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Schwielowsee Kampf um festen Blitzer geht weiter
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Kampf um festen Blitzer geht weiter
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20:14 09.01.2019
Landkreis und Polizei sehen die B 1 in Geltow nicht als Unfallschwerpunkt. Bisher gelang es nicht, einen festen Blitzer zu bekommen. Quelle: Luise Fröhlich
Geltow

Trauriger Spitzenreiter: Auf der B 1 in Geltow wird laut Geschwindigkeitsmessungen der Gemeinde Schwielowsee am heftigsten gerast. Das fest installierte Gerät vor dem Eingang zur Schule hat ein Spitzentempo von 169 Stundenkilometern aufgezeichnet. Weil der Verkehr tagsüber so dicht ist, dass kaum mehr als die vorgeschriebenen Tempo 30 möglich sind, ist davon auszugehen, dass dieser horrende Verstoß nachts auftrat. Durchschnittlich fahren die Autos mit 34 Stundenkilometer durch Geltow, 85 Prozent waren nicht schneller als 43. „Der Durchschnitt ist nicht schlecht, aber die Spitzengeschwindigkeit völlig inakzeptabel“, sagte Heiko Hüller (CDU/FDP/UBS) bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, in der die Zahlen vorgelegt wurden.

Geltow ist in dieser Statistik dicht gefolgt von Caputh: Die Maximalgeschwindigkeit vor der Albert-Einstein-Grundschule betrug 155 Stundenkilometer. Auch dort gilt Tempo 30. Zu Beginn des aktuellen Schuljahres hatte der Landkreis Potsdam-Mittelmark seine turnusmäßigen Kontrollen vor Schulen durchgeführt. Bei mehr als 10 000 gemessenen Fahrzeugen im ganzen Landkreis waren 5,7 Prozent zu schnell. Geltow liegt mit 6,5 Prozent über diesem Mittelwert. Wesentlich mehr Verstöße gab es allerdings zum Beispiel in Wilhelmshorst (31,7 Prozent), Saarmund (33,3) oder Stahnsdorf (39,5). In Caputh waren von 940 gemessenen Fahrzeugen 31 zu schnell unterwegs (3,3 Prozent).

Gerät kann nur eine Geschwindigkeit messen

Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Verstöße insgesamt leicht angestiegen (0,2 Prozent). Alle Tempovergehen, die der Landkreis in Geltow registriert hat, lagen laut Fachbereichsleiterin Heike Vierke-Eichler im Verwarngeldbereich. Der schnellste Autofahrer hatte nach Toleranzabzug 18 Stundenkilometer zu viel auf dem Tacho.

Immer wieder hat die Gemeinde den dafür zuständigen Landkreis um einen festen Blitzer an der B 1 in Geltow gebeten. Anwohner beschwerten sich in Einwohnerfragestunden anhaltend über Lärm, auch durch nächtliche Raser. Doch der Kreis erteilte Geltow im vorigen Jahr eine Absage und der stationäre Blitzer ging an die Nachbarn in Werder. Warum? Auf MAZ-Nachfrage hieß es aus dem Landratsamt, dass das Gerät bereits gekauft war und nicht mehrere Geschwindigkeiten messen kann, wie Tempo 50 in der Nacht und Tempo 30 am Tag. „Da in Geltow vor der Schule nur tagsüber 30 km/h gelten, ist die Anlage dafür nicht geeignet“, lautete die Antwort. Tatsächlich aber gilt Tempo 30 zwischen Caputher Chaussee und Pappeltor, also über den Schulbereich hinaus, durchgehend seit etwas mehr als einem Jahr. Vorher war das Limit auf den Tag begrenzt.

Zu nass und zu kalt für den Aufbau

Auch die Stadt Werder (Havel) hatte für die Anlage gekämpft (MAZ berichtete). Ende November sollte der neue Blitzer in der Adolf-Damaschke-Straße im Bereich der neuen Kita aufgestellt werden. Bis heute ist das jedoch nicht geschehen. „Das Wetter hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Es ist zu kalt und zu nass. Für den Einbau der Sensoren braucht es mindestens fünf Grad plus. Als wir die hatten, hat es geregnet“, erklärte Kreissprecherin Andrea Metzler. Wann der Blitzer aufgestellt wird, ist aktuell noch unklar.

Wo mobile und feste Blitzer eingesetzt werden, entscheidet die Unfallkommission. „Da sind wir machtlos, aber wir werden weiter dran bleiben. Der Landkreis hat zugesagt, engmaschiger zu kontrollieren“, sagte Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) der MAZ. Laut Polizei und Landkreis ist die B 1 in Geltow kein Unfallschwerpunkt. 156 Unfälle ereigneten sich zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 31. Dezember 2018 an und auf der gesamten Ortsdurchfahrt. An sechs davon waren Fußgänger beteiligt und bei 15 Unfällen waren Radfahrern involviert. Auch der Schulweg an der B 1 ist Heike Vierke-Eichler zufolge kein Unfallschwerpunkt.

Wo außerdem aufs Gaspedal getreten wird

Die Gemeinde hat ihre Tempomessungen vom 1. April bis 30. September 2018 in Caputh, Geltow und Ferch ausgewertet. Vor der Schule in Geltow wurden mehr als 700 000 Fahrzeuge registriert, in Caputh waren es über 570 000.

Zu schnell sind viele Autofahrer auch im Kammeroder Weg in Ferch, wo seit einiger Zeit nicht mehr Tempo 50, sondern Tempo 30 gilt. Dort liegt die durchschnittliche Geschwindigkeit bei 39, die maximal gemessene bei 108.

Aufs Gas wird auch auf der Michendorfer Chaussee in Caputh getreten. Mit 134 Stundenkilometer ist ein Autofahrer dort gemessen worden. Die meisten fahren um die 36 Stundenkilometer bei erlaubten Tempo 30.

Alles oder nichts: Kauft die Gemeinde selbst einen Blitzer und kontrolliert damit, muss sie die komplette Verkehrsüberwachung in ihrem Gebiet vom Landkreis übernehmen.

Von Luise Fröhlich

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