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Schwielowsee Handglockenchor Caputh wird 30 Jahre alt
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Handglockenchor Caputh wird 30 Jahre alt
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18:18 20.03.2019
Alt und Jung musizieren gemeinsam: Der Handglockenchor Caputh ist schon durch viele Städte getourt. Quelle: FOTO: Privat
Caputh

Die Bewegung kommt zackig aus dem Arm; die Hand schnellt in einem gekonnten Bogen mit der Glocke nach vorne und der Raum erklingt. „Es soll ja auch nach was aussehen“, scherzt Jürgen Dallorso (66). Er ist Mitglied im Handglockenchor „Peace Bell Choir Caputh“, der in diesem Sommer sein 30-jähriges Bestehen feiert. Was in den USA weit verbreitet ist, gehört hierzulande zu einer wahren Rarität. Denn der Caputher Chor ist einer von gerade mal 38 Hondglockenchören in Deutschland.

Die Mauer steht noch, als eine Kirchengemeinde in Fort Wayne im US-Bundesstaat Indiana mit ihrem Gesangs- und Handglockenchor eine Deutschlandreise plant. Der Pfarrer Donald McCord hatte in den 60ern und 70ern in Berlin-Schlachtensee gearbeitet und über Verbindungen Kontakt mit Capuths einstigen Pfarrer Ulrich Heilmann. Warum, so die Idee damals, solle man nicht auch in Caputh spielen – nicht nur in West-Berlin.

Als der amerikanische Handglockenchor im Sommer 1978 schließlich in der Caputher Kirche auftritt, stehen die Caputher bis draußen an und hören Songs wie „We shall overcome“ von der amerikanischen Folk-Sängerin Joan Baez über Lautsprecher. „Das hat die Leute umgehauen, das kannten sie 1987 ja gar nicht“, erinnert sich Jürgen Dallorso, Gründungsmitglied der ersten Stunde.

Zurück in Fort Wayne sammelt der Handglockenchor bei Festen und Flohmärkten Geld, um die Captuher mit einem Handglocken-Set zu überraschen. „Wir wussten acht Wochen vorher hier noch nichts davon. Wir waren ihr Projekt“, sagt Jürgen Dallorso. „Sie riefen uns an und sagten: Stellt mal 18 Leute zusammen – wir gründen einen Chor.“ Die Leute waren schnell gefunden und die Amerikaner kehrten nach Caputh zurück, um ihnen die Technik beizubringen.

Reise in die USA

„Sie hatten dann leichtfertig eine Einladung in die USA ausgesprochen – im Juli 89 hat doch noch keiner an die Wende gedacht“, sagt Jürgen Dallorso. Was zuerst unmöglich schien, erfüllte sich schließlich im August 1990. Mit 20 Mitgliedern tourten sie vier Wochen durch die USA – unter anderem nach Indiana, Illinois und Iowa. Tagsüber schauten sie sich die Stadt an, abends gaben sie Konzerte – 17 insgesamt.

Das Glockenset aus der Anfangszeit ist bis heute erhalten. Mittlerweile besitzt der Handglockenchor, der zur evangelischen Kirchengemeinde Caputh zählt, 61 Glocken. Die Größte wiegt dabei 3,5 Kilo. Jeden Freitag musizieren die 15 Musiker im Gemeindehaus Caputh nun gemeinsam unter der Leitung von Andra Sauerborn (55).

Von Hause aus Musikerin und zuvor unter anderem als Stimm- und Gesangstrainerin tätig, hatte sie von Handglocken keine Ahnung, als sie 2015 den Chor übernehmen sollte. „Eigentlich wollte ich nicht“, sagt sie. „Dann habe ich mir zwei, drei Proben angehört und gemerkt: Das ist doch spannend.“

Das Prinzip: Jeder Spieler bedient in der Regel vier Glocken, zwei Grundtöne und zwei Halbtöne, gemeinsam abgestimmt entsteht die Melodie. Alleine üben funktioniert also nicht. Weil die Glocken aus Messing sind, müssen die Spieler Handschuhe tragen. Auf einer Matte dämpfen die Musiker ihre Glocken nach Bedarf ab. Da ist präzise Abstimmung und höchste Konzentration gefragt. Andra Sauerborn vergleicht es gerne mit einem Bienenschwarm. „Es greift alles ineinander über, jeder weiß wo er hingehört“, erklärt sie. Der Clou: Man kann nicht alleine üben, es geht nur zusammen. „Niemand ist dabei der Wichtigste“, so Andra Sauerborn.

Technik ist gefragt

Durch verschiedene Anschlagtechniken gelingt es, eine große Klangvielfalt zu erzeugen. Tippelt man die Glocke auf der Matte ab, entsteht ein Echo. Streicht man am Rand mit einem sanften Stab entlang, schwingt die Glocke.

Dazu gibt es noch die Chimes, übersetzt Tonstäbe. Sie sind leichter zu bedienen als Handglocken und werden entweder als Ergänzung zu den Handglocken oder für Einsteiger gerne genutzt. Benötigt der Chor neue Noten oder Ersatzteile, so ordern es die Mitglieder direkt aus den USA. „Mit dem Zoll und der Luftfracht ist das immer mit großem Aufwand verbunden“, sagt Jürgen Dallorso. „Aber hier gibt es das eben nicht.“

In den Jahren hat sich der Chor etabliert. Nicht nur in Caputh gehören sie im Sommer oder Heiligabend zum festen Programm, auch in Polen, Dänemark oder Ostfriesland waren sie schon. Wer neugierig ist und einmal mitüben möchte, kann am 31.März von 13 bis 17 Uhr zum Schnuppertag ins Gemeindehaus Caputh kommen.

Am 2. Juni um 10 Uhr soll es anlässlich des Jubiläums in der Kirche Caputh einen musikalischen Fest-Gottesdienst geben mit einem Gast-Glockenchor aus Gotha. Abends gibt es ab 18 Uhr auf der Werderaner Bismarckhöhe ein zweites Konzert mit Gedichten von Christian Morgenstern.

Von Anne Knappe

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