Suche nach Einigkeit auch Glücksbringer. „Bei geschlichteten Streitereien kann man den Weg zum Gericht und viel Geld sparen“, so Monika Ganteföhr. (Von Bärbel Kraemer)

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