Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Schwielowsee Fleischerei Bothe wird 80 Jahre alt
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Fleischerei Bothe wird 80 Jahre alt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:33 02.01.2019
Inhaber Mathias Bothe (l.) mit Fleischexperte Andreas Wachmann, der seit September in Geltow tätig ist. Quelle: Luise Fröhlich
Geltow

Schon als Vierjähriger schnippelte Mathias Bothe mit seinem Spielzeugmesser aus Plastik an einem Knochen herum. Sein Kinderzimmer befand sich direkt über der Fleischerei des Vaters. Er schaute ihm über die Schulter, wuchs in und mit dem Betrieb auf und wusste zeitig, dass er ihn einst übernehmen wird. „Aus dem wertvollen Rohstoff Fleisch etwas zu produzieren, war einfach mein Ding“, sagt der heute 50-Jährige. Zehn Jahre arbeitete er unter Regie seines Vaters, seit 2003 führt er die Fleischerei Bothe an der Hauffstraße in Geltow selbst. Den Ursprung fand das Unternehmen vor genau 80 Jahren im damals ostpreußischen Mogilno. Alfred Bothe, Mathias’ Großvater, gründete die Fleischerei und zog nach einem Zwischenstopp in Seddin 1950 nach Geltow. Seither hat sich innen und außen viel getan. Der Traditionsbetrieb geht mit der Zeit.

Begonnen hatte Alfred Bothe mit wesentlich weniger Platz im Laden an der B 1, in dem es zunächst nur Fleisch und Wurst zu kaufen gab. 1969 übernahm sein Sohn Horst das Unternehmen und investierte Anfang der 90er Jahre viel Geld in eine Modernisierung. Das Angebot wurde bald darauf durch eine kleine Imbissstrecke mit Würstchen und Bouletten sowie durch den immer stärker nachgefragten Partyservice mit Catering komplettiert. Inzwischen bietet Mathias Bothe täglich sechs verschiedene Mittagsgerichte an, frisch zubereitet von den Fleischern.

Exotische Fleischsorten aus der ganzen Welt

Mathias Bothe begann direkt nach der Schule seine Lehre bei der Fleischerei Nölte am Bassinplatz und absolvierte nach der Armeezeit ein Fachschulstudium, das der 1991 als Ingenieur für Fleischwirtschaft abschloss. 2002 machte er für die Betriebsübernahme seinen Meister.

Ende der 60er Jahre ist auf dem Hof der Fleischerei das letzte Mal geschlachtet worden. Seitdem lässt die Metzgerei das Fleisch anliefern und verarbeitet es frisch vor Ort. In der Theke findet der Kunde hauptsächlich regionale Ware, zum Beispiel das Kräuterschwein aus Saalow oder Rind aus Beelitz oder Glindow. Stück für Stück hat Bothe sein Sortiment um Fleischsorten aus Spanien, Argentinien, Amerika oder Australien erweitert. „Viele Leute, die hier wohnen, sind inzwischen bereit, für das Besondere etwas mehr Geld auszugeben und eben nicht in den Discounter zu gehen“, sagt Mathias Bothe. Zum Weihnachtsfest erfüllte er sogar einen besonderen Kundenwunsch und bestellte Bisonfleisch, das aufgrund seines vielfältigen Nährstoffgehaltes relativ teuer ausfällt. „Wir haben es auch probiert und waren begeistert“, berichtet er.

Unterstützung eines Experten aus dem KaDeWe

Das gewisse Etwas sollte sich aber nicht nur im Angebot, sondern auch im Design des Ladens wieder spiegeln. Deshalb wurde im März vorigen Jahres drei Wochen und drei Tage lang alles ausgeräumt und erneuert. Ideen für die Gestaltung brachte der kreative Kopf des Unternehmens, Mathias Bothes Lebensgefährtin Marion, ein. Bei der Umsetzung holte sich der Fleischermeister Unterstützung einer Fachfirma. Zur neuen Ausstattung zählen unter anderem auch zwei Schränke mit Dry Aged Fleisch. „Nach dem Umbau dachte ich dann: Man braucht auch jemanden, der das Besondere entsprechend präsentiert“, erklärt Mathias Bothe.

