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Schwielowsee Für Michael Holstein stehen die Zeichen auf Wechsel
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Für Michael Holstein stehen die Zeichen auf Wechsel
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18:15 05.09.2018
Michael Holstein will Bürgermeister in Schwielowsee werden. Quelle: Luise Fröhlich
Schwielowsee

Michael Holstein (SPD) aus dem Beelitzer Ortsteil Schäpe fordert die amtierende Bürgermeisterin in Schwielowsee, Kerstin Hoppe (CDU), bei der Wahl am 30. September heraus. Im MAZ-Interview erklärt der 57-Jährige, wie sein Blick von außen die Gemeinde nach vorn bringen könnte.

Herr Holstein, Sie waren in den zurückliegenden Wochen viel in Schwielowsee unterwegs. Wie haben Sie sich hier mittlerweile eingelebt?

Michael Holstein: Ich fühle mich hier sehr wohl und bin erstaunt, wie offen und freundlich die Menschen sind, bei denen ich auch mal ganz spontan an der Haustür geklingelt habe. Insgesamt bin ich seit April unterwegs und die Begegnungen habe ich mit ganz wenigen Ausnahmen immer als offen, freundlich und interessiert empfunden. Viele Einwohner wünschen sich nach 16 Jahren einen Wechsel an der Rathausspitze, das ist mein Eindruck. Ganz unabhängig von ihren persönlichen Erfahrungen mit der Bürgermeisterin oder der Verwaltung.

Warum wollen Sie Bürgermeister in Schwielowsee werden?

Ich habe mich in den letzten Jahren immer für gute Lösungen eingesetzt, ob im Beruf oder in der Freizeit. Mein Bestreben ist es, die Welt ein Stückchen besser zu machen und ich stelle mich gerne neuen Herausforderungen. Im März habe ich erfahren, dass in Schwielowsee ein Kandidat gesucht wird. Als ich „Schwielowsee“ gehört habe, musste ich sofort an die schöne Gegend denken und habe mich erstmal mit den Aufgaben eines Bürgermeisters vertraut gemacht. Was muss er leisten? Was muss er mitbringen? Was sind seine Ziele? Ich habe mich damit befasst und meine Familie und enge gute Freunde gefragt und alle haben mir bestätigt: Das ist genau dein Ding.

Wäre die Verwaltungsarbeit auch etwas, in das Sie sich einarbeiten müssten?

Ja, aber dafür bliebe genügend Zeit zwischen der Wahl und dem Amtsantritt am 1. März. Ein anderer Bürgermeister, der Anfang des Jahres die Wahl gewonnen hat, würde mich einarbeiten und mitlaufen lassen. Ich habe aber auch durch meinen Beruf Verwaltungserfahrung sammeln können. Ich bin bei der Bayer AG beschäftigt und habe dort viel über Organisation gelernt. Zudem bin ich Reservist im Einsatzführungskommando in Geltow und kenne die Strukturen und den Verwaltungsapparat Bundeswehr. In der Kommunalpolitik war ich bislang nicht tätig, außer als ich für Beelitz insgesamt zehn Ortswappen erstellt habe. In diesem Zusammenhang bin ich mit den Gemeinde- und Ortsvertretern in engem Kontakt gewesen und habe mich abgestimmt. Da keimte der Wunsch auf, mitentscheiden zu wollen.

Teamarbeit fördern

In einem ersten Interview hatten Sie es noch offen gelassen, ob sie nach Schwielowsee ziehen, sollten Sie gewählt werden. Im Havelboten war nun zu lesen, dass Sie definitiv in Schäpe bleiben. Warum?

Ich habe relativ schnell gemerkt, wie viele Vorteile es haben kann, nicht aus der Gemeinde zu kommen, sondern aus der Nachbarschaft. Ich lebe seit 20 Jahren in der Region. Letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass es mehr Sinn macht, die Gemeinde von außen und unvoreingenommen kennenzulernen. Zweitens lebe ich seit 2005 in Schäpe und habe dort ein großes Haus. Bei uns leben nicht nur meine beiden schulpflichtigen Söhne, sondern auch meine Schwiegereltern. Wir haben viele Freunde in der Umgebung und ich engagiere mich in zwei Vereinen. Schäpe ist mein Zuhause, deshalb bleibe ich dort. Dennoch: Ich wäre in maximal 20 Minuten im Rathaus. Das wäre kein Hindernis für mich, eine gute Arbeit zu machen. Außerdem bin ich für die Bürger immer erreichbar und ansprechbar, auch wenn ich nicht in Schwielowsee lebe.

Wie schätzen Sie nach den Gesprächen mit den Schwielowseern persönlich ihre Chancen ein?

