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Potsdam-Mittelmark Chinesen grillen den Schweinepreis: Verbraucher müssen sich von Billigfleisch verabschieden
Lokales Potsdam-Mittelmark Chinesen grillen den Schweinepreis: Verbraucher müssen sich von Billigfleisch verabschieden
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11:49 08.05.2019
Landwirt Hans-Christian Daniels im Glück. Für seine in Wollin gezüchteten Ferkel bekommt der Tierhalter derzeit deutlich mehr Geld. Quelle: Julian Stähle
Mittelmark

Schweine bringen den Tierhaltern in Potsdam-Mittelmark gerade Glück. Nach einer langen Durststrecke kennen die Fleischpreise seit Wochen nur eine Richtung – nach oben. „Solch eine positive Entwicklung hatten wir seit Jahren nicht“, sagte André Gräfe von der Agrargenossenschaft „Flämingfarm“ Grubo bei Wiesenburg. Mit seiner Schweinemast kann der Landwirtschaftsbetrieb derzeit deutlich mehr Geld verdienen. Waren vor einigen Monaten nur Preise von mickrigen 1,30 Euro bis 1,40 Euro je Kilo Schlachtgewicht zu erzielen, sind die Erlöse inzwischen auf über 1,70 Euro gestiegen.

Getrübte Freude

Vor der Wende gab es fast in jedem Dorf Schweineställe. Das ist lange vorbei. Im ganzen Landkreis werden nur noch mehrere zehntausend Schweine gehalten. Bestände mit mehr als 500 Tieren gibt es rund ein Dutzend. Große Produzenten existieren unter anderem in Rietz, Wollin und Schwanebeck.

Die Freude über mehr Erlöse wird getrübt durch höhere Kosten für Futter, Personal und Energie. Außerdem sorgen sich die Schweinehalter um die Afrikanische Schweinepest (ASP), die bereits weit nach Europa vorgedrungen ist.

Ein Nachweis der ASP bei einem Wildschwein oder einem Hausschwein würde den gesamten Export zunichte machen. Das kreisliche Veterinäramt kontrolliert sogar die Autobahnparkplätze. Die Seuche kann über von Fernfahrern weggeworfene Lebensmittel eingeschleppt werden.

Dass sich der Wind auf dem Schweinemarkt dreht, bekommt auch Ulrich Benedix von der Agro Saarmund zu spüren. Zwar hält sein Betrieb gar keine Schweine, doch kauft Benedix Tiere dazu –und zwar für die hofeigene Metzgerei, um die Direktvermarktung neben dem eigenen Rindfleisch mit regionalen Produkten zu stärken. Lieferant ist ausschließlich der Landwirt Andreas Vogel, der für seine Saalower Kräuterschweine bekannt ist. Für ein besseres Tierwohl zahlt Benedix dem Schweinehalter ohnehin rund 15 Cent über dem Marktpreis. Jetzt kommt noch der allgemeine Preisanstieg um etwa 30 Prozent dazu.

Landwirt Ulrich Benedix von der Agro Saarmund gehört zu den Zukäufern von Schweinen, um daraus regionale Wurst- und Fleischspezialitäten für betriebseigene Hofläden in Potsdam, Saarmund , Michendorf und Seddin zu machen. Auch er spürt den Preisanstieg. Quelle: Frank Bürstenbinder

Noch gibt die Agro Saarmund die gestiegenen Kosten für Mettwurst, Bierschinken und Nackensteaks nicht eins zu eins an die Kunden in den Hofläden weiter. „Doch in absehbarer Zeit werden wir mit den Preisen anziehen müssen. Anders ist die Regionalität nicht zu halten“, so Benedix, der dem Vorstand des Landesbauernverbandes angehört.

Die gestiegene Nachfrage nach Schweinefleisch erreicht schon die Ferkelproduzenten, die derzeit bei 60 bis 70 Euro je Jungtier (25 Kilo) bekommen. Florian Schulze von der Produktivgenossenschaft Kranepuhl ist froh über die Entspannung auf dem Schweinemarkt, weiß aber auch, wo die aktuelle Gefahr lauert – die heißt Afrikanische Schweinepest.

China kauft auf

Sollte die vor Deutschlands Grenzen angekommene Tierseuche auch in unserem Land nachgewiesen werden, ist es mit den Glücksschweinen für den Export vorbei. „So lange die Krankheit im Ausland wütet, brauchen wir uns um den Absatzmarkt keine Sorgen machen“, stellt Florian Schulze nüchtern fest. Und der liegt seit Wochen nicht im Inland, nicht in Europa – sondern in China. Weil dort die Afrikanische Schweinepest ausgebrochen ist, werden Millionen Schweine notgeschlachtet.

Um eine Milliarde Menschen satt zu machen, kauft das Land Schweinefleisch soviel es kriegen kann. Besonders gern aber in Deutschland. Das treibt die Preise. Denn wer noch Schweine in China hält, erzielt momentan Kilopreise von über 3,50 Euro. Also doppelt so viel wie derzeit ein deutscher Mäster bekommt. „Für die chinesischen Importeure ist es billiger bei uns zu hamstern, als im eigenen Land zu kaufen“, stellt Ulrich Benedix von der Agro Saarmund fest.

Preisliste an einer Fleischerei in Brandenburg vom Mittwoch. Quelle: Frank Bürstenbinder

Auch heimische Verbraucher bekommen den Weltmarkt früher oder später zu spüren. In einem der umsatzstärksten Fleischerfachgeschäfte in der Stadt Brandenburg, der K & F Fleischerei am ehemaligen Schlachthof, stellt man sich auf steigende Preise für Wurst und Grillfleisch ein. „Neben den steigenden Preisen für die Rohware packen die Zulieferer noch was oben drauf. Wurst, die wir nicht selbst herstellen, ist im Einkauf jetzt schon ein bis zwei Euro je Kilo teurer geworden. Wir müssen wohl oder übel nachziehen“, sagte ein Metzgermeister der MAZ. Selbst wenn die Afrikanische Schweinepest ausbrechen sollte, dürfte das Fleisch nie wieder so billig werden, wie in der Vergangenheit, mutmaßt man in der Branche.

Preise immer noch günstig

Für den Schweinezüchter Hans-Christian Daniels und seinen Sohn Ole, die seit 1991 in Wollin einen Hof für die Ferkelproduktion betreiben, ist der von der Nachfrage getriebene Mehrverdienst ein Segen. „Lange Zeit lagen die Erlöse an der Schmerzgrenze. Die Ferkel konnten nicht billig genug sein. Dabei wollen auch wir in mehr Tierwohl investieren, müssen steigende Mindestlöhne und höhere Stromkosten zahlen. Es wurde Zeit, dass die Preise nach oben gehen. Für den Verbraucher halte ich Fleisch in Deutschland immer noch für günstig. Es regt sich auch keiner auf, wenn das neue Handy 150 Euro mehr kostet“, sagte Junior-Chef Ole der MAZ.

Von Frank Bürstenbinder

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