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Schwielowsee Kommen die sieben Windräder in Ferch?
Lokales Potsdam-Mittelmark Schwielowsee Kommen die sieben Windräder in Ferch?
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20:39 02.12.2019
Windräder im Wald, wie hier in der Nähe des Kandels bei Waldkirch (Baden-Württemberg), wollen Bürger in Ferch verhindern. Quelle: Patrick Seeger/dpa
Ferch

Die Entscheidung, ob im Schwielowseer Ortsteil Ferch bald Windkrafträder stehen, nimmt am Mittwoch eine wichtige Hürde. Die Gemeindevertreter stimmen über einen städtebaulichen Vertrag mit der Bau- und Betreiberfirma Notus energy Plan GmbH ab. Zuvor hatten der Ausschuss für Bauen und Umwelt und der Ausschuss für Finanzen und Wirtschaft die sieben Anlagen, die am äußersten Rand der Gemeinde an der Grenze zu Werder gebaut werden sollen, mehrheitlich befürwortet.

Sieben Räder sollen auf 185 Hektar stehen

Ursprünglich sollten 18 Anlagen aufgestellt werden, doch Notus energy hatte sich von diesen Plänen distanziert. Nach dem Vertrag, über den nun die Gemeindevertreter abstimmen, umfasst der sogenannte „Windpark Dachsberg“ eine 185 Hektar große Fläche, die vollumfänglich im Gebiet der Gemeinde Schwielowsee liegt. Die sieben von Notus beantragten Anlagen sind vom Typ Vestas V150 mit einer Nabenhöhe von 166 Metern und mit Rotordurchmesser von 150 Metern. Sie haben jeweils eine Leistung von sechs

Megawatt.

Die Gemeindeverwaltung teilte mit, dass für den Bau, die Wartung und die Instandhaltung der Windenergieanlagen etwa 4,5 Meter breite Wege notwendig seien. Dazu würden vorrangig bereits vorhandene Wege genutzt oder ausgebaut, so die Verwaltung weiter.

„Wälder dürfen nicht vernichtet werden“

Sowohl die ursprünglichen Pläne mit den 18 Anlagen als auch die aktuellen mit sieben Windkrafträdern stoßen bei Anwohnern und weiteren Kritikern auf Widerstand. Ihr Hauptkritikpunkt: Das Aufstellen der Räder im Wald. „Das ist einfach ein No-go“, sagt Winfried Ludwig, Vereinsvorsitzender von „Waldkleeblatt“, ein Zusammenschluss von Bürgerinitiativen, der gegen Windkraftanlagen in Wäldern kämpft.

„Wälder dürfen nicht vernichtet werden, wenn wir wirklich etwas für den Klimaschutz tun wollen.“ Je Windrad müssten bis zu 1000 Bäume gefällt werden, sagte Waltraud Plarre, Sprecherin der „Baumfreunde Kloster Lehnin“, eine Initiative im Ort gegen die Anlagen.

Gegner wollen demonstrieren

Winfried Ludwig will mit einigen Mitstreitern, darunter die Orstvorsteherin von Bliesendorf, Eveline Kroll (parteilos), sowie dem Ortsvorsteher von Glindow, Sigmar Wilhelm (Freie Bürger) vor der Gemeindevertreterversammlung am Mittwoch gegen den Vertrag mit Notus demonstrieren. Glindow wäre massiv von den sieben Windkraftanlagen betroffen. Anders als Schwielowsee hat sich Werder aber gegen die Anlagen ausgesprochen, genauso wie die Gemeinden Beelitz und Kloster Lehnin.

In einem offenen Brief haben Kroll und Wilhelm Schwielowsees Bürgermeisterin Kerstin Hoppe (CDU) aufgefordert, den Vertrag mit Notus zurückzustellen. In zehn Punkten begründen sie ihre Forderung. Unter anderem befinde sich, nach Kroll und Wilhelm, das betreffende Gebiet im für unwirksam erklärten Regionalplan Havelland-Fläming. Aus diesem Grund stelle der Vertrag mit der Windenergie-Firma für die Gemeinde Schwielowsee ein unkalkulierbares finanzielles Risiko dar.

Windkraftanlagen gefährden Tourismus

Außerdem sei durch Artenschutzgutachten bekannt, dass im Vorhabengebiet der sieben Anlagen „erhebliche Belange des Natur- und Artenschutzes dem Verfahren entgegenstehen“, so Kroll und Wilhelm in dem offenen Brief an Bürgermeisterin Hoppe.

Der Faktor Tourismus spielt in ihrer Argumentation ebenfalls eine Rolle: „Die Aufstellung der Windkraftanlagen im größten Waldgebiet bei Werder widerspricht dem gemeinsamen Ausbau des stärksten Wirtschaftsfaktors dem Tourismus beider staatlich anerkannter Erholungsorte sowie der touristischen Ausrichtung des Mittelzentrums Werder und Beelitz.“

Brandgefahr im Wald steigt

Eveline Kroll sagt auf Anfrage der MAZ dazu: „Egal, wo Sie sich auf dem Schwielowsee befinden, Sie haben immer einen breiten Blick auf die Skyline der Windkraftanlagen. Das ist eine erhebliche Beeinträchtigung des Wassertourismus.“

Zuletzt geben Kroll und Wilhelm in ihrem offenen Brief zu bedenken: „Windkraftanlagen im Wald können nicht gelöscht werden, sind eine zusätzliche Brandgefährdung und Wipfelbrände, wie 2018 in Fichtenwalde, sind durch die erforderlichen Sperrkreise nicht löschbar.“

Und wenn die Gemeindevertretung am Mittwoch als einzige der betroffenen Gemeinden tatsächlich zustimmt? Was kommt für die Gegner dann? „Wir gehen davon aus, dass wir den Beschluss nicht verhindern können“, sagt Winfried Ludwig vom BI-Zusammenschluss „Waldkleeblatt. „Uns bleibt letztlich, Widerspruch beim Landesamt für Umwelt einzulegen. Das muss am Ende nämlich seine Genehmigung für das Vorhaben erteilen und es ist die einzige Behörde, bei der wir als Bürger Widerspruch erheben können.“

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Von Annika Jensen

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