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Schwielowsee Feinmechanik-Familienbetrieb wird 50 Jahre alt
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Feinmechanik-Familienbetrieb wird 50 Jahre alt
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01:15 21.09.2018
Vor 50 Jahre haben Rosemarie Begeschke und ihr Mann die Mechanische Werkstatt in Caputh gegründet. Quelle: Mandy Mamedow
Caputh

Ein Schlitz-Parabolkegel – was ist das wohl und wofür wird das Metall-Teil gebraucht? Selbst Feinwerkmechaniker und Firmeninhaber Jens Begeschke (43) weiß nicht immer ganz genau, wofür die Werkstücke, die er herstellt, eingesetzt werden. Es sind stets Bauteile, beispielsweise Rohrverbindungsstücke oder Teile für Armaturen, die seit etwa 25 Jahren im Caputher Familienbetrieb nach technischen Zeichnungen als Auftragsarbeiten für ein nordrhein-westfälisches Unternehmen gefertigt werden. Mindestens ebenso lange wurden in Begeschkes Werkstatt Nähmaschinen in großer Zahl repariert. Vor Kurzem wurde der Familienbetrieb 50 Jahre alt. Begangen haben die Begeschkes das Jubiläum allerdings nicht im großen Stil. Sie hielten es noch nie so mit ausgiebigen Feiern, und meist kommt sowieso etwas dazwischen oder man verpasst den großen Festtermin schlichtweg. So geschehen auch mit dem 50. Firmenjubiläum.

„Wenn wir so in der Arbeit stecken, da fällt schon was mal hinten runter. Die Erinnerung kam von außen in Form eines Präsents vom Autohaus“, erzählt Jens Begeschke schmunzelnd. Auch seinen Geburtstag im August verbrachte er statt beim Feiern beim Einsatz mit der Feuerwehr, als rund um Treuenbrietzen die Wälder brannten. Die Feuerwehr ist neben der Werkstatt seine zweite Leidenschaft – eine, die außer ihm auch andere Familienmitglieder teilen. Eine weitere Leidenschaft der Begeschkes, für die sich Vater und Firmengründer Heinz neben der Arbeit stets Zeit nahm, war das Singen. Gut zwei Jahrzehnte war er im Caputher Männerchor. „Wenn es ums Singen ging, da ließ er manchmal alles stehen und liegen“, erinnert sich Rosemarie Begeschke (79) an die Zeit mit ihrem Mann, der im Jahr 2000 verstarb. Gemeinsam hatten die beiden 1968 den Familienbetrieb in der Weberstraße 55 gegründet.

Ins Handwerk hineingeboren

Um als Selbstständige zu arbeiten, mussten sie damals die Auflage erfüllen, gleichzeitig auch Dienstleistungen für die Volkswirtschaft anzubieten. Dies taten sie mit Nähmaschinenreparaturen. Dazu schlossen sie einen Vertrag mit „Veritas“ und bildeten sich in den beiden Nähmaschinen-Zentren Wittenberg und Altenburg weiter. Für „Propan Potsdam“ fertigten sie in der Werkstatt zudem viele Jahre lang Gewinde für Propangas-Anschlüsse. Ein normaler Acht-Stunden-Arbeitstag war selten. „Wir haben oft bis in die Nacht hinein gedreht“, erzählt die Firmenmitbegründerin. Bis kurz vor der Entbindung ihres Sohnes Jens war sie noch täglich in der Werkstatt, und kaum dass Jens auf der Welt war, stand sie schon wieder an der Seite ihres Mannes. Söhnchen Jens wurde quasi ins Handwerk hineingeboren und beobachtete das emsige Treiben der Eltern aufmerksam aus seinem Laufgitter heraus, denn anfangs befand sich die Werkstatt noch direkt im Mehrgenerationenhaus der Familie. Viele Jahre wurden dort von Hand, später mit Maschinen die unterschiedlichsten Werkstücke hergestellt, bis auch die Um- und Anbauten des Wohnhauses dem Wachsen des Betriebes nicht mehr stand hielten.

1997 zogen Werkstatt und Sohn Jens mit seiner Familie dann um an den Krähenberg, wo die Begeschkes ein Grundstück geerbt hatten und eine bereits vorhandene Werkstatt ausgebaut wurde. Jens Begeschke hatte inzwischen im elterlichen Betrieb das Handwerk von der Pike auf gelernt und konnte auch die erste große 1992 angeschaffte vollautomatische Drehmaschine bedienen. Mit dem Umzug kam eine zweite Großmaschine dazu. „Was in der Handfertigung 20 Minuten dauert, schafft die Maschine in zwei Minuten“, erzählt Firmenchef Begeschke. Hand anlegen, das muss er trotzdem weiterhin. Sowohl die Rohlinge aus Stahl, Aluminium, Messing oder Kunststoff als auch die Werkzeug-Stähle müssen entsprechend der anzufertigenden Werkstücke und nötigen Arbeitsschritte eingespannt und die Maschine programmiert werden. „Die genaue Kenntnis der einzelnen Arbeitsprozesse und das jeweilige Verhalten der Materialien sowie der passenden Werkzeuge sind das A und O. Programmieren können alleine reicht da nicht“, so Begeschke.

Fehler finden und beheben

Als er nach dem Tod des Vaters den Betrieb übernahm, hatten die Nähmaschinenreparaturen, an die man nach der Wende nicht mehr vertraglich gebunden war, schon stark abgenommen. Man konzentrierte sich auf das weiterhin hart umkämpfte aber laufende Geschäft mit Auftragsarbeiten der Partnerfirma, mit der der Familienbetrieb seit 1992 zusammenarbeitet. Nur einmal – im Zuge der Bankenkrise 2008/09 – dachten die Begeschkes ernsthaft über die Schließung nach. „Es gab nur wenige Aufträge, dafür aber auch plötzlich mehr Zeit für die Familie und zum Nachdenken. Das hat uns dann doch dazu bewegt, weiterzumachen“, erzählt der Familienvater. 2011 machte er dazu noch seinen Meister.

Heute bekommen die Begeschkes nur noch selten Nähmaschinen in den kleinen Laden in der Weberstraße 55 zur Reparatur. Doch „eine Nähmaschine pro Woche – das hält Mutti jung“, so Sohn Jens. Mutter Rosemarie kann dann in Ruhe ihrer Leidenschaft nachgehen: Mit viel Geduld den Fehler finden und beheben.

Sieben Lehrlinge ausgebildet

Heinz und Rosemarie Begeschke haben den Betrieb am 2. September 1968 in der Caputher Weberstraße 55 gegründet. Seither hatte das Familien- und Ausbildungsunternehmen dort seinen Sitz. 1997 zog es an den Krähenberg um.

Im Leistungsspektrum sind Reparaturen von Nähmaschinen sowie das Drehen von Industriebauteilen aus Metall und Kunststoff.

Im Laufe der Jahrehaben die Begeschkes insgesamt sieben Lehrlinge ausgebildet.

Sohn Jens Begeschkehat das Unternehmen im Jahr 2000 übernommen. Seine genaue Berufsbezeichnung lautet „Feinwerkmechaniker“.

Von Mandy Mamedow

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