Der überwiegende Teil steht einem Wechsel positiv gegenüber, denke ich. Das merke ich auch daran, dass ich in den letzten Tagen vermehrt Anrufe von Menschen erhalte, die unzufrieden sind und sich eine Veränderung oder eine transparentere Zusammenarbeit wünschen. Jeder hat natürlich seine ganz eigenen Vorstellungen, aber am Ende ist es eine Teamarbeit und die möchte ich fördern. Das Miteinander und Füreinander ist mir sehr wichtig.

Wo liegen die größten Probleme in der Gemeinde?

Wir haben viele kleine Baustellen. Über allgemeine Probleme wie Kita-Plätze, weiterführende Schulen oder öffentlicher Nahverkehr klagen viele Gemeinden, hier muss man die Zusammenarbeit fördern und nach guten Lösungen streben. Mir liegt viel daran, direkt vor Ort Situationen zu verbessern, die vielleicht vernachlässigt wurden.

Verwaltung zum Bürger bringen

Haben Sie ein Beispiel für eine solche kleine Baustelle?

Mehrere Senioren haben mir von einem Fußgängerüberweg berichtet, den sie auf der einen Seite zwar gut mit dem Rollator oder Rollstuhl befahren können, aber auf der anderen Seite wegen einer hohen Bordsteinkante nicht alleine hochkommen. Da muss man doch sofort für sichere Wege sorgen. Es gibt weitere mittlere und große Baustellen. Durch meine Besuche in Gemeindesitzungen und bei Begegnungen mit Einwohner habe ich sehr viel erfahren. Viele in den kleineren Ortsteilen fühlen sich vernachlässigt. Das möchte ich ändern – mit dem Blick auf’s Ganze.

Sie würden also die Prioritäten anders setzen?

Ich würde vor allem versuchen, die Gewichtung gleichmäßig auf alle Orte zu verteilen. Es geht darum, dass sich alle Einwohner gehört und ernst genommen fühlen und wenn man solche Mitteilungen erhält, muss man sich das zeitnah anschauen und sich darum kümmern.

Wie könnte aus Ihrer Sicht eine modernere Kommunalverwaltung aussehen?

Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Verwaltung zum Bürger zu bringen und regelmäßige Bürgersprechstunden einzuführen. Dazu gehört auch der Einsatz von modernen Medien und Systemen. Einige ältere Menschen bräuchten Angebote, mithilfe derer sie den Umgang mit diesen Medien lernen, denn ich möchte alle erreichen. Man muss heutzutage nicht mehr zu bestimmten Sprechzeiten in die Verwaltung gehen. Heute geht vieles digital. Außerdem möchte ich ehrenamtliche Hilfsangebote und Bedarfe auf einer Plattform vereinen. Leute könnten sich miteinander verabreden, zum Beispiel zu Fahrgemeinschaften. Ich kann mir auch ein Bürgerbus-System vorstellen.

Schwielowsee ist ein attraktiver Wohnort, es gab und gibt viel Zuzug, an der Infrastruktur hapert es. Wie kann man dem Wachstum standhalten?

Dazu zählt für mich, einen Masterplan für die nächsten fünf bis zehn Jahre zu entwickeln. Eine Gemeinde hat nun mal ein begrenztes Gelände. Man muss das Ganze betrachten, also nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch den Bedarf und das Ziel im Blick behalten. In dem Plan werden gemeinsam mit den politischen Vertretern Schwerpunkte gesetzt, an denen man sich Jahr für Jahr orientieren könnte.

Wie gestalten Sie Ihre Freizeit?

Hauptsächlich bin ich in der Freizeit mit meiner Familie zusammen. Meine Kinder haben ihre Interessen, wir sind viel zusammen unterwegs. Wenn Sie Haus und Garten haben, gibt es immer viel zu tun und ich unterstütze meine Frau und meinen älteren Sohn bei ihrem Sport Reiten. Die Heraldik ist außerdem ein Steckenpferd von mir.

Vor Beelitz vier Jahre in Werder gelebt

Michael Holstein (57) ist technischer Angestellter und Handwerksmeister bei der Bayer AG. Zudem ist er als Referent und Fachtrainer im Bereich Arbeitssicherheit, als Ausbilder und Coach der Berufsgenossenschaft und als Auditor im Arbeits- und Gesundheitsschutz, Umweltschutz und Energiemanagement tätig. Sechs bis acht Wochen im Jahr unterstützt er den Bereich Arbeitsschutz in der Geltower Kaserne als Reservist.

Bevor er mit seiner Familie 2005 nach Beelitz zog, lebte er für vier Jahre auf der Insel in Werder. In Beelitz engagiert er sich in zwei Vereinen. Seit 2015 ist er Mitglied der SPD und wurde in diesem Jahr Teil des Schwielowseer Ortsvereins der Sozialdemokraten.

Michael Holstein ist verheiratet und hat drei Kinder. Seine Söhne gehen in Beelitz zur Schule, seine große Tochter lebt im Ausland.

Lesen Sie auch: Warum Kerstin Hoppe Bürgermeisterin bleiben will

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Von Luise Fröhlich

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