Zufällig kam Andreas Wachmann im Laden vorbei, den er schon von Kindesbeinen an kennt. Bis September 2018 war der gebürtige Werderaner 19 Jahre lang für Einkauf und Verkauf in der Fleischabteilung des Berliner Kaufhaufes KaDeWe zuständig. Die beiden kamen ins Gespräch und Mathias Bothe konnte ihn für sich gewinnen. „Ich denke, die Zeit ist reif, das Fleisch auch außerhalb von Berlin auf ein anderes Level zu heben“, sagt Andreas Wachmann, ebenfalls Fleischermeister. Er steht Mathias Bothe bei der Produktion zur Seite und „manchmal auch auf den Füßen und sagt, was man noch besser machen kann“, erzählt der Inhaber.

Geplanter Rewe-Markt bereitet Sorgen

Seit 30 Jahren bildet die Fleischerei Bothe kontinuierlich Lehrlinge aus. Einst gab es Jahre mit sechs Auszubildenden, zuletzt wurden es immer weniger und aktuell packt ein Lehrling mit an. „Dass es so wenige geworden sind, tut uns natürlich weh. Aber der Beruf hat sich auch verändert. Als Fleischer ist man jetzt zum Großteil auch Koch“, sagt Mathias Bothe. Vater Horst, inzwischen 75 Jahre alt, unterstützt seinen Sohn übrigens, wann immer er und seine zehn Mitarbeiter Hilfe benötigen. „Es ist gut zu wissen, dass ich mich zu 100 Prozent auf ihn verlassen kann. Nachdem er 35 Jahre viel Verantwortung tragen musste, sagt er, macht es ihm heute sogar mehr Spaß“, erzählt Mathias Bothe.

Mit etwas Sorge blickt er auf die in diesem Jahr geplante Eröffnung des Rewe-Marktes ein paar Meter weiter. Der rund 1600 Quadratmeter große Supermarkt passe nicht ins Ortsbild und sei eine Gefahr für die kleinen Handwerksbetriebe wie die Metzgerei. Deshalb schlug er mit der jüngsten Modernisierung früh einen zeitgemäßeren Weg ein und bietet seit einiger Zeit auf Wunsch seiner Kunden auch EC-Kartenzahlung an. Wenn man überleben will, müsse man „schon ein bisschen verrückt sein, allerdings nicht leichtsinnig“, sagt Mathias Bothe.

Im Sommer will der Fleischer das 80-jährige Bestehen mit Angestellten und Kunden bei einem Tag der offenen Tür und Hoffest groß feiern. Der Termin steht noch nicht fest.

Obermeister der Fleischerinnung

Seit 1993 hat die Fleischerei Bothe eine Filiale im Werderpark. Damit zählt das Unternehmen zu den ersten Mietern in dem Einkaufszentrum. „Wir haben uns dort etabliert“, sagt Chef Mathias Bothe. Derzeit überlegt er, das alte Design analog zum Hauptsitz in Geltow zu erneuern.

Vor sieben Jahrenwurde Mathias Bothe Obermeister der Fleischerinnung Potsdam. Er übernahm das Amt von seinem Vater Horst. Mathias Bothe ist seit seinem 10. Lebensjahr Mitglied des Wasserskiclubs Caputh Preußen.

Von Luise Fröhlich

Theodor Fontane wird nachgesagt, unmusikalisch gewesen zu sein. Inzwischen haben Forscher herausgefunden, dass sich der Schriftsteller selbst unterschätzt hat. Die Caputherin Krystyna Kauffmann plant zum Fontanejahr eine besondere Veröffentlichung.

18.01.2019

Promi-Besuch, Verlust und neue Meilensteine: Im zurückliegende Jahr war in Werder und Schwielowsee einiges los. Ein Blick zurück.

27.12.2018

In Kammerode haben bislang unbekannte Täter nach ihrem Einbruch in ein Haus den Hund mit tiefgefrorenem Fleisch abgelenkt. Gestohlen wurde nach ersten Erkenntnissen nichts.

20.12.2018