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Schwielowsee B 1 in Geltow ab Montag dicht
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee B 1 in Geltow ab Montag dicht
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00:25 26.06.2019
Für den Ausbau der B 1 in Geltow hat der Landesbetrieb Straßenwesen dieser Tage schon die ersten Absperrungen aufstellen lassen. Ab Montag ist die Straße dicht. Quelle: Heinz Helwig
Geltow

Nichts geht mehr ab Montag auf der Hauffstraße in Geltow. Die B 1 wird bis zum 10. Juli im Abschnitt hinter dem Kuckucksweg am Ortseingang von Geltow bis zur Caputher Chaussee, dem Abzweig zum Fähranleger, komplett gesperrt und in drei Arbeitsphasen grundhaft ausgebaut. Das Echo darauf ist geteilt: Anlieger freuen sich über eine neue, leisere Straße, vor allem die Händler aber fürchten erhebliche Verluste in der Bauphase.

Denn mit dem Auto kommt niemand mehr durch Geltow. Der Verkehr aus Richtung Potsdam wird über die Forststraße, den Werderschen Damm, An den Entenfängerteichen und die Straße am Wasser zur B 1 umgeleitet. In Richtung Potsdam fahren die Autos während der Bauzeit über Ferch, Caputh, Michendorf und die B 2. Lkws müssen sogar über die A 10 fahren.

Ein Bauschild in der Caputher Chaussee in Geltow weist auf die Vollsperrung der B 1 und die Umleitung über Wildpark-West nach Potsdam hin. Quelle: Heinz Helwig

Die Regiobus-Gesellschaft kürzt ihren durchgehenden Linienverkehr mit Anschlüssen zu den Regionalzügen am Bahnhof Werder beziehungsweise am Bahnhof Caputh-Geltow und kann die Haltestellen im Baustellenbereich nicht bedienen (Details: www.regiobus.pm „Fahrpläne“).

Nur für Fußgänger und Radfahrer wird auf der einen Seite der Straße eine kleine Gasse offen bleiben. Die Unterteilung der Gesamtmaßnahme in mehrere Bauabschnitte soll es den Anliegern ermöglichen, fast durchgängig über die rückwärtigen Straßen ihre Häuser zu erreichen, teilt der Landesbetrieb Straßenwesen mit. Doch nicht jeder der betroffenen Geltower wohnt an einer solchen Straße.

Eventuell Straßenbautourismus

„Vielleicht sind einige der Anwohner sogar froh, für ein paar Wochen Ruhe vor dem permanenten Verkehrslärm am Tag und in der Nacht zu haben“, schließt der neue Geltower Ortsvorsteher Matthias Fannrich (BBS) nicht aus. Er ist ein wenig stolz, dass der Landesbetrieb Straßenwesen die B 1 in Geltow ausgewählt hat, um bundesweit erstmals einen neuen Straßenbelag zu testen, den die Baufirma Strabag mit Universitäten und Ingenieurbüros entwickelt hat. Dieses Material soll nicht nur die Lärm- und Abrollgeräusche dämpfen, sondern auch durch bestimmte Eigenschaften den Stickstoffanteil reduzieren. Augenzwinkernd sieht Fannrich schon einen Straßenbautourismus auf Geltow zukommen. Inwieweit das die Geschäftswelt im Ort freut, darüber mag er nicht zu spekulieren.

Drastische Umsatzverluste

Die Geschäftsleute blicken allerdings eher ein wenig sorgenvoll auf die nächsten Wochen. Es ist nicht neu, dass Straßenbauarbeiten zu Umsatzeinbußen bei Händlern und Dienstleistern führen. Fleischermeister Mathias Bothe rechnet mit einem zeitweiligen Rückgang von zwei Dritteln des üblichen Umsatzes, auch wenn er seinen Kunden beschrieben hat, wie sie auch in der Bauzeit das Geschäft erreichen können. „Ich hoffe nur, dass nach dem Ausbau mit dem leiseren Belag nachts wieder Tempo 50 statt 30 zugelassen wird. Dann fahren die Autos wenigstens schneller vorbei“, wünscht sich Bothe.

Keine Entschädigung für Ausfall möglich

Die erste Vollsperrung nach der Wende erfolgte Mitte der 1990-er Jahre, als die Hauffstraße (B 1) in Geltow sowie das darunter liegende Kanalsystem grundhaft ausgebaut wurden. Die halbjährige Bauzeit war damals den Geschäftsleuten ganz schön an die Substanz gegangen, sagt Autohändler Tajo Sakowski.

Für den finanziellen Verlust beim Ausbau der B 1 können die anliegenden Geschäfte und Firmen nach eigenen Angaben keine Entschädigung beantragen.

Erst im vorigen Jahr war der Bereich von der Caputher Chaussee bis zur Baumgartenbrücke für einen Ausbau gesperrt worden.

Die benachbarte Inhaberin eines Blumenladens fürchtet um die Hälfte ihres sonstigen Verdienstes. Einige bereits erfolgte Bestellungen für familiäre Anlässe werden ihr wenigstens in der ersten Woche etwas über die Runden helfen, sagt Beate Reichert. Sie ärgert, dass sie erst aus der Zeitung von den Bauarbeiten erfahren hat und nicht von einem Handzettel, der vorab hätte verteilt werden können. Wie sie bei einer Warenlieferung ihre Kartons von der Caputher Chaussee ins mehrere hundert Meter entfernte Geschäft bringen soll, weiß sie noch nicht.

Floristin Beate Reichert hat erst aus der Zeitung von der Vollsperrung erfahren. Sie fürchtet um die Hälfte ihres bisherigen Umsatzes. Quelle: Heinz Helwig

Die beiden Autohändler Klaus Biering (Skoda) und Tajo Sakowski (Mazda, Citroen) bangen um ihre Laufkundschaft, die in der Bauphase ausbleiben wird. Bei seinem Gebrauchtwagenhandel hat Biering schon gedanklich für die Zeit der Bauarbeiten annähernd 100 000 Euro abgeschrieben. Sakowski hat seinen Werkstattkunden in dieser Zeit einen Weg zu seinem Firmengelände beschrieben.

„Durch die Umleitung werden jetzt andere kleine Orte spüren, wie es sich mit einer Bundesstraße lebt. Die Geltower werden die Umfahrungen kaum nutzen. Sie kennen genügend Schleichwege“, sagt der frühere Ortsvorsteher Heinz Ofcsarik ein wenig hintersinnig.

Von Heinz Helwig

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