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Schwielowsee Wo es für Radfahrer in Caputh eng wird
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Wo es für Radfahrer in Caputh eng wird
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01:16 18.04.2019
Auf Höhe des Rewe-Marktes in Caputh würden sich die Initiatoren der Analyse einen Überweg oder einen Zebrastreifen wünschen.
Auf Höhe des Rewe-Marktes in Caputh würden sich die Initiatoren der Analyse einen Überweg oder einen Zebrastreifen wünschen. Quelle: Luise Fröhlich
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Caputh

Radfahrer leben auf den Straßen Capuths zum Teil gefährlich. An 20 Stellen wird es laut einer privat initiierten Analyse gerade für Kinder und ortsunkundige Touristen eng oder unübersichtlich. Die Caputher Christian Wessel und Kristin Augustin-Heinrich haben die Aktion ins Leben gerufen und sich Unterstützung vom ADFC-Landesverband und der Ortsgruppe geholt. Vier Streckenabschnitte wurden genau unter die Lupe genommen, darunter der Bereich zwischen Ortseingang Caputh und Bürgerhaus sowie von dort zum Bahnhof Schwielowsee. Das Fazit: „Wir brauchen ein durchgängiges Radverkehrskonzept, das nicht-motorisierte Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt neben Autos oder Lkw positioniert“, sagt Christian Wessel.

Auf der Potsdamer Straße bleibt für Radfahrer wegen der engen Bebauung größtenteils wenig Platz. Quelle: Privat

An vielen Stellen wie Kreuzungen oder engen Kurven, zum Beispiel an der Lindenstraße 55, wo sich entgegenkommende Kinder auf dem Rad zudem erst sehr spät sehen, könnte nach Ansicht der Initiatoren Tempo 30 für Autofahrer helfen. So auch auf der Potsdamer Straße, die in den Ort oder hinaus führt. Sie sei durch die enge Bebauung und keinen Platz für einen Radfahrschutzstreifen eine besonders große Gefahr für Radfahrer, heißt es in der Analyse. In den vergangenen drei Jahren habe es dort zwei Unfälle gegeben. Laut Stefan Overkamp vom ADFC seien der bauliche Zustand der Straßen aber auch die Verkehrsanordnungen darauf ausgerichtet, dass der Autoverkehr in Caputh gut durchkommt.

Riskante Manöver

Als weiterer Unfallschwerpunkt wird die Straße der Einheit zwischen der Hausnummer 11 und der Kreuzung Michendorfer Chaussee betrachtet. Dort teilen sich Radler in beiden Richtungen den Gehweg mit Fußgängern. Am Übergang der Friedrich-Ebert-Straße zur Straße der Einheit in Richtung Fähre würden Kinder wiederum nicht wissen, wie sie sicher die Straße überqueren können. Riskante Manöver seien die Folge. Die Initiatoren schlagen vor, gegenüberliegende Bordsteine sichtbar markiert abzusenken.

Undurchsichtige Führung der Radwege verunsichert gerade Kinder und ortsunkundige Touristen. Quelle: privat

Einen Beinahe-Unfall beobachteten sie am Abzweig zum Rewe-Markt. Ein Autofahrer hätte beim Abbiegen auf den Parkplatz fast ein Kind auf dem Rad übersehen, das auf dem Fußweg unterwegs war. Wünschen würden sich die Caputher hier eine Verkehrsinsel oder einen Zebrastreifen. Anfang April haben Christian Wessel und Kristin Augustin-Heinrich ihre Analyse und Vorschläge zur Verbesserung den Verwaltungen des Kreises und der Gemeinde vorgestellt.

Verkehrsströme sind zu schwach

Im Fercher Rathaus stapeln sich die Ablehnungen für Tempo 30 oder Fußgängerüberwege, wie Sandra Glau, Sachgebietsleiterin für Ordnung und Sicherheit, auf MAZ-Nachfrage mitteilte. Die Straßenverkehrsbehörde des Kreises ist zum Beispiel für die Friedrich-Ebert-Straße, die Michendorfer Chaussee oder die Straße der Einheit zuständig, nur sie darf dort Schilder aufstellen. Zuvor werden Verkehrszählungen durchgeführt. „Die Auswertungen zu den einzelnen Straßen haben immer ergeben, dass das Verkehrsaufkommen zu gering ist, um die jeweilige Beschilderung anzuordnen“, erklärt Sandra Glau. Das gilt etwa für Tempo 30 auf der Lindenstraße oder der Schwielowseestraße.

Am Rewe-Markt und an der Michendorfer Chaussee hat der Kreis Fußgängerüberwege abgelehnt. Einen weiteren haben sich inzwischen auch Anwohner am Bahnhof in Caputh gewünscht und selbst beantragt. Befürwortet hatte die Straßenverkehrsbehörde indes zwei Tempomessgeräte vor den Schulen in Caputh und Geltow sowie ein sogenanntes Drängelgitter am Sportplatz in Geltow. Ob ein Radverkehrskonzept notwendig ist, müsse die neue Gemeindevertretung entscheiden, sagt Sandra Glau. Seit 2012 gebe es für das ganze Gemeindegebiet bereits ein allgemeines Verkehrskonzept. Für ein spezialisiertes müsste dann entsprechend Geld in den Haushalt eingeplant werden, so die Sachgebietsleiterin.

Neuer Versuch für Tempo 30 vor dem Rewe-Markt

Die Verwaltungen wollen nach dem Termin mit den Initiatoren der Analyse jetzt zunächst prüfen, welche Maßnahmen umgesetzt werden könnten. „Dazu bedarf es noch weiterer Informationen“, berichtet Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. „Wir hatten den Eindruck, dass sich an einigen Stellen etwas bewegen könnte. Durchgängig Tempo 30 zwischen Rewe und Bürgerhaus sollte klappen, da wir die besondere Gefahrenlage eindeutig dokumentiert haben, so unsere Minimaleinschätzung“, sagt Christian Wessel. Eine Geschwindigkeitsreduzierung in diesem Bereich hatte der Kreis in der Vergangenheit aus verkehrsrechtlichen Gründen abgelehnt.

Kampf um Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße

Das Verkehrskonzept für die Gemeinde Schwielowsee wurde vom Ingenieurbüro PST erstellt und im Februar 2013 in Endfassung beschlossen.

Dazu wurden unter anderem Unfallstatistiken ausgewertet und Tempokontrollen für die Beurteilung der Verkehrssituation herangezogen. Auch Hinweise aus den einzelnen Orten sind in das Konzept eingeflossen.

Einen Schwerpunkt bildet das Kerngebiet in Caputh im Bereich der Straße der Einheit und der Weinbergstraße, vor allem im Umfeld des Fähranlegers am Caputher Gemünde. Vor allem im Sommer und an den Wochenenden sind die Straßen in diesem Gebiet oft verstopft.

Schon lange wird um den Ausbau der Friedrich-Ebert-Straße gekämpft, die eine Kreisstraße ist. Diese Maßnahme könnte auch einige Probleme, die in der aktuellen Analyse aufgetaucht sind, lösen.

Die Planung für den Ausbau ist inzwischen zumindest im Investitionsplan des Landkreises Potsdam-Mittelmark für 2021 aufgenommen.

Bemüht hat sich die Gemeinde zuletzt um 30er-Zonen in den Ortsdurchfahrtsstraßen, wie der Schwielowseesttraße oder der Michendorfer Chaussee.

Von Luise Fröhlich