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Schwielowsee Kampf um die Bäume geht weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Kampf um die Bäume geht weiter
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00:50 25.04.2018
Bürgerinitiativen-Chef Frank Witte, Ole und Friedhelm Schmitz-Jersch vom Nabu (v.l.) Quelle: Luise Fröhlich
Wildpark-West

Beim Pflanzen der Birke packt der 11-jährige Ole ordentlich mit an. Dem Jungen aus Wildpark-West liegen die Bäume am Herzen. Als ein Bekannter ein Haus gebaut hat, sorgte der Schüler dafür, dass eine Eiche umgesetzt anstatt gefällt wird. Mittlerweile kennt sich Ole besser aus als manch Erwachsener. „Wir pflanzen hier eine Birke, weil an dieser Stelle am Marktplatz ursprünglich welche standen“, erklärte er den vielen Bewohnern der Waldsiedlung, die zum Aktionstag der Bürgerinitiative am Sonnabend gekommen waren. Seit Anfang März kämpfen sie gemeinsam für den Erhalt des einzigartigartigen und idyllischen Charakters der Siedlung und gegen den Kahlschlag, den sie in den vergangenen Monaten erlebt haben. Wie berichtet, werfen sie der Gemeinde vor, die Regeln der Baumschutzsatzung nicht konsequent zu befolgen. Bäume würden teilweise ohne nachweisbaren Grund und unabhängig von den jüngsten Sturmschäden gefällt werden. Die Gemeinde und auch der Landkreis bestreiten dies.

Jährlich sollen nach Angaben der Bürgerinitiative 350 bis 400 Bäume gefallen sein. Ginge das so weiter, würde es noch vor dem Jahr 2030 keinen schützenswerten Großbaum mehr geben. Friedhelm Schmitz-Jersch (SPD), selbst Mitglied im Geltower Ortsbeirat, hat als Vorsitzender des Naturschutzbundes Nabu Brandenburg mehrere Stunden die Baumschutzakten der Gemeinde gewälzt. „Damit konnten wir den Widerspruch gegen 22 Fällgenehmigungen der Gemeinde begründen“, sagte er. Die Aktenlage sei „desaströs“. Nun sei die Gemeinde am Zug. Im Textbebauungsplan für Wildpark-West sei verankert, dass der Waldcharakter erhalten bleiben soll. Die Baumschutzsatzung sichere den Bestand der Großbäume.

Gemeinschaftlich sollen die Bäume und damit der einzigartige Charakter der Waldsiedlung gerettet werden. Quelle: Luise Fröhlich

Denkschrift mit aktuellem Zustandsbericht

„Bei den Bürgern ist der Eindruck entstanden, dass Bäume mit Willkür gefällt werden“, erklärte der Chef der Bürgerinitiative, Frank Witte. Noch immer gebe es viele offene Fragen und vor allem habe das Vertrauen gelitten. Der Bürgerinitiative, die im Kern aus sieben Mitgliedern besteht und 20 engere Unterstützer hat, geht es auch um die Pflege der Bäume und die sofortige Nachpflanzung im öffentlichen Raum und auf Privatgrundstücken. Symbolisch pflanzten sie deshalb die junge Birke an einer eigens angefertigten Stele am Markt.

Beim Pflanzen der Birke am Markt. Quelle: Luise Fröhlich

Extra für den Aktionstag ließ die Initiative eine Denkschrift mit dem Namen „Rettet die Waldsiedlung“ drucken. Sie beinhaltet einen aktuellen Zustandsbericht, verfasst von Carsten Sicora. „Zum 100-jährigen Bestehen der Waldsiedlung im Jahre 2033 sollen die Nachpflanzungen soweit gediehen sein, dass sich wieder eine Perspektive für die heute heranwachsenden Kinder und Jugendlichen bietet“, schreibt er auf der letzten Seite. Zwischen ihr und dem Rücktitel klemmt ein Offener Brief der Bürgerinitiative an Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU). Darin fordern sie vollständige Akteneinsicht, Transparenz und Aufklärung von fragwürdigen Vorfällen, Unterstützung bei der Nachpflanzung sowie den Einhalt des Naturschutzgesetzes. Gegenüber der MAZ hatte Kerstin Hoppe gesagt, dass sie nichts zu verstecken habe und versprach Transparenz.

Junge Kiefern gingen schnell weg

Carsten Leßner vom Verein Wildpark e.V. verkaufte an seinem Stand 50 kleine Kiefer-Setzlinge für fünf Euro das Stück. Der 2004 gegründete Verein kämpft für eine denkmalgerechte Erhaltung und Pflege des angrenzenden Wildparks. Leßner wohnt selbst in der Waldsiedlung und hat beobachtet, wie im Zuge von neu bebauten Grundstücken immer mehr Bäume fallen mussten. „Ein Problem ist auch, dass bei Nachpflanzungen auf Privatgrundstücken oft nicht heimische Bäume genutzt werden“, erklärte er. Charakteristisch für die Umgebung sei die Kiefer, die allerdings als junges Pflänzchen eine Mimose sei. Die dreijährigen Setzlinge wären schon robuster. Bereits nach einer Stunde hatten fast alle neue Besitzer gefunden. Der Bürgermeisterkandidat der SPD, Michael Holstein, kaufte fünf und gab sie symbolisch an die Initiative und damit an die Bürger in Wildpark-West weiter.

Wie aus Privatwald eine Villensiedlung wurde

Der heutige Gemeindeteil Wildpark-West ist in den 1930er-Jahren als Villenkolonie aus dem Privatwald Gallin entstanden.

Seit 1864 war er in königlichem Privateigentum und wurde als Erweiterung des Jagdgebietes Wildpark bis zum Ufer der Havel um 1885 aufgeforstet und in Baumschulen von Kiefern, Eichen und Birken aufgeteilt. Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist dies eingestellt worden.

Über vier Alleen mit prächtigen Bäumen war das Vorwerk Gallin erreichbar: Königspromenade (heute Waidmannspromenade), Eichenallee (heute Fuchsweg), Pappelallee (heute Schweizer Straße) und Kastanienallee (heute Amselweg).

Die „Märkische Wochenendgesellschaft“ hat in den 1920er-Jahren begonnen, den Privatwald der Hohenzollern als Villensiedlung zu parzellieren und zu verkaufen. So entstand im Laufe eines Jahrzehnts die Waldsiedlung. 1933 wurden die ersten Häuser gebaut.

Frank Witte (l.) und Bürgermeisterkandidat Michael Holstein (SPD) mit Kiefer-Setzlingen. Quelle: Luise Fröhlich

Von Luise Fröhlich

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