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Schwielowsee Flottsteller kämpfen um ihre Siedlung
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Flottsteller kämpfen um ihre Siedlung
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18:40 19.09.2018
Norbert Wilczek ist der 1. Vorsitzende des Vereins „Pro Flottstelle Schwielowsee“, der inzwischen zwölf Mitstreiter zählt. Quelle: Luise Fröhlich
Flottstelle

Wenn Norbert Wilczek durch seine Flottstelle geht, sieht er gleich mehrere Probleme. Da wäre zum Beispiel die Kreisstraße zwischen Caputh und Ferch, die direkt hinter seinem Haus entlang führt. Die Autos rauschen oft mit mehr als den erlaubten 60 Sachen vorbei, besonders viele sind es, wenn die A 10 mal wieder dicht ist. Oft schon hat der 55-Jährige Wagen mit ortsunkundigen Fahrern am Steuer bei Regen aus dem Graben an der Kreuzung gezogen, weil sie von der Fahrbahn gerutscht waren. Oder seine beiden Enkelkinder standen weinend an der Bushaltestelle, weil sie Angst hatten, über die Straße zu gehen. „Es wäre schön, wenn wir wenigstens in der Saison Tempo 30 bekommen könnten. In Kammerode hat es doch auch funktioniert“, sagt Norbert Wilczek. Das ist aber nur eine Sorge, die ihn umtreibt. Er wuchs in dem einstigen Gemeindeteil von Caputh auf und fürchtet, dass die Siedlung zunehmend ihren Charakter verliert.

Einst hatte das Ortseingangsschild der Flottstelle direkt an der Kreisstraße gestanden, wodurch die Autos etwas langsamer fuhren. Jetzt rasen sie häufig an der Siedlung vorbei. Quelle: Luise Fröhlich

Wie berichtet, haben Bewohner der Flottstelle eine Petition gestartet, um auf die Probleme aufmerksam zu machen. Zudem gründeten sie den Verein „Pro Flottstelle Schwielowsee“. Hatte die Petition vor einem Monat noch etwa 50 Unterzeichner, gibt es inzwischen schon 30 Unterstützer mehr. Sie leben nicht nur selbst in der Flottstelle, sondern auch in Caputh oder sind langjährige Urlaubsgäste, erzählt Norbert Wilczek. Diese schätzten beispielsweise auch den Weg durch das kleine Waldstück zum Aussichtspunkt auf den Schwielowsee – einer der wenigen, die es zwischen Caputh und Ferch überhaupt gibt. „Das hier war ein beliebtes Fotomotiv. Jetzt ist bis auf eine kleine Lücke alles zugewachsen“, sagt der Vereinsvorsitzende. Auf und an den Wanderwegen stößt er auf jede Menge Totholz und umgekippte Bäume. „Es reicht nicht, die Wege im Frühjahr nur neu zu markieren, sie müssen auch mal aufgeräumt werden“, meint er.

Trinkwasser aus der Flasche

Ein großes Problem der kleinen Siedlung ist das Trinkwasser. Fast alle Bewohner haben eigene Brunnen auf ihren Grundstücken. Einige Wasserwerte sollen nach eigens in Auftrag gegebenen Messungen im kritischen Bereich liegen. „Wir kochen Tee oder Kaffee nur mit Wasser aus gekauften Flaschen“, sagt Norbert Wilczek. Das sei schon zu DDR-Zeiten so gewesen. Schuld daran sollen zwei Müllhalden sein, die am Rande der Flottstelle liegen. „Dort kamen jede Menge Müll, Gummiteile, Lacke und Dünger von den damaligen Produktionsgenossenschaften drauf“, berichtet er. Eine Halde sei Anfang der 70er Jahre geschlossen worden, die andere um 1999/2000. Immer nach einem Regenguss habe es zeitweise aus dem Wasserhahn gestunken. Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) sagte der MAZ, dass die Deponien ordnungsgemäß gesichert, gelistet und abgedeckt sind sowie regelmäßig kontrolliert werden. Norbert Wilczek bezweifelt, dass im Untergrund wirklich alles in Ordnung ist.

Die Mülldeponien sind inzwischen zugewachsen, allerdings nicht ersichtlich gekennzeichnet. Quelle: Luise Fröhlich

Mittlerweile hat er die ersten Reaktionen auf die Petition erhalten, die er auch an sämtliche beteiligte Behörden geschickt hatte. Der Petitionssausschuss des Landtages will sich zum Beispiel damit befassen, wenn alle Stellungnahmen vorliegen. Landrat Wolfgang Blasig (SPD) erklärte in seiner Antwort, warum es unwahrscheinlich ist, dass die Flottstelle ein eigenständiger Ortsteil werden kann. Die Kommunalverfassung des Landes gibt die Bedingungen vor und will damit verhindern, dass die Interessen innerhalb der Gemeinde zersplittern. „Eine ausreichende Einwohnerzahl ist wohl etwa ab einem Schwellenwert von circa 200 Einwohnern gegeben“, so Wolfgang Blasig. In der Flottstelle leben dauerhaft rund 30 Familien, hinzu kommen etwa 60 Wochenendhäuser. Die Siedlung ist seit der Gemeindegebietsreform 2001 weder ein Ortsteil noch ein selbstständiger Gemeindeteil.

Mit Fingerspitzengefühl

Kerstin Hoppe zufolge wird sich die Gemeindevertretung in der übernächsten Sitzung im Dezember unter anderem mit dieser Forderung aus der Petition befassen. Was die Straßenschäden innerhalb der Siedlung angeht, versichert die Verwaltungschefin, dass Schlaglöcher umgehend mit Naturschotter aufgefüllt werden, sobald sie dem Ordnungsamt gemeldet wurden. Im Herbst wolle die Verwaltung die Straßen in der Flottstelle wieder turnusmäßig kontrollieren. Andere Punkte wie das Trinkwasser-Problem, die Sorgen um die Mülldeponien oder die Zweifel an der umweltschonenden und sicheren Waldwirtschaft hat Kerstin Hoppe an die zuständigen Behörden weitergeleitet. „Ich bin nach wie vor der Meinung, dass wir Lösungen finden“, sagte sie.

Norbert Wilczek würde sich wünschen, dass die Bürgermeisterin mehr Druck macht. Inzwischen habe er selbst mit einem Forstmitarbeiter über den Wald rund um die Flottstelle sprechen können. Er soll deutlich gemacht haben, dass sich die Baumfällungen der zurückliegenden Jahre im gesetzlichen Rahmen bewegen. „Das mag ja sein. Aber uns geht es um die Flottstelle. Wir wollen mehr Fingerspitzengefühl“, sagt Norbert Wilczek.

Das fordern die Petenten

In der Petition für eine sichere Zukunft der Flottstelle fordern die Unterzeichner folgende Punkte:

Die Flottstelle soll ein verwaltungsrechtlich eigenständiger Ortsteil sein. Es sollen planungsrechtlich gesicherte Grundlagen für die Flottstelle geschaffen sowie Wohn- und Gewerbeflächen ausgewiesen werden.

Straßenschäden sollen repariert werden. Zudem wünschen sie sich eine sicherere Auf- und Ausfahrt auf die Kreisstraße und fordern die Beseitigung der beiden Müllhalden an der Roten Brücke. Zuletzt wollen sie sich gegen Baumfällungen wehren.

Von Luise Fröhlich

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