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Schwielowsee Deswegen ist Carolin Habermann Hebamme geworden
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Deswegen ist Carolin Habermann Hebamme geworden
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21:29 06.12.2019
Hebamme Carolin Habermann während der Untersuchung einer Schwangeren Quelle: Manuel Krug
Caputh

„Die hohe Kunst ist das Zuhören und die richtigen Fragen zu stellen“, sagt Carolin Habermann. Die 35-jährige ist seit August dieses Jahres als Hebamme im Familienzentrum Schwielowsee, in Caputh, tätig. Dort bietet sie neben Geburtsvorbereitungskursen, einen Rückbildungskurs, für die Frauen nach der Geburt und eine offene Sprechstunde an.

Hebamme nimmt sich Zeit im Familienzentrum Caputh

„Für mich geht es darum, die Emotionen und Bedürfnisse jeder Familie wertzuschätzen“, sagt sie. „Und darum, wertfrei nach Möglichkeiten zu suchen, wie sie genau das bekommen, was sie brauchen.“ Habermann sind diese Punkte wichtig. Und sie fühlt sich deshalb sehr wohl im Familienzentrum in Caputh. Dort kann sie mit den Familien, aber vor allem mit den werdenden Müttern, in ihrer Sprechstunde bei viel Zeit Dinge besprechen, die bei konventionellen Behandlungen im Krankenhaus nicht besprochen worden wären.

„Frauen bekommen viele medizinische Kontrollen während der Schwangerschaft“, sagt sie. „Ich bin der Meinung, dass die emotionalen Prozesse dabei nicht genügend Raum bekommen. Allerdings laufen so sensible Prozesse während der Schwangerschaft und während der Geburt ab, dass kleine Veränderungen große Auswirkungen haben können.“ Deswegen sei wichtig, nicht nur einen medizinischen Fokus zu setzen, so Habermann.

Habermanns Sprechstunde soll Ergänzung sein

„Mit dieser offenen Sprechstunde möchte ich die originäre Hebammenbegleitung nicht ersetzen und auch nicht in Konkurrenz dazu stehen“, sagt Habermann. „Sondern das ist eine Ergänzung für die Frauen, die das wollen, weil sie zum Beispiel keine Hebamme gefunden haben oder weil sie mit der Hebamme nach der Geburt keinen Kontakt mehr haben oder weil ich einfach etwas mache, was die andere Hebamme so nicht anbietet.“

Anna Töpfer, die Leiterin des Familienzentrums, ist sehr dankbar, dass Carolin Habermann mir ihrem Angebot in einen kleinen Raum des Familienzentrums eingezogen ist. „Je weiter man aus der Stadt rausfährt in Potsdam-Mittelmark, desto schwieriger wird es für die Familien, eine Hebamme zu finden“, sagt Töpfer. „Auch in Caputh, obwohl wir nicht weit weg von der Stadt sind. Denn es gibt einfach nicht so viele Hebammen auf dem Land. Und die, die es gibt, sind alle voll.“

Lange Anfahrten für Hebammen werden schlecht bezahlt

Hinzukommt, dass sich für viele Hebammen eine lange Anfahrt zum Haus einer Frau, die im Wochenbett liegt, nicht lohne, weil diese Anreisen nicht ausreichend vergütet würden, sagt Carolin Habermann.

„Deswegen haben wir mit Caro geschaut, was sie hier anbieten kann“, sagt Anna Töpfer. „Sodass die Frauen einen kurzen Anfahrtsweg haben und sie sich hier auch wohlfühlt. Und deshalb ist das Angebot so entstanden, wie es jetzt vorliegt.“

Krankenhaus hat kein Raum für individuelle Betreuung

Seit 2007 ist Carolin Habermann Hebamme. Sie fühle sich wohl im Kontakt mit Menschen, sagt sie. Sie ist in einer Familie groß geworden, in der es viele Krankenschwestern gab. „Es hat mich gestört, dass in diesem Krankenhausbetrieb so wenig Fokus auf das Individuelle in der Betreuung gelegt wurde.“

Sie hatte ein Praktikum im Kreißsaal gemacht, wo sie ihre erste Geburt erlebt habe. „Meine erste Geburt war ein Kaiserschnitt und ich stand auf der Seite der Ärzte“, erinnert sie sich. „Nach der Geburt wurde das Kind, wie es üblich ist, nach einer kurzen Begrüßung zwischen Mutter und Kind, rausgetragen. Mit der Hebamme und dem Kindsvater zusammen. Und die Frau lag hinter dem Tuch, fixiert, und niemand hat mit ihr gesprochen. In mir hat’s geschrien. Ich dachte mir, redet doch mal mit der Frau. Gratuliert ihr, seid für sie da, die ist gerade Mama geworden.“

Frauen werden oft übergriffig und mit Gewalt behandelt

In diesem Moment habe sie beschlossen, sie will sich um die Seele kümmern und „nicht nur um ein Stück Fleisch“, sagt sie. Auf dem Weg zur fertigen Hebamme habe sie viel Gewalt und Übergriffe an Frauen erlebt. Etwa dass sie nicht behutsam vaginal untersucht würden oder dass ihnen nicht erklärt würde, was in der Untersuchung getan wird, sondern „einfach gemacht wird.“ Und das oft genug sehr rabiat. Das sei ein systematisches Problem. „Ich habe vieles erlebt, was mich eigentlich hätte abturnen können, aber ich wusste immer, es geht auch anders. Und das, wie es anders geht, das erfülle ich mir jetzt“, sagt Carolin Habermann.

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Von Annika Jensen